»Das sind Momente für die Ewigkeit«

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Hannes Namberger kam nach 22:22:06 Stunden ins Ziel – den Erfolg des Ruhpoldingers bejubelten auch zahlreiche Fans an der Strecke. (Foto: Hendrik aufm Kolk)

Nach über 22 Stunden hatte Hannes Namberger immer noch ein Lächeln auf den Lippen: Der Ruhpoldinger riss die Arme nach oben und lief bei seiner ersten Teilnahme am Ultra-Trail Mont Blanc als Sechster ins Ziel in Charmonix. Der 32-Jährige bewältigte die Strecke mit 170 Kilometern und 10 000 Höhenmetern als bester Deutscher in 22:22:06 Stunden. Den Sieg holte sich der Franzose Francois D'Haene in 20:45:59 Stunden vor seinen Landsmännern Aurelien Dunand-Pallaz (20:58:31 Stunden) und Mathieu Blanchard (21:12:43).


Hannes Namberger war mit seinem Ergebnis »sehr, sehr zufrieden. Das war schließlich das größte Rennen der Welt und eine Distanz, die ich bisher noch nicht annähernd gelaufen bin.« Umso mehr freute den Bundespolizisten, dass er es nicht nur überhaupt ins Ziel geschafft hatte – von den 2347 Starten gelang das nur 1521 Teilnehmern –, sondern dass er auch noch sein selbst gestecktes Ziel, die Strecke in unter 23 Stunden zu bewältigen, deutlich erfüllt hatte. »Das ist schon etwas Spezielles und ganz Besonderes.«

»Man muss mit viel Vernunft laufen«

Einfach war das für den Extrem-Bergläufer allerdings nicht: »Man muss schon mit viel Vernunft laufen, damit man am Anfang nicht zu viele Körner verliert«, weiß der Ruhpoldinger. Doch genau das fiel ihm am Start gar nicht so leicht, schließlich lag er bei der zweiten Zwischenstation nur auf Rang 30. »Die ersten 30 Kilometer habe ich mich richtig schlecht gefühlt«, erzählt Hannes Namberger. »Ich war ganz weit hinten und das kenne ich von anderen Rennen nicht. Ich dachte, irgendwas stimmt nicht.« Doch dann holte der 32-Jährige auf und lief immer weiter nach vorne. »Ich habe gemerkt, dass ich doch nicht alles falsch gemacht habe. Das ist das schönste Gefühl, wenn man andere Läufer einholt.«

Doch auf das Hoch folgte bald auch wieder ein Tief: »Man steht im Berg und denkt, dass man einfach nicht vorwärts kommt«, beschreibt er den Rennverlauf. »Da muss man schlau arbeiten.« Schließlich sei ein so langes Rennen auch für den Kopf eine große Herausforderung, mit Mentaltraining hatte sich der Ruhpoldinger aber auch darauf vorbereitet. »Es geht einem nicht immer nur gut – es gibt Zeiten, da geht es dem Körper auch richtig dreckig.« Doch auch diese Phasen überwand er.

»Viel essen und man darfniemals frieren«

Für das Rennen hatte er sich einen einfach klingenden Plan zurecht gelegt: »Ich musste langsamer starten als sonst, viel essen und man darf niemals frieren.« Schließlich ging es auf der Strecke zwischenzeitlich auf über 2500 Höhenmeter hinauf. »In der Höhe und bei Wind waren es gefühlt unter null Grad«, erzählt der Bergläufer. »Da hätte ich gerne eine lange Hose dabei gehabt, meine Beine hat es so richtig hergefroren«, sagt er – inzwischen kann er darüber schon wieder lachen.

Zumindest ernährungstechnisch habe aber alles »super gepasst«. Immerhin musste er sich im Vorfeld gut überlegen, wie er die verbrannten Kalorien – rund 16 000 bis 17 000 waren es nach seinen Berechnungen – »wieder reinschaufeln« konnte. »Man hat ja nicht die Zeit, sich hinzusetzen und einen Teller Nudeln zu essen.«

So hat der Ruhpoldinger schon ein paar Stellschrauben gefunden, an denen er noch drehen will – denn eine erneute Teilnahme am Ultra-Trail Mont Blanc hat er sich fest vorgenommen. »Ich habe im Ziel gestanden und gesagt: Nie wieder! Dann bin ich am nächsten Tag aufgestanden und habe gedacht, dass ich auf jeden Fall wieder dabei sein will.«

Beeindruckt von derUnterstützung der Fans

Schließlich habe das Rennen für viele Emotionen gesorgt, von denen Hannes Namberger »noch lange zehren« will. Beeindruckt hat den 32-Jährigen vor allem die Unterstützung der Fans – egal, ob für den ersten oder den letzten Läufer. »Kilometerlang standen die Leute an der Strecke und haben uns angefeuert. Das war so ein Lärm, das kennt man sonst nur von der Tour de France, wo die Fans die Fahrer anschreien.«

Und das galt nicht nur für Start und Ziel in Charmonix, sondern auch einige Stellen an der Strecke. »Wenn man dort in der Nacht hinkommt, stehen die Leute da und feuern einen an«, berichtet Hannes Namberger noch immer ganz überwältigt. Das half ihm auch, das Rennen mit einem Lächeln zu absolvieren. »Das ist ganz wichtig«, betont er. »Das Rennen ist zu lang, um nur auf die Zähne zu beißen.«

Wie lange die Strecke ist, wurde dem Ruhpoldinger unterwegs auch wieder bewusst. »Man ist schon ewig unterwegs, ab Kilometer 130 war es aber immer noch richtig lang – immerhin noch fast ein Marathon mit 3000 Höhenmetern.«

Deshalb arbeitete Hannes Namberger die Strecke »Stück für Stück, von Station zu Station, von Berg zu Berg« ab. »Bei Kilometer 120 wusste ich, dass ich gut dabei war und dass ich es schaffe, wenn nichts kaputt geht.«

Motivation war für ihn dabei auch, dass »ich das machen darf, was ich liebe. Da ist jeder Schritt einfach geil. Das sind Momente für die Ewigkeit.« Die er schließlich mit Freunden und Familie im Ziel feierte. Auch seine Freundin unterstützt den 32-Jährigen und kümmert sich um die Verpflegung bei den Rennen . »Ich kann mich wirklich auf alle im Team verlassen, deshalb läuft es gerade so gut bei mir.«

»Der Körperbraucht eine Auszeit«

Darum ist Hannes Namberger auch »sehr, sehr zufrieden mit meiner Saison. Ich habe alles erreicht, was ich mir heuer erträumt habe.« Ob noch ein weiteres Rennen in der Saison folgt, will er kurzfristig entscheiden. Klar ist nämlich auch: »Der Körper gibt eindeutige Zeichen und braucht eine Auszeit.« Das gelte genauso für den Kopf, der nach einem solchen Rennen müde sei.

Für Hannes Namberger steht nun erst mal Urlaub ohne Training – der Bundespolizist absolviert die Rennen und trainiert in seiner Freizeit – in Frankreich an. »Ich werde gemütlich Fahrrad fahren, Kaffee trinken und gut essen«, verrät Hannes Namberger und lacht. »Eben so, wie normale Leute.«

jom