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Sie stellten das Programm der Jubiläumssaison vor: Orchesterdirektor Thomas Wolfram (von links), Chefdirigent Ivor Bolton und Philip Haas, der für die Jugendarbeit zuständig ist. (Foto: Mozarteum)

In die Jubiläumssaison geht das Salzburger Mozarteumorchester mit einem »Konzert für jedermann« am 11. Juni auf dem Kapitelplatz. Die Entscheidung dafür ist so kurzfristig gefallen (bzw. die Mittel dafür wurden so kurzfristig gewährt), dass es gar nicht drinsteht im Programmbuch der kommenden Saison.


Ein Podest mit Flugdach wird für dieses Konzert auf dem Kapitelplatz gebaut, Hans Graf wird Mozarts Jupiter-Symphonie und die »Bilder einer Ausstellung« von Mussorgskij dirigieren. Außergewöhnlich ist auch der Auftritt am 1. Juni im Republic zum Auftakt des Aspekte-Festivals (das auch Jubiläum feiert, es ist das 30.).

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Aber das sind Nebenfelder. Zu einem ganz wichtigen Podium hat sich jenes im Großen Festspielhaus am Sonntag zur Matineenstunde entwickelt. Rund 1300 Abonnements verkauft man unterdessen für diese Reihe, die zu 80 Prozent ausgelastet ist. Das habe Mut gemacht, sagt Orchesterdirektor Thomas Wolfram, und so werden es in der kommenden Saison erstmals fünf anstatt vier Termine sein. »Ein ziemlicher Klimmzug«, sagt Wolfram. Die Preise würden nur moderat erhöht. Wen das aber schrecke, könne auf Mischabos (mit Donnerstag) zurückgreifen. »An den Donnerstagen im Großen Festspielhaus sind wir komplett ausabonniert«, freut sich der Orchesterdirektor.

Thema Natur in beiden Konzertzyklen

Das Thema »Natur« hat man für die beiden Zyklen am Donnerstag im Mozarteum und am Sonntag im Festspielbezirk gewählt. Da haben die »Athmosphères« von György Ligeti ebenso Platz wie Schuberts »Gesang der Geister über den Wassern« oder Strauss’ »Alpensymphonie«. Die Dirigenten der Sonntagsmatineen sind Markus Stenz, HK Gruber, Douglas Boyd, Ivor Bolton und Constantinos Carydis. Die Konzerte im Donnerstag-Zyklus dirigieren Riccardo Minasi, Vassilis Christopoulos, Mirga Grazinyté-Tyla, Domingo Hindoyan, Andreas Spering und James Gaffigan.

Die Jubiläumssaison 2016/2017 in Zahlen: Neben seinen Abonnementkonzerten und Matineen tritt das Mozarteumorchester 89-mal im Landestheater auf, viermal ist es bei der Stiftung Mozarteum eingeladen. Für sechs Abende ist es bei der Kulturvereinigung unter Vertrag. Bei den Festspielen begleitet man sechs Vorstellungen von »Cosi fan tutte« und zwölf Konzerte. Im Theater an der Wien ist das Orchester zu »Don Giovanni« verpflichtet, mit sieben Vorstellungen. Je ein Konzert gibt man in Bischofshofen und Zell am See. Im Herbst gastiert man in Zürich und geht mit dem Dirigenten Matthew Halls auf USA-Tournee.

Einen Kick bekommt auch wieder die Jugendarbeit: Dafür gibt es nun in Philip Haas einen eigenen Mitarbeiter. Er will ein Projekt mit Mahlers Erster Symphonie für Volksschulkinder aufbereiten und eines mit Musik von Ligeti und Bartok für die Sekundarstufe. Als drittes habe er junge Erwachsene im Auge, sagt er. Da soll es Kooperationen mit den Salzburger Universitäten geben.

Das Mozarteumorchester auf dem CD-Markt: Bei Oehms Classics sind bald alle Bruckner-Symphonien auch als CD-Box zu haben. Da sich der langjährige Medienpartner Dieter Oehms aber bald zurückzieht, setzt man auch auf die Firma Sony. Vielleicht noch vor dem Sommer wird dort eine Einspielung der vier Symphonien von Muzio Clementi erscheinen. Und bei Hänssler wird der Matineen-Mitschnitt der Symphonie Nr. 1 von Hans Rott vom Vorjahr herauskommen.

88 Mitglieder hat das Mozarteumorchester, sie kommen aus zwanzig Ländern. Fünf Stellen sind zwar nicht gestrichen, aber »eingefroren«, sie werden derzeit nicht besetzt. Förderungen kommen von Stadt und Land Salzburg (je 3,2 Millionen Euro). »2,7 Millionen müssen wir selber stemmen«, sagt Thomas Wolfram. Dabei helfen die Hauptsponsoren.

Noch kein neuer Chefdirigent in Sicht

Weiter warten heißt es auf einen neuen Chefdirigenten: Ivor Boltons Funktion endet ja mit dieser Spielzeit. »Im vergangenen Jahr waren wir an zwei Kandidaten relativ dicht dran«, plaudert Orchesterdirektor Thomas Wolfram aus dem Nähkästchen. Beide hätten dann mit triftigen Gründen abgesagt. Man ist also quasi wieder zurück an den Start bei der Suche, vier Kandidaten habe man im Visier, heißt es. Bolton ist ab der kommenden Spielzeit »Ehrendirigent«, und Giovanni Antonini wird Erster Gastdirigent. Unter ihrer Mentorenschaft werde das Orchester auch zwischenzeitlich gut aufgehoben sein, versichert Wolfram. »Wir rennen nicht wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend.« Reinhard Kriechbaum