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Dem Kinderorchester flogen die Herzen zu

Groß war die Neugier auf den ersten Auftritt des Mozart Kinderorchesters im ausverkauften großen Saal des Mozarteums Salzburg. Die 42 sieben- bis zwölfjährigen Kinder aus dem Raum Salzburg und Südostbayern begeisterten mit ihrer Spielfreude. Auch das seit März hart erprobte musikalische Ergebnis überzeugte. Selbst die Interpretation eines zeitgenössischen Werks und die schwierige Aufgabe der Begleitung einer Solistin, der herausragenden jungen Grassauer Pianistin Marie Sophie Decker Hauzel (12), meisterten sie mit Bravour. Kräftiger Applaus war ihr Lohn.

Das Klavierkonzert mit der Grassauer Pianistin Marie Sophie Decker Hauzel machte den Kindern ebenso viel Spaß wie den Zuhörern, darunter (r.) Marc Minkowksi. (Foto: Mergenthal)

Beeindruckt zeigte sich danach auch die Reichenhaller Musikschulleiterin Hildegard Ruf. »Da sind auch ganz normale Kinder dabei, nicht nur 'Überflieger'’-Kinder«, betonte sie. Mit frischem Schwung, zupackend und herrlich unverbraucht stimmten sie das »Allegro con spirito« der D-Dur-Symphonie op. 3/1 von Johann Christian Bach, den Mozart als Kind zwei Mal traf und sehr schätzte, an. Die jungen Instrumentalisten steigerten sich zu einem machtvollen Forte-Orchesterklang, bewältigten mühelos rasante Läufe und hielten bei dem schön phrasierten Fugato guten Kontakt zu ihrem Dirigenten Christoph Koncz. Ein schnelles Sekund-Motiv war ebenso eine große Herausforderung wie die Intonation und das Aufeinander-Hören im sanglichen, rein von den Streichern gespielten Andante. Mehr Freude schienen die Kinder am flotten abschließenden Presto zu haben.

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Beachtliches Können brachten die Bläserinnen an Oboe, Horn und Fagott, die zwei Traunsteiner Kontrabassisten Antonia Hadulla und Raphael Bachmann sowie Samuel Sigl am Cembalo ein. Letzterer winkte ganz cool, als der mit feinem Humor moderierende Sven-Eric Bechtolf die Kinder einzeln namentlich vorstellte. Trotz der Bitte, erst am Schluss zu klatschen, konnten sich die jeweiligen Fanclubs kurze, leise Klatscher nicht verkneifen. Die Benachteiligung der Frauen in Orchestern werde auf absehbare Zeit überwunden sein, scherzte der Moderator angesichts der 33 Mädchen, aber nur neun Buben auf der Bühne.

Viel Spaß machte den jungen Musikern auch ein 2012 für sie komponiertes Dreieinhalb-Minuten-Werk des Tirolers Johannes Maria Staud. Hochkonzentriert ließen sie sich auf diese ungewohnte fragmentarische Musik ein. Anschwellenden Glissandi rissen immer wieder plötzlich ab. Für den untergründigen Rhythmus zeigte Samuel Sigl an den Rumbakugeln viel Gefühl. Peppig hingefetzt war der Schluss. Der Komponist zeigte sich höchst zufrieden.

Während der Umbaupausen unterhielt Bechtolf den Saal mit anregenden Gedanken und interessanten Details, etwa, dass das Lieblingsspielzeug des kleinen Wolfgang Amadeus das Klavier war. Von dessen Klavierkonzert A-Dur KV 414 schloss sich der erste Satz, Allegro, an. Marie Sophie Decker Hauzels weiches, rundes, schwingendes Spiel und ihre musikalische Reife waren unglaublich. Die Musik schien aus ihren Händen zu fließen. Die Kadenz von Mozart gestaltete sie mit organischer Dynamik und Leichtigkeit. Die anderen Kinder schien das Frage-Antwort-Spiel mit der begabten Jungstudentin, die 2012 den Hans von Bülow-Klavierwettbewerb in der Gruppe Junioren gewann und bereits in Europa und den USA gastierte, zu beflügeln: Lustvoll gestalteten sie Imitationen, Akzente und weiche Klangteppiche. Als Zugabe spielte Decker Hauzel einen flirrend-feinnervigen Debussy.

Ebenso spannend war für das junge Orchester sicher die Beschäftigung mit der Symphonie D-Dur KV 19, vom Wunderkind Mozart mit erst neun Jahren komponiert. Der französische Dirigent Marc Minkoswki begrüßte die Stimmführerin der ersten Violinen galant mit einem Handkuss und nahm die Kinder im ersten und im tänzerischen, teils jagdmusikähnlichen dritten Satz vom Tempo her ordentlich ran. Gefühlvoll gelang dazwischen das Andante. Als Zugabe gab es Leopold Mozarts mitreißende »Musikalische Schlittenfahrt« und eine Überraschung: Weil Marc Minkowsky behauptete, er sei von den vielen Konzerten zu müde für die zweite Zugabe, ließ er seinen »Assistenten«, den kleinen Samuel Sigl, eine Wiederholung des ersten Satzes der Mozart-Symphonie dirigieren. Veronika Mergenthal