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Das wohltuende Gefühl des Gemeinsamen

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Beim gemeinsamen Feiern im mobilen Pfarrheim (v.l.): Pfarrer Herwig A. Hoffmann, Wolfgang Sauer (evangelischer Kirchenvorstand) und Sylvest Stöckl (Pfarrei St. Sebastian) im Gespräch mit dem Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann. (Foto: privat)

Ramsau – Manchmal entsteht etwas Gutes ganz nebenbei, zum Beispiel aus dem Wunsch der evangelischen Gemeinde heraus, einmal beim Gemeindefest nicht im Regen stehen zu müssen, wie es in der Vergangenheit so oft schon der Fall gewesen war. Daher fragte Prädikant Rolf Bechtel beim katholischen Pfarrgemeinderat an, ob nicht vielleicht einmal das mobile Pfarrheim gemeinsam genutzt werden könne – und traf damit auf offene Ohren, da die Ramsauer Katholiken ohnehin schon ein gemeinsames Pfarr- und Gemeindefest angedacht hatten. So lud die Ramsauer Pfarrei sowohl zum 1. ökumenischen Gottesdienst in St. Sebastian als auch zum 1. Ökumenischen Pfarr- und Gemeindefest im mobilen Pfarrheim am Mesnerhaus ein, an dem es dann tatsächlich draußen wieder regnete. Und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde kam gerne und feierte dankbar mit.


Pfarrer Herwig A. Hoffmann hieß zu Beginn des Gottesdienstes die vielen Gläubigen beider Konfessionen herzlich willkommen und gab damit von Anfang an die freundlich-offene Atmosphäre des Treffens vor. Er freute sich auch besonders über die so selbstverständliche Planung und Organisation, um gemeinsam beten, singen, Gott loben und dann zusammen feiern zu können. Doch auch für den nicht-verstehbaren und Angst erregenden Anschlag am Vortag in München war Platz in diesem Gottesdienst und Pfarrer Christian Gerstner entzündete eine Extra-Kerze für die Gewaltopfer und ihre trauernden Angehörigen.

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Klaus Foisner (Pfarrbrief-Redaktion Ramsau) hatte dann sowohl Wochenverkündigung als auch die Lesung übernommen und Pfarrer Gerstner das für den folgenden Sonntag bestimmte Evangelium über das »Vater unser«. Gerstner führte auch zum Glaubensbekenntnis über, in dem dann beide Varianten (»christliche« und »katholische« als allumfassende Kirche) bewusst gebetet wurden.

Die Predigt zum Evangeliumstext hatte Pfarrer Peter Schulz übernommen, und er fand gerade diesen Text so wunderbar passend für den ökumenischen Gottesdienst, da das Gebet zu Gott das gemeinsame Kernstück des Christentums sei. Es gebe im Leben aller Menschen Situationen, in denen einem die Worte fehlen, und in Anbetracht der vielen so jungen Opfer in München frage man sich wohl auch, wie man überhaupt beten solle. Jesus lehre im Evangeliumstext die Jünger das Geheimnis des Betens: sich zurücknehmen, sich konzentrieren, zur Ruhe kommen. So wie die Kirchengebäude den Menschen heilend aus dem Getriebe des Alltags herausnehmen können, so könnten die Worte des Vaterunsers wie ein sicheres Gebäude werden, wenn die eigenen Worte nicht mehr ausreichen. Jesus lebte in tiefem und kindlichen Vertrauen zu Gott; und dieses Vertrauen traute er auch allen anderen Menschen zu: sich gehalten zu fühlen von einer persönlich ansprechbaren Macht, die in guten wie in schlechten Tagen trägt.

Nach den so bedrückend aktuellen und auch persönlichen Fürbitten durch Pfarrreferentin Gabi Hartmann und Prädikant Rolf Bechtel und dem gemeinsam gebeteten Vaterunser beschloss Pfarrer Hoffmann den berührenden Gottesdienst und lud alle zum Weiterfeiern ein. Perfekt hatten der Ramsauer Pfarrgemeinderat und der Familienkreis dieses Fest organisiert; man wurde bestens mit Getränken und Essen versorgt. Und es gab auch Zeit für viele gute Gespräche. Während zu Beginn zwei junge Ramsauer für die schöne Musikbegleitung sorgten, schenkte später am Abend die neu gegründete Ramsauer Gruppe »U 7« den Feiernden ein regelrechtes Konzert, dessen Rhythmen beim Nachhausegehen noch beschwingt nachklangen. Was noch lange nachwirken wird, das sind die ganz persönlichen Eindrücke – vor allem vom wohltuenden Gefühl des Gemeinsamen. UKw

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