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Das Riedberger Horn als Menetekel für das Sonntagshorn?

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Die Leiter der Aktionsgemeinschaft waren auch die Gestalter des Abends, von links: Georg Reif, Dr. Wolf Guglhör, Rudolf Till und Walter Kellermann. (Foto: Höfer)

Es reicht ein Depp mit Einfluss, um alles kaputt zu machen. Und es braucht so viele, um das aufzuhalten. Maria Noichl weiß, wovon sie spricht. Die Europa-Abgeordnete war eine von vielen Ehrengästen im Traunsteiner Parkhotel. Die »Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns« feierte dort ihr 25-jähriges Bestehen – und damit einen zähen, aber bislang erfolgreichen Kampf gegen eine weitere Skierschließung in der Region Winklmoos und Heutal. Mit der Entwicklung am Riedberger Horn ist auch das Gebiet um das Sonntagshorn wieder stärker in den Fokus gerückt. So mancher Redner warnte und mahnte, andere gaben sich an diesem Abend optimistisch.


Man kämpfe nicht gegen, sondern für etwas, betonte Vorsitzender Dr. Wolf Guglhör, nämlich für eine ursprüngliche Landschaft und eine schützenswerte Pflanzen- und Tierwelt in einer Region, die für eine Skischaukel »besonders ungeeignet« sei und ein Wintertourismus dort nicht zukunftsfähig.

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Festredner Glück lobt den langen Atem

Dabei habe ein bayerischer Finanzminister die dortigen Saalforste auf österreichischem Gebiet im Jahr 2004 verkaufen wollen. Guglhör bedankte sich bei allen Mitstreitern, die das verhindert hatten. Allen voran der damalige Forstdirektor Hans Sleik, Politiker wie Gustav Starzmann und Sepp Daxenberger. Und nicht zuletzt Alois Glück, Schirmherr und Festredner beim Jubiläum.

Der attestierte den Akteuren einen langen Atem. »Wir verdanken den Bürgerinitiativen unendlich viel«, lobte der CSU-Politiker und erinnerte an das, was in Sachen Bergwald passiert sei. Der Bergwaldbeschluss des Bayerischen Landtags fiel im Juni 1984 – zu einer Zeit also, als das Thema Waldsterben in aller Munde war.

»Dieser Beschluss war nur in diesem Zeitfenster möglich«, ist der ehemalige Landtagspräsident überzeugt. Zusammen mit dem Alpenplan habe der Beschluss wirksam Rodungen und Freizeiteinrichtungen verhindert. Positivbeispiel für ihn ist der Geigelstein, wo man mit viel Gespür für die Menschen dort anstatt eines Skizirkus' einen Naturpark verwirklicht habe. Selbst bei der Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch waren solche Zonen tabu.

Nun aber versuche man es mit einer »Salamitaktik«. Dennoch ist Alois Glück zuversichtlich. »Mein Eindruck ist, das geht nie in Betrieb.« Gemeint waren sowohl die Skischaukel am Riedberger Horn als auch die Pläne im Heutal. Gleichwohl müsse man wachsam bleiben und sich weitere Verbündete suchen.

So wie die Stadt Traunstein. Oberbürgermeister Christian Kegel erinnerte die Gäste daran, dass die Große Kreisstadt ihr Trinkwasser aus der Laubau beziehe, aus jener Region, in die das Heutal entwässere. »Wunderbares Wasser«, schwärmte Kegel und scherzte: »Drum san die Traunsteiner so schön und so g’scheid.« Sein Wunsch an die Aktionsgemeinschaft lautet: Sich aufzulösen, weil keiner mehr auf dieses »wunderbare Naturkleinod« aufpassen müsse.

»Macht das nicht kaputt« appellierte auch Maria Noichl an alle Verantwortlichen. Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl hatte die Zahlen dazu parat. Zum einen die Klima-Prognosen, die für die Alpenregion einen überdurchschnittlichen Temperaturanstieg voraussagen, zum anderen die 34 Millionen Euro an Steuergeldern, die in Bayern seit 2009 in Beschneiung und Speicherseen flossen. »Sinnlos und nicht mehr gefragt«, meint sie, »das ist der falsche Weg.«

Das sieht auch Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein so, der als Dachverband ebenso Mitglied der Aktionsgemeinschaft ist wie viele Sektionen in der Region. Scheuermann als Experte in Sachen Skibergsteigen ist zuversichtlich, dass sich am Riedberger Horn aufgrund er hohen erforderlichen Investitionen in den nächsten Jahren nichts tun wird.

Etwas rustikaler schenkte der Traunsteiner Autor Willi Schwenkmeier der »königlich bayerischen Staatspartei« ein, und jenem Heimatminister, »dem Naturschutz so wichtig ist wie der Gams das Schafkopfen«. Sowohl der Bergwaldbeschluss als auch der Alpenplan sei manchem CSUler ein Dorn im Auge. »Ökonomie überwuchert Ökologie«, erkannte Schwenkmeier auch mit Blick auf den Saurierpark auf der benachbarten Steinplatte. Er rief alle Mitstreiter auf: »Seien wir bayerische Streithansln.«

Streithansln der ersten Stunde waren Georg Reif und Walter Kellermann. Sie berichteten von den Anfängen des Widerstands und der Vereinsgründung im Dezember 1992. Die Anfänge reichen jedoch weiter zurück. 1968 wurde der erste Lift im Heutal gebaut; in den 70er Jahren entstanden Pläne für einen Skizirkus von der Loferer Alm über Steinplatte und Heutal bis nach Unken. »Man prahlte damals schon mit einem der größten Skigebiete der Alpen«, erinnerte sich Kellermann, der schon 1974 für den Geigelstein ein Lawinengutachten erstellt hatte und sich später von der Natur bestätigt sah: »Eine Lawine hat dort den letzten Skilift eliminiert.«

Bilder einer unberührten Landschaft

Der stellvertretende AG-Vorsitzende Rudolf Till hatte Filmsequenzen und Bilder unberührter Landschaft zusammengestellt unter dem Titel: »Naturgenuss statt Pistenrummel«. Von einsamen Pulverschneehängen an Dürnbach- und Sonntagshorn, von der großen Demo der Aktionsgemeinschaft an der Finsterbachalm, dem »Kerngebiet« möglicher Erschließung. Der schmelzende Frühjahrsschnee lässt ein Meer an Krokusblüten sprießen. Ein Bild, das es nach Überzeugung Tills auf verdichteter Piste nicht mehr gäbe.

Die Aktionsgemeinschaft wird die Klagen des Landesbundes für Vogelschutz und des Bund Naturschutzes gegen das Vorhaben am Riedberger Horn finanziell unterstützen. Denn, so Wolf Guglhör: »Das Sonntagshorn wird auch am Riedberger Horn verteidigt.« Der Vorsitzende dankte den »Mutmachern des Abends« und allen Unterstützen.

Übrigens: Die Aktionsgemeinschaft hat eine Festschrift zum Jubiläum herausgebracht. Diese bietet eine lesenswerte chronologische Auflistung von Daten, Fakten, Pressemeldungen und Ereignissen von damals bis heute. höf