Das Reit im Winkler Ortsbild soll bewahrt werden

Bildtext einblenden
Die Satzung, die der Gemeinderat beschlossen hat, soll die Reit im Winkler Ortsgestaltung bewahren. (Foto: Hauser)

Reit im Winkl – Den Neuerlass der Baugestaltungssatzung beschloss der Reit im Winkler Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Entsprechend der Beschlüsse der vorangegangenen Sitzung waren die von einer Arbeitsgruppe vorberatenen Bauvorschriften zur Ortsgestaltung der Gemeinde nochmals überarbeitet und angepasst worden. Kurz vor dieser Sitzung eingegangene Kritik des Wirtschaftsverbands wiesen Bürgermeister und Gemeinderäte einhellig zurück.


»Die 1992 erstellte Baugestaltungssatzung der Gemeinde Reit im Winkl besteht unverändert seit dem Jahr 1998«, erläuterte Bürgermeister Matthias Schlechter (CSU). Mehrere Gemeinderäte haben sich schon mit einer Änderung der Vorschrift befasst, zu einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss sei es jedoch bislang nicht gekommen, so Schlechter. Seit Juli 2019 arbeite der Gemeinderat intensiv an der Überarbeitung. Dabei seien örtliche Architekten im Februar 2020 im Rahmen einer Arbeitskreissitzung erstmals beteiligt worden.

Bürgermeister Schlechter weiter: »In der letzten Legislaturperiode kam das Gremium zu dem Entschluss, eine Anpassung der Satzung dem nun aktuellen Gemeinderat zu überlassen. Im September 2020 fand eine gemeinsame Sitzung mit dem damaligen Kreisbaumeister Rupert Seeholzer statt, um die fachliche Sichtweise der Baugenehmigungsbehörde mit berücksichtigen zu können. Dabei standen Sinn und Zweck sowie der Umfang der Örtlichen Bauvorschriften im Mittelpunkt.«

Den Gemeinderatsmitgliedern sei der vom ortsansässigen Architekten Peter Höflinger kommentierte Entwurf der Satzung vorgelegen. Es habe eine intensive Auseinandersetzung damit gegeben. In einer eigens zu den örtlichen Bauvorschriften gegründeten Arbeitsgruppe sei der Entwurf weiterentwickelt worden.

Der Bürgermeister verlas einen »Offenen Brief« des Wirtschaftsverbands Reit im Winkl, in dem sich dieser gegen die im Entwurf vorliegende Ortsgestaltungssatzung ausspricht. Sie trage laut dem Schreiben nicht dazu bei, dass sich Reit im Winkl weiter entwickelt und so seinen Aufgaben für die Zukunft und für kommende Generationen gerecht werde. Zudem wird die Gemeinde aufgefordert, ortsansässige Experten hinzuzuziehen.

Dazu sagte Bürgermeister Schlechter, dass der Erlass einer Satzung zu den Aufgaben des Gemeinderats als demokratisch legitimierte Vertretung der Gemeinde gehöre. Eine Beteiligung örtlicher Verbände und Vereine sehe das Gesetz nicht vor, der Tourismusverband sei allein durch die gewählten Gemeinderatsmitglieder bei der Ausarbeitung der Satzung beteiligt gewesen. »Die örtlichen Bauvorschriften haben schwerpunktmäßig das Privathaus im Fokus, gewerbliche Gebäude und Sonderbauten werden stets gesondert, meist im Rahmen spezieller Festsetzungen im Bebauungsplan, gestalterisch behandelt«, so der Bürgermeister.

Insgesamt diene die Satzungsanpassung die Reit im Winkler Ortsgestaltung zu bewahren, die sowohl von den Einheimischen wie auch von den Gästen stets als positiv wahrgenommen werde. Der Bürgermeister weiter: »Dem Gemeinderat ist bewusst, dass eine Satzung benötigt wird, um insbesondere auswärtigen Planern die Grundzüge der gewünschten Architektur nahezubringen.

Allzu laxe oder gar fehlende Bauvorschriften führen zu Entwicklungen, wie man sie leider im benachbarten Tirol findet. Für die Verwaltung ist die Satzung sowohl in der Baube­ratung als auch in der Antragssachbearbeitung eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage.« Soweit sich einzelne Festsetzungen als ungeeignet oder überarbeitungsbedürftig ergeben sollten, könnten die Vorschriften später angepasst werden. Der aktuelle Gemeinderat gebe sich und den Bürgern mit der neuen Satzung ein maßvolles Regelwerk, auf dessen Basis die Gestaltung der Gebäude in Reit im Winkl weiter-entwickelt werden können. »Beide politischen Gruppierungen haben sich in der Vergangenheit der Aufgabe verschrieben, Reit im Winkl für die aktuelle und die folgenden Generationen aufzustellen«, so der Bürgermeister. Der Fokus der vorliegenden Satzung gelte nicht der Vergangenheit, sondern der Zukunft.

Einhellig wiesen die Gemeinderäte die Kritik des Wirtschaftsverbands Reit im Winkl zurück. Marcus Ritzer (CSU) kritisierte insbesondere, dass der Brief erst drei Tage vor der Sitzung eingegangen war und verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf, man wolle durch diese Satzung mit rückwärtsgewandtem Blick verhindern, dass sich Reit im Winkl weiterentwickelt und so seinen Aufgaben für die Zukunft gerecht werde.

Gemeinderätin Lisa Ruh (Freie Wähler) sah mit diesem Brief die langjährige Arbeit der Gemeinderäte, Bürgermeister und Verwaltung an der neuen Satzung diskreditiert. »Alle haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt«, sagte sie.

sh