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»Den Kopf in den Urlaub schicken«

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Mitsuko Date-Botsch berührte bei ihrem Konzert in der Streichen-Kirche in Schleching die Herzen der Zuhörer. (Foto: Wunderlich)

Ein Konzert mit Mitsuko Date-Botsch in der Kirche St. Servatius auf dem Streichen ist etwas Besonderes an einem besonderen Ort. So hat es die Künstlerin selbst auch empfunden und bat die Zuhörer, ihr Violinen-Konzert als Brücke zur eigenen inneren Welt wahrzunehmen.


Ihre musikalische Kompetenz steht außer Frage, 30 Jahre spielte sie bei den Münchner Philharmonikern, bevor sie eine Musik-Pause von acht Jahren einlegte. In dieser Zeit zog sie vier Kinder auf. Jetzt lebt die Japanerin seit zwei Jahren in Unterwössen und erfreut die Zuhörer mit leider seltenen Auftritten.

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Trotz des Mai-Schnees und ungemütlicher Kälte trafen zahlreiche Besucher in der Kirche ein. Ihnen erklärte Mitsuko Date-Botsch zu Beginn, dass die »Stille« für sie ein Lebens-Element sei, besonders in der heutigen Zeit, wo die meisten Menschen keine Zeit für Stille finden. Sie empfahl den Zuhörern, die Augen zu schließen, sich auf den Atem zu konzentrieren, sich selbst bewusst wahrzunehmen und den Violinen-Klängen die Führung zu überlassen. Sie nannte es »den Kopf in den Urlaub schicken«.

Das fiel nicht schwer, gleich im ersten Stück schmeichelten sich die Töne von Johann Sebastian Bach bei dem Violinen-Solo ins Herz, um sich dann doch wieder abzuwenden, wie eine Katze, die bei zu viel Nähe faucht und sich dann wieder langsam anschleicht.

Zum Tanz aufgespielt mit geselligen Klängen wurde bei dem Stück »Sicilienne und Rigaudon« von Fritz Kreisler. Die Zuhörer wurden entführt an den französischen Hof des 17. Jahrhunderts.

Die Verzweiflung der Kurtisane »Thais« mit dem Stück »Méditation« (Jules Massenet) bringt die Zuhörer nach Alexandria und lässt mit hohen Tönen die Wandlung der Thais von der Hure zur Heiligen erahnen, wehklagend und dann wieder erdend und tröstend mit einem ganz zarten Ausklang.

Nach dem Satz »Sarabande« aus der Partita d-Moll von Johann Sebastian Bach beendete eine Komposition des italienischen Barockkomponisten Tomaso Vitali »Ciaccona« den Abend. Hier zeigten sich nochmal alle Gefühlsregungen von ruhig über beschwingt bis aufbrausend, von traurig und mutlos zu temperamentvoll und zu einem imposanten Finale. Bei jedem vorgetragenen Stück konnte das Publikum die Hingabe der Künstlerin an die Musik und die Verschmelzung mit den Klängen erleben.

Mitsuko Date-Botsch überließ die Zuhörer zwischen den Stücken der Stille in der beeindruckenden Atmosphäre der Streichenkirche. Es gab Zeit zum Nachdenken über das Gehörte und Erlebte. Mit den Worten von Leonardo da Vinci »Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung« schloss die Violinistin das schöne Konzert. Sybilla Wunderlich