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Dem Volk aufs Maul geschaut

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Christa Fuchs als Frau Hingerl, Anderl Ostenstätter als Konni Rammelsmeyer diskutiert mit Sepp Häusler als Franz Hingerl. (Foto: Heel)

Als ein echter Publikums-Hit erwies sich die Uraufführung der Provinzposse »Die Auszeichnung« in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Ein Erfolg, der in diesem Fall gleich mehrere Väter hatte. Da wäre zunächst Ludwig Thoma, auf dessen Einakter »Die Medaille« das Stück basiert. Thoma hat darin auf äußerst subtile Weise das Geflecht gesellschaftlicher Abhängigkeiten in einer Kleinstadt beschrieben. Zweitens Willi Schwenkmeier, der diesen »derben Schwank«, so Thoma 1901 in einem Brief an seinen Verleger, in eine zeitgenössische, höchst amüsante Burleske über das Wesen respektive Unwesen der Kommunalpolitik umgearbeitet hat. Und drittens das Ensemble des Traunsteiner Fabriktheaters, das unter der einfallsreichen Regie Schwenkmeiers derart professionell agierte, dass wohl selbst Thoma begeistert gewesen wäre.

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Der Ausgangspunkt des Stücks ist dabei so schlicht wie effektiv: Franz Hingerl, ein braver Beamter, soll im Rahmen einer Tischgesellschaft für 40 Jahre treuer Diensterfüllung im städtischen Bauhof ausgezeichnet werden. Was allerdings schon im Vorfeld zu Konflikten führt, nachdem sich der 1. Bürgermeister vor dieser ungeliebten Aufgabe gedrückt und seinen Stellvertreter Alois Kranzeder vorgeschickt hat. Denn im Gegensatz zu ihrem ehrgeizigen Gatten ist Mathilde Kranzeder überhaupt nicht begeistert davon; sie hält das Ganze für verschwendete Mühe und graut sich davor, fremde Leute in ihrer Wohnung bewirten zu müssen.

Zu recht, wie sich herausstellen soll: Franz Hingerl und seine Ehefrau Elisabeth sind ihr auf Anhieb zuwider, und das »ausgewählte Publikum« entpuppt sich als ein ziemlich zerstrittener Haufen, dem die Preisverleihung sonst wo vorbei geht. Hauptsache, es gibt was G’scheits zum Essen und reichlich zu trinken. Der Hingerl ist ihnen völlig gleichgültig, ist in ihren Augen nichts weiter als ein armer Trottel, der treudoof gemacht hat, was man ihm angeschafft hat.

Entsprechend rasch geht es rund, reden die Herrschaften blöd daher und beschimpfen sich gegenseitig. Aber damit nicht genug: Ein verspäteter Gast sorgt für zusätzliche Turbulenzen, indem er der versammelten Gesellschaft die Leviten liest. Und dann ist plötzlich kein Halten mehr … So überzeugend wie der Stoff und die Regie waren auch die Darsteller, konnten sie ihr komödiantisches Talent doch durchgehend unter Beweis stellen. Allen voran Gabi Trattler, die mit Esprit, Schwung und bestechender Mimik die frustrierte Mathilde gab. Ihr zur Seite stand Gerhard Brusche als 2. Bürgermeister, eine Rolle, die er gewohnt souverän und mit rustikalem Charme ausfüllte. Sehr passend besetzt war auch das Ehepaar Hingerl, gespielt mit großer Präsenz von Christa Fuchs und Sepp Häusler, die allein schon durch ihre Körpersprache ihre Charaktere definierten.

Wie für sie maßgeschneidert waren auch die Rollen, die Michael Gallinger und Anderl Osenstätter verkörperten. Als überzeugter Bio-Bauer respektive entschiedener Nicht-Bio-Bauer lagen sie dabei nicht nur im Clinch, sondern agierten auch so bodenständig wie gewitzt. Bauernschlau gab sich auch Christian Hanreich als Nassforscher und dubiosen Geschäften nicht abgeneigter Oberbeamter vom Landratsamt, und ein paar prägnante Auftritte hatte auch Margit Bischlager als abgeklärt-resigniertes Hausmädchen Stasi.

Bleibt Willi Schwenkmeier, der bei dieser Tischgesellschaft die Rolle des Hofnarren übernommen hatte bzw. als stets angesäuselter Lehrer sagte, was Sache ist, aber natürlich wenig Gehör fand. Kurzum, ein Stück, das rundum Vergnügen bereitet und auch die diejenigen begeistern dürfte, denen die (Kommunal)Politik so wie der Stasi »so wurscht is wia wenn in Afrika a Radl umfällt«.

Weitere Spieltermine sind am morgigen Freitag, am Samstag und am Sonntag sowie am 27., 28. und 29. November. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0861/8431 oder per E-Mail unter info@nuts-diekulturfabrik.de Wolfgang Schweiger