Nach dem verletzungsbedingten Olympia-Aus: Traunsteiner Skicrosserin Sabrina Weilharter wieder gut in Form

Den »Extra-Adrenalinkick« wieder richtig genießen

Eine Verletzung hatte ihren Traum von der Olympia-Teilnahme in Sotschi zerstört – doch jetzt ist Skicrosserin Sabrina Weilharter wieder fit. Die Traunsteinerin überzeugte unlängst bei einem Europacuprennen mit dem 7. Platz.

Auch bei widrigen Bedingungen flott unterwegs: Sabrina Weilharter vom SC Traunstein will wieder hoch hinaus. (Foto: Wukits)

Es war der erste Renneinsatz seit März 2013. Denn im September 2013 hatte sich die Sportlerin des Skiclubs Traunstein im Training einen Kreuzbandriss zugezogen. Das kostete sie die komplette Saison 2013/2014. Nach der Reha und dem Aufbautraining stand die 23-Jährige zwar Anfang März 2014 erstmals wieder auf Skiern – »aber das war noch eher therapeutisches Skifahren, das hatte mit Training noch nichts zu tun«, erinnert sich Weilharter.

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Anschließend folgte die »Sommerpause«, in der trotzdem intensiv trainiert wird – unter anderem Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Zudem stehen für Weilharter – die nach ihrem Abitur (2010) zur Sportfördergruppe der Bundswehr Bischofswiesen kam – im April und Mai jeweils Bundeswehrlehrgänge an.

Im August 2014 stieg sie in die Vorbereitung mit dem Team ein. Diese findet zum Großteil im Olympiastützpunkt in München statt, »dort haben wir optimale Bedingungen« schwärmt sie. Den ersten »Schneekontakt« gab es im Oktober. »«Man muss sich nach so einer langen Pause schon wieder an die Sprünge und die Elemente gewöhnen, aber es ging relativ schnell«, freut sie sich.

»Gewöhnungsbedürftig« war für sie auch das vorzeitige Olympia-Aus. »Die Chancen auf die Qualifikation standen ja gut, schließlich hatte ich bei einem Weltcup Anfang 2013 schon den fünften Platz erreicht.« Es sei »erst schwer« gewesen, doch allmählich habe sie die Enttäuschung überwunden, »denn Verletzungen gehören bei uns im Sport ja auch dazu.«

Wobei die Verletzungsgefahr nach ihrer Ansicht nicht größer ist als im »normalen« alpinen Skisport. Zwar seien die Sprünge auf der Strecke sowie das direkte Fahren gegen Konkurrenten Faktoren, die zu einer Verletzung führen könnten. »Aber dafür sind wir zum Beispiel deutlich langsamer als die Abfahrer, das verringert wiederum das Risiko«, betont die 23-Jährige. Zudem fährt sie mit leichten Schienen als Prävention »Das behindert einen überhaupt nicht.«

Begonnen hatte ihre Karriere beim Skiclub Traunstein im traditionellen Skisport. Bereits als Schülerin kam sie ins Junior-Skiteam von Armin Bittner, der damals in Inzell eine intensive Nachwuchsförderung betrieb. In der Jugend schaffte sie es in den Nationalkader und wechselte an die Christophorusschule in Berchtesgaden, wo zahlreiche Wintersporttalente gefördert werden.

Doch als es allmählich in Richtung Schulabschluss ging, »wollte ich mich aufs Abitur konzentrieren und war fast schon dabei, mit dem leistungsmäßigen Skifahren aufzuhören.« Doch sie wurde aufs Skicrossfahren angesprochen, »und ich habe auch gemerkt, dass mir ohne Skifahren etwas fehlt.« So entschied sie sich, die Sportart zu wechseln – und fand Gefallen daran. Bald war sie im Europacupteam integriert und überzeugte dann Anfang 2013 sogar im Weltcup.

Und was macht den Reiz beim Skicross aus? Neben den Sprüngen sei es vor allem die Tatsache, »dass wir zu viert fahren. Das gibt schon noch einen Extra-Adrenalinkick« strahlt sie. »Auch für die Zuschauer ist das attraktiv, denn sie sehen meist genau, welche zwei Sportler weiterkommen.«

Allerdings auch nicht immer: Denn angesichts der hohen Leistungsdichte im Skicross gibt es oft auch einen Zielfoto-Entscheid. Zwar bedeutet oft schon der Start eine Vorentscheidung und ist »extrem wichtig«, aber zum einen gebe es – je nach Kurs – auch immer wieder während des Rennens Möglichkeiten zum Überholen, zum anderen könne man »kurz vor der Ziellinie noch aus dem Windschatten herausfahren.« Hier gelte es, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.

Doch schon die Qualifikation für die Finalläufe (Damen nur Erste 16, Herren Erste 32) ist hart. Zwar seien oft »nur« gut 40 bis 50 Damen am Start, »aber die sind fast alle ähnlich schnell«, weiß sie. Wenn man die Qualifikation erst einmal überstanden habe, »ist alles möglich. Denn in den Finalläufen kann man mal von Fehlern anderer profitieren, mal kann einen eine Konkurrentin durch ihren Fehler aber auch aus dem Rhythmus bringen.« Nach einem Konditionslehrgang am Montag und Dienstag in München verbringt sie in Traunstein bei der Familie die Feiertage. Es folgt vom 27. bis 30. Dezember ein Schnee- oder Konditionslehrgang.

Im Januar sollen dann zunächst die zwei ausgefallenen Weltcups in Frankreich und Innichen nachgeholt werden, am 31. Januar/1. Februar folgt der Heim-Weltcup in Ostin. Auch da will Weilharter wieder vorne mitmischen. Dass sie es kann, hat sie ja schon mit ihrem guten Europacup-Resultat bewiesen. Walter Hohler