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Das vergessene Land

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Geborgen: Hoffnungsvolle Waisenkinder in Kambodscha. (Fotos: privat)
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Der Vorstand von C.O.L.T. (v.l.): Peter Heiduczek (2. Vorsitzender), Robert Heiduczek (Vorsitzender), Klaus Göbel (Öffentlichkeitsarbeit), Robert Fritschka (Schriftführer) und Helmut Halmich (Kassier).

Berchtesgaden – »C.O.L.T.« steht für Cambodian Organization for Living and Temporary Care. Der »Berchtesgadener Anzeiger« stellt den ortsansässigen Verein vor und berichtet über dessen Pläne.


Robert Heiduczek ist schon viel in der Welt herumgekommen. Vor zwölf Jahren blieb er in Kambodscha hängen. Der Vereinsvorsitzende machte seinen Urlaubsort zum Lebensmittelpunkt. Doch das war nicht alles. Zusammen mit sieben Freunden gründete er 2006 den Verein »C.O.L.T.-Deutschland«. Aktuell verzeichnet man zwanzig Mitglieder. Zwei Drittel davon kommen aus dem Talkessel. Die Zentrale des Weltvereins liegt in den Niederlanden. Die deutsche Verwaltung in Bischofswiesen. Dort obliegt die Organisation dem Kassier Helmut Halmich. Überwältigt von Land und Leuten, wollten er und Heiduczek dem bitterarmen Staat in Südostasien etwas zurückgeben. »Die Kinder haben Hilfe verdient. Kambodscha ist vergessen worden«, sagt der Vorsitzende.

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»In einer Woche bin ich wieder zurück. In unserem Heim und bei den Kindern«, sagt Heiduczek. Halmich wird ihn zwei Monate später besuchen. Es gibt viel zu tun. Es läuft erfolgreich. Aber, wie es bei vielen Vereinen so ist: Es fehlt Geld. »Wir finanzieren uns durch Privatspenden aus der ganzen Welt. Sonst könnte das umfangreiche Projekt nicht umgesetzt werden«, weiß der Kassier.

Kinderheim in Phnom Penh

Was tut der Verein? Zweck des Vereins ist die Förderung von Erziehung und Bildung hilfsbedürftiger Kinder. »C.O.L.T.« unterhält ein Kinderheim in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Man arbeitet ehrenamtlich. Dem Waisenhaus in der Nähe einer Müllkippe fehlte es anfangs an allem. Das wollten sie ändern. Denn vor der Vereinsgründung lebten die Kinder in den Slums, an Bahngleisen, waren unterernährt und krank. Viele Familien zerrüttet. Die Kinder Opfer von Gewalt. Durch die Aufnahme bei »C.O.L.T.« erfahren die Heranwachsenden oft zum ersten Mal Geborgenheit, Fürsorge und können ihre Traumata ablegen. Erst konnte der Verein das Grundstück nur anmieten. Vor Kurzem kam es zum Erwerb und der Verein nahm umfangreiche Verbesserungen vor. Denn die Bausubstanz war schlecht, die hygienischen Bedingungen mangelhaft. Kein Strom. Der damalige Heimleiter verschwand mit der spärlich gefüllten Kasse und ließ die Kinder im Stich.

Mittlerweile hat die Organisation »C.O.L.T.« das Waisenhaus gerettet. Mehr noch. Inzwischen werden dreißig Kinder permanent betreut. Sie sind zwischen acht und 22 Jahre alt. Dank einer großzügigen Spende war der Umzug in das neue Heim ermöglicht worden. Es wurden Wohn- und Unterrichtsgebäude errichtet. Lagerräume und sanitäre Einrichtungen gestaltet. Das Hofgelände wurde neu gepflastert und es gibt viele Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. Das kommt auch der Kommune zugute. Seit diesem Jahr befindet sich auf dem Gelände eine kleine Klinik. Das Medical-Care-Center bietet medizinische Vorsorge, Impfungen oder Zahnarztuntersuchungen. Die Kinder werden gesund ernährt.

»Kinder sollen nicht durchgefüttert werden«

»Aber«, so Heiduczek. »Die Kinder sollen hier nicht durchgefüttert werden. Unser besonderes Ziel ist es ihnen einen guten Bildungsweg zu ermöglichen. Sie können in die Schule gehen oder an verschiedenen Kursen teilnehmen. 2011 wurden separate Schulungsräume angemietet. Seit 2012 wird der Besuch einer Privatschule ermöglicht. Es wurde sogar ein Bildungsfonds eingerichtet, um die Kinder zum Studium zu führen. Zusätzlich soll ein gesellschafts-soziales Verhalten entwickelt werden.«

Wie geht es weiter? Der Verein möchte sich neu aufstellen, vergrößern und seinen Wirkungsbereich ausbauen. Ein Tageszentrum für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ist geplant und ein Schulbus soll angeschafft werden. Halmich ergänzt: »Grundsätzlich werden unsere Pläne erst umgesetzt, wenn die finanziellen Mittel vorhanden sind.«

Mehr Informationen gibt es auf der vereinseigenen Homepage www.colt-online.de oder per Email an info@colt-online.de. Jörg Tessnow