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Das Spiel mit erotischen Fantasien

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Die Show »Let's Burlesque« bot im Traunreuter k1 eine spannende Mischung aus Moderation, dynamischer Musik und erotischem Tanz. (Foto: Heel)

Burlesque nannte sich eine Gattung des amerikanischen Theaters zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das als zentrale Attraktion den Striptease präsentierte. Allerdings entkleideten sich die Künstlerinnen dabei nicht vollständig, sondern entledigten sich nur gewisser Kleidungsstücke wie etwa der Handschuhe.


Dies mit Niveau und Stil als Kulturveranstaltung wiederaufleben zu lassen, hat sich die Berliner Show »Let's Burlesque« ins Programm geschrieben, und zwar als spannende Mischung aus (meist) anregender Moderation, dynamischer Musik und erotischem Tanz, die beim überwiegend weiblichen Publikum im gut besuchten Saal des Traunreuter k1 trotz einiger Längen auch sichtlich gut ankam.

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Mittelpunkt und Star der Show war Evi Niessner, eine ausgebildete Opernsängerin, die alles drauf hatte, vom Chanson einer Edith Piaf bis zum Bluesrock à la Led Zeppelin. Sie führte mit frivolem Witz und leicht laszivem Habitus durch den Abend, wobei sie gleich eingangs einige goldene Regeln für das Publikum aufstellte: »Wenn sich hier heute Abend einer auszieht, ist das einer von uns.«

Begleitet wurde sie dabei von ihrem Ehemann Rainer Leupold alias »Das Tier«, einem erstklassigen Pianisten, der ebenfalls als Sänger brillierte (»Waltzing Matilda«), ergänzt von der Band »The Glanz« mit Ben »King« Perkoff am Saxofon, »Dr. Jazz« Robin Draganic am Kontrabass und »Mr. Groove« David Tröschler am Schlagzeug. Drei herausragende Instrumentalisten, die keine Gelegenheit ausließen, dem Publikum einzuheizen – speziell Perkoff, der mit seinen Soli einige Damen im Saal sogar hautnah erfreute.

An ihrer Seite und quasi als Sahnehäubchen agierten drei Burlesque-Stars, die auch als Akrobatinnen hervortraten: Die gebürtige Italienerin Miss Honey Lulu, die »japanische Geisha« Miss Erochica Bamboo und die aus Berlin kommende Tara La Luna. Sie verzauberten das Publikum mit so anmutigen wie »ausziehenden« Tänzen, wobei das Spiel mit den erotischen Fantasien jedoch eher brav und verhalten blieb.

Für die weiblichen Gäste trat zudem Robert Choinka auf, der als »dreckiger Automechaniker« zum Song »You can leave your hat on« einige erotisch angehauchte Handstände vorführte, die mit einer Burlesque-Show nur sehr bedingt zu tun hatten. Allerdings hatte das Publikum angesichts der vielen Lieder und ausgiebigen Soli von einzelnen Musikern der Band manchmal das Gefühl, auf einem Popkonzert zu sein und nicht bei einer Burlesque-Show im eigentlichen Sinne.

Nach fast drei Stunden – beim großen Finale – traten alle Protagonisten der Show dann nochmals gemeinsam auf die Bühne, um zu Rainer Leupolds zur Ukulele gesungenen Tom-Waits-Titel »You're innocent when you dream« »Goodbye« zu sagen. Wolfgang Schweiger