Dem Fasching die lange Nase gezeigt

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Für »ernsthafte« Musik hatten sich die beiden Akustik-Gitarristen Simon Elmore (von rechts) und Mark Nicholas einen Gast mit Bläsererfahrung mitgebracht: Ray King. (Foto: Ortner)

Das erfolgreiche Klamauk-Duo Mark 'n' Simon ist mit seinem Lach- und (Mit)Singprogramm längst zu einer festen Institution im Fasching in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS geworden und stets bis auf den letzten Stuhl ausverkauft. Ein bunt gemischtes Publikum »zwischen 17 und 107 Jahren«, vom maskierunlustigen Faschingsmuffel bis hin zu fantasievoll verkleideten Damen, die anschließend noch auf spätnächtliche »Weiberroas« gehen, lässt sich nur zu gerne von den fidelen Insulanern (Mark Nicholas kommt aus Wales, Simon Elmore ist Ire und ihr spec. guest Ray King ist Südengländer) auf den Arm nehmen und zum Mitsingen animieren.


Mark und Simon sind seit 37 Jahren gemeinsam als Künstler unterwegs, frotzeln, sticheln und lästern manchmal fast wie ein altes Ehepaar und haben bei diesen kleinen Spielchen mit der Schadenfreude stets die Lacher auf ihrer Seite. Sie starten ihr Programm mit dem »allerersten Lied, das wir bei Beginn unseres Daseins als Straßenmusiker in München gespielt haben«: »Mrs. Robinson« von Simon & Garfunkel. Nach wie vor ist es eine Spezialität der Meister der Comedy und des Slapstick, einfache Dinge und Bezeichnungen wortwörtlich zu übersetzen und auszuführen und die Dinge auf den Kopf zu stellen.

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Mark versucht verzweifelt, »Youthies« vom Publikum anzufertigen, während Simon versucht, so elegant wie Michael Flatley zu »hüpfen« und nebenbei das Publikum zum Singen zu bringen. Auch wenn das Gaudi-Duo sehr wohl zu herrlicher Satire fähig ist, sind manche Gags und Kalauer doch einigermaßen vorhersehbar. Doch gerade das Wissen dessen, was gleich kommt, hat auch seinen Reiz, macht die Sache herrlich sympathisch und hindert niemand am herzhaften Lachen. Oder wie Mark mit einem ausnehmend entwaffnenden Grinsen gesteht: »Manches ist soooo blöd, aber es macht einfach so unglaublich viel Spaß!« Chapeau!

Höhepunkte des Abends sind unter anderem die beliebten, mit viel Liebe zum Detail verkleideten und einer saftigen Portion Satire gewürzten, Parodien auf markante Rock-Stars. Keith Richards, immer ein wenig »in sich versunken«, verschluckt sich beim Versuch, auf einem Bein zu posen, an seiner glimmenden Zigarette. Mick Jaggers legendäres Mundhöhlenformat ist auch ohne Extra-Zähne schon beeindruckend genug. Joe Cockers markante Reibeisenstimme ist selbst für den geübten Simon Elmore gelegentlich eine Herausforderung und Frank Zappa hatte es mit seinem Isolierband-Bart auch schon mal leichter. Howie Chippendale durfte seine Klamotten anbehalten und dafür in schöner Blondinen-Manier mit strahlenden Augen »Wir sind Freunde« singen. Aber auch einige auserwählte Gast-Stars aus dem Publikum müssen/dürfen ran: Hans, Hansi und Christa tröten auf hübschen, faschingstauglichen Kinderinstrumenten nach der Fuchtel (naja, es hätte wohl eher der Takt sein sollen) von »Dirigent« Mark und werden für ihren mehr oder weniger erfolgreichen und leidenschaftlichen Einsatz mit johlendem Beifall belohnt.

Selbstverständlich gab es auch »ernsthafte« Musik, für die sich die beiden Akustik-Gitarristen einen Gast mit Bläsererfahrung mitgebracht hatten. Ray King, der einst mit seiner Band Heaven auf dem legendären Isle Of Wight-Festival aufgespielt hatte, zauberte neben seinen »Standardinstrumenten« Raritäten wie Bass-Saxofon und Bass-Querflöte hinter dem Vorhang hervor. Damit stand einer fulminanten Darbietung von alten Songs wie »Locomotive Breath« (Jethro Tull), »English Man In New York« (Sting), »A Horse With No Name« (America) und »With A Little Help From My Friends« nichts mehr im Wege.

Zum Schluss geht es »Back To The Roots« – auf die Straße, wo alles anfing. Mit der Wandergitarre und ganz ohne Stöpsel marschieren die Herren durch den Saal und lassen wieder die Fans mitsingen. Maria Ortner

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