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Dem barocken Herzschlag Salzburgs lauschen

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Die Ausstellungsbesucher finden sich mit Hilfe von Lichtprojektionen in der Ausstellung mitten unter Menuett tanzenden historischen Gestalten wieder. (Foto: Mergenthal)

»Alles athmet hier den Geist des Vergnügens und der Lust. Man schmaußt, tanzt, macht Musicken, liebt und spielt zum Rasen«, notierte Johann Kaspar Riesbeck 1777 in seinen Briefen eines reisenden Franzosen über Salzburg. »Überall Musik!« – unter diesem Motto bietet das Museum DomQuartier in Salzburg noch bis zum 7. März eine spannende Entdeckungsreise durch das in Musik schwelgende Salzburg der Fürsterzbischöfe und Hofkomponisten zwischen 1587 und 1807. In diesen Jahren zwischen Renaissance und Klassik war der Salzburger Fürstenhof ein Zentrum europäischer Musikkultur.

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Rundgang für alle Sinne

Der Rundgang für alle Sinne durch die Prunkräume der Residenz, mit vielen Hörbeispielen angereichert, beginnt im Carabinierisaal. 1600 errichtet, wurde er 1689 vom Laufener Johann Michael Rottmayr mit einem Deckenfresko zu den vier Elementen ausgeziert. Hier war die Leibgarde des Fürsterzbischofs stationiert, hier gab es rauschende Feste und Bälle, aber auch Opern- und Theateraufführungen, die Geschichte schrieben – etwa die erste Opernaufführung nördlich der Alpen am Rosenmontag 1614 mit Claudio Monteverdis »Orfeo«.

Pompös gefeiert wurde zum Beispiel die Inthronisation von Erzbischof Wolf Dietrich von Raithenau 1587. Monate vorher luden berittene Boten die Gäste ein, als einzige Frau übrigens die Äbtissin des Benediktinerinnenstifts Nonnberg. Bereits im Spätmittelalter war Salzburg ein Treffpunkt für Dichter und Musiker, wie dem Essay »Der Hof als Abglanz überirdischer Herrlichkeit« von Gerhard Walterskirchen zu entnehmen ist. Unter Wolf Dietrich ging es dann richtig los: Der Sohn einer Italienerin, der in Rom studiert hatte, holte Architekten, Baumeister, Maler, Musiker, ja sogar Kapläne und Sekretäre aus Italien an seinem Hof. So erhielt Salzburg sein heutiges, italienisches Gesicht, wofür es die Italiener lieben.

Allein in der Fastenzeit ging es etwas schlichter zu, wie im Rittersaal zu erfahren ist. Die opernfreien Wochen wurden mit Oratorien in deutscher Sprache überbrückt, die zuweilen auch in diesem Saal szenisch oder halbszenisch aufgeführt wurden. Ein solches Oratorium, »Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebots«, war ein Gemeinschaftswerk der damals angesehensten Komponisten am Salzburger Hof: des erst elfjährigen Wolfgang Amadeus Mozarts, Michael Haydns und des Inzellers Anton Cajetan Adlgassers. Nur Mozarts Beitrag blieb erhalten.

Die Besucher flanieren auf Läufern mit Zitaten zur damaligen Musikkultur, die auch gefragt war bei Besuchen anderer Fürsten. Im Sinne der Selbstinszenierung traten diese jeweils mit einem möglichst umfangreichen Tross auf. Sogar Zuckerbäcker reisten mit. Die Landbevölkerung musste einspringen, um die schlechten Wege für die Anreise eilends auszubessern.

Die Feste waren wie heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Beherbergung, Verköstigung und Illumination waren logistische Meisterleistungen. Komponiert wurde wie am Fließband, denn unerbittlich forderten die Fürsten für jedes Fest neue Musik. Kaum vollendet, wurden die Noten den Musici aus der Hand gerissen und von Kopisten vervielfältigt. Fürs Proben blieb kaum Zeit.

Im Konferenzzimmer tagte der hochfürstliche geheime Rat. Hier mischte sich Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo (1772 bis 1803), ein guter Geiger, gerne unter seine Hofmusiker und hier absolvierte unter Vorgänger Sigismund von Schrattenbach der siebenjährige Mozart mit seiner Schwester Anna 1763 seinen ersten Auftritt am Fürstenhof. »Der kleine Mozartl« erhielt einen zwölffachen Dukaten. Ausführlich widmet sich die Schau dem späteren Bruch mit Schrattenbach: Dem freiheitsliebenden Mozart missfiel es, als Hofmusiker wie ein Diener gesehen zu werden.

Bezahlung in Naturalien

Interessant ist auch die damalige Bezahlung der Hofmusiker: Naturalien wie Wein, Salz, Brot, Korn und Holz waren Teil des vertraglich vereinbarten Lohns. Zu Weihnachten gab es ein Kontingent Salz extra, das als Konservierungsmittel sehr gefragt war.

Mit Hilfe von Lichtprojektionen finden sich die Ausstellungsbesucher mitten in einem üppigen Schmaus an der fürstlichen Tafel oder zwischen Menuett tanzenden historischen Figuren. Prägende Musiker wie Georg Muffat oder Heinrich Ignaz Franz Biber werden extra vorgestellt, ebenso wie die wichtige Rolle der Hoftrompeter als »musikalische Leibgarde«. Als besondere Attraktion können Groß und Klein im »Blauen Salon« historische Kleider anprobieren und sich als Teil einer barocken Festgesellschaft vor einem Wandgemälde ablichten lassen.

Die Ausstellung »Überall Musik!« ist voraussichtlich bis 30. November geschlossen und anschließend bis einschließlich 7. März im DomQuartier Salzburg zu sehen. Informationen zu Öffnungszeiten und dem Rahmenprogramm gibt es im Internet unter www.domquartier.at.

Veronika Mergenthal