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»De guade oide Zeit« auf der Graflhöhe

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Auch das Dessert war königlich-bayerisch: Gebackener Apfelring im König-Ludwig-Dunkel-Bierteig, Prinzregententorte, Bayerisch Creme mit Milchschaum und König-Ludwig-Portrait sowie Vanilleeis mit Aztekengold.
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Sie ließen das Königlich Bayerische Amtsgericht wieder lebendig werden (v.l.): Peter von der Leiten, Udo Beil, Vroni Baumann, Stefan Hillebrand, Georg Wittmann, Margret Rieder, »Windbeutelbaron«-Wirt Hans Ebner und Rainer Schissel. (Fotos: Kastner)

Schönau am Königssee – »De guade oide Zeit« lebte eine Woche lang auf der Graflhöhe wieder auf. Das Königlich Bayerische Amtsgericht machte an insgesamt fünf ausverkauften Abenden Station beim »Windbeutelbaron«. Die Berchtesgadener Theaterbühne »s'Theaterplatzl« spielt heute Abend vorerst zum letzten Mal unter der Regie von Rainer Schissel drei Geschichten und in den Pausen servieren die Wirtsleute Hans und Christine Ebner in der neu renovierten Gaststube ein königliches Vier-Gänge-Menü. Dazu spielt die Gerer Klarinettenmusik unter der Leitung von Siegfried Stocker.


Bereits mit ihrem erfolgreichen Krimidinner hatten Hans und Christine Ebner in den letzten Jahren einen Volltreffer gelandet und vor allem viele Einheimische auf die Graflhöhe gelockt. Nun legten sie nach einer Idee von Rainer Schissel ein neues Konzept vor und luden eine Woche lang zum Königlich-Bayerischen Abend ein. »Ein bisserl nervös sind wir schon, weil wir nicht wissen, wie es ankommt«, hatte Hans Ebner noch am Premierentag am Freitag, 22. März, gesagt. Doch die Nervosität war wohl schnell verflogen, weil die Gäste nicht nur köstlich speisten, sondern sich auch köstlich amüsierten. Am heutigen Samstag geht die letzte von insgesamt fünf Vorstellungen über die Bühne. Dann werden nicht weniger als 375 Personen, wiederum fast alles Einheimische, einen kurzweiligen Abend beim »Windbeutelbaron« erlebt haben.

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Der Text von Gustl Bayrhammer leitet freilich auch auf der Graflhöhe den Königlich-Bayerischen Abend ein: »Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch, denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war’n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsgericht«.

»Jawoll« sagt der Gerichtsdiener

Für die Szenen aus der zwischen 1968 und 1972 entstandenen Fernsehserie braucht es nur einiger weniger Requisiten. Ein Pult für den Richter und zwei Bänke für den Angeklagten, die Zeugen und – natürlich – den Wachtmeister, dargestellt von Udo Beil. Der braucht nicht viel zu sagen, um für Lacher im Publikum zu sorgen. Mit einem »Jawoll« befolgt er die Anordnung des »Rats« (Stefan Hillebrand), den nächsten Zeugen aufzurufen. Zu den Aufgaben des Gerichtsdieners gehört es auch, die Zuschauer beim Erscheinen des Vorsitzenden zum Aufstehen zu bewegen. Das schafft er ziemlich souverän, ist aber der Meinung, »dass de Loipeier da hinten nu a bisserl üben miaßn«.

Mit Ausdrucksstärke, großer Textsicherheit und vor allem großer Leidenschaft spielt sich die Truppe vom »Theaterplatzl« schnell in die Herzen der Zuschauer. Man spielt die Gerichtsepisode »Der Pfarrgockel«, den Einakter »Der Hochstapler« und den Einakter »Das Kunstwerk«. Die Anklagepunkte sind freilich nicht schwerwiegend, für die betroffenen Parteien allerdings durchaus Anlass für heftige Wortgefechte. Da sind vor allem die Damen nicht auf den Mund gefallen. So streiten sich beispielsweise die Pfarrhaushälterin Ursula Attenberger (Margret Rieder) und die Stadlbäuerin Maria Asenbeck (Vroni Baumann) darum, ob die Pfarrersköchin nun den Gockel mit der Sense umgebracht hat oder nicht. »Der Gockel ist aus reiner Bosheit in die Sense reingerannt«, weiß Ursula Attenberger und zeigt sich als Pfarrersgehilfin schockiert darüber, »dass es der Gockl zuvor mit den Hühnern getrieben hat«. Und das alles in Salzberg – »da herrscht ja das reinste Sodom und Gomorra«. Georg Wittmann spielt dazu mit trockenem Humor den als Zeugen hinzugezogenen Bürgermeister.

»Setzen Sie sich«

Auch bei den weiteren Geschichten sind es zumeist die Damen, die den Richter auf die Palme bringen. »Ja, Himmel Herrgott, sind Sie jetzt endlich ruhig und setzen Sie sich«, befiehlt der Vorsitzende, hat dabei aber wenig Erfolg. Schließlich bombardiert im Stück »Der Hochstapler« die Klägerin Huber Zenz (auch Vroni Baumann) den angeklagten Herzog Wilhelm (Peter von der Leiten) mit heftigen Vorwürfen. Woher sollte sie auch wissen, dass der Mann nur Herzog heißt, in Wirklichkeit aber keiner ist?

Und im Einakter »Das Kunstwerk« tritt dann auch der Regisseur Rainer Schissel persönlich auf den Plan. Er spielt den Kunstmaler und Bildhauer Thaddäus Schönherr, der schon mit seiner geschwollen-näselnden Ausdrucksweise alle auf die Palme bringt. Der Künstler schuf eine Skulptur, die den Körper der Huber-Bäuerin zeigen soll. Mit dem Ergebnis allerdings ist die resolute Dame – verständlicherweise – gar nicht einverstanden. Noch dazu, weil sie dafür 75 Mark bezahlen soll.

Königliches Menü

Hans Ebner und sein Küchenteam bekamen von den humorvollen Abenden nur wenig mit, denn sie hatten mit der Vorbereitung des Königlichen Menüs, das aus einem Kochbuch von 1953 entstanden ist, alle Hände voll zu tun. Da gab es Französische Zwiebelsuppe mit Käsecroutons, Saiblingsfilet in Butter gebraten auf sautierten Gemüsestreifen in Rahmnudeln und – ganz nach des Königs Geschmack – rosa gebratenen Tafelspitz vom Kaiserkalb, dazu Kräuterjus mit Sherry, Bohnen im Speckmantel, Minikarotten und Rahmkartoffeln.

Königlich auch das abschließende Dessert: Gebackener Apfelring im König-Ludwig-Dunkel-Bierteig, Prinzregententorte, Bayerisch Creme mit Milchschaum und einem Portrait von König Ludwig sowie Vanilleeis mit Aztekengold. Bereits zum Empfang der Gäste auf der Terrasse durfte man einen Prinzregent Luitpold Weizenbock der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg probieren.

Eine Woche der besonderen Unterhaltung geht am heutigen Samstag auf der Graflhöhe zu Ende. Eine Wiederholung dürfte gewiss sein. Denn es ist ja bekannt: »As Leben geht weita, ob Freispruch oder Zuchthaus«. Auch beim »Windbeutelbaron«. Und außerdem wird das »Theaterplatzl« mit drei Amtsgericht-Stückln Ende Juli bei den Königlich-Bayerischen Sommerfestspielen im Berchtesgadener Kurgarten zu sehen sein. Ulli Kastner