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Hanno Nüßlein (Mitte) vom TSV Chieming krönte sich inIngolstadt zum Deutschen Meister der AK 50 über die Mitteldistanz. Ole Jacobsen (links) wurde Zweiter und Marko Weber belegte den dritten Platz.

Den schwierigen Bedingungen getrotzt

Jetzt ist die Saison für Hanno Nüßlein so richtig losgegangen – und wie! Der Triathlet des TSV Chieming holte sich in Ingolstadt den Titel des Deutschen Meisters über die Mitteldistanz (1,9 km Schwimmen, 80 km Radfahren, 20,9 km Laufen) in der AK 50 in 4:12:06 Stunden. »Erfreulich und überraschend« sei das gewesen, sagte Nüßlein. 


Der ehrgeizige Hobbysportler gab nämlich ehrlich zu, dass er nach seinem Ligastart mit den Chiemingern in der Bayernliga im Mai in Weiden etwas enttäuscht gewesen sei. »Es war sehr schön mit der Mannschaft zu starten, aber mein Ergebnis dort hat mich doch ein wenig verunsichert«, betonte er.

Doch das Rennen in Ingolstadt bestätigte dem erfahrenen Langdistanz-Triathleten, dass er in der Vorbereitung alles richtig gemacht hat. »Ich bin doch gut vorbereitet für die Saison«, freute er sich – und die hat für ihn ja einen ganz besonderen Höhepunkt zu bieten: Nüßlein hat sich ja schon vor längerem zum zweiten Mal für die Ironman-WM auf Hawaii qualifiziert. Coronabedingt fiel das legendäre Langdistanz-Rennen die vergangenen beiden Jahre aber aus, diesmal soll es im Oktober endlich soweit sein.

In Ingolstadt verlief der Tag ganz anders als geplant, denn die Wetterkapriolen machten allen Sportlern zu schaffen. »Diese Wetterfront kam wirklich wie aus heiterem Himmel«, sagte Nüßlein. »Keiner war darauf vorbereitet.«

Immerhin sei das Schwimmen noch in einem warmen See gewesen, lachte Nüßlein im Nachhinein. »Und es lief für mich auch gut«, ergänzte er. Die 1,9 km absolvierte er in 29:52 Minuten. In der Wechselzone wechselte er dann schnell aufs Rad. Und: »Ich habe es da nicht für nötig erachtet, mich wärmer anzuziehen.« Viele Optionen hätte Nüßlein dabei ohnehin nicht gehabt, aber immerhin wäre ein weiteres Radtrikot bereitgelegen. Bereits kurz danach schüttete es wie aus Kübeln und die Temperaturen rauschten in den Keller. »Zudem war es windig«, berichtete Nüßlein. Er passierte in den folgenden Stunden reihenweise Athleten, die am Straßenrand standen und das Rennen vorzeitig beendet hatten. »Es war wirklich grenzwertig«, betonte er. Für Nüßlein war es aber nie eine Option gewesen, frühzeitig auszusteigen. »Ich habe mir gedacht, das ziehst du jetzt durch«, sagte der Athlet. »Für das Wetter kann schließlich keiner was.«

Beim zweiten Wechsel – die Radstrecke beendete er nach 2:02:20 Stunden – hatte Nüßlein dann aber erhebliche Probleme. »Ich habe meinen Helm nicht mal mehr aufbekommen, weil mir so kalt war.« Alles sei nass gewesen und wie in Zeitlupe abgelaufen.

Die ersten Meter auf der Laufstrecke waren dementsprechend hart. »Ich hatte regelrecht Holzfüße«, sagte Nüßlein. Zudem machten ihm bei der dritten Disziplin Rückenschmerzen zu schaffen. »Erst ab Kilometer 10 ging es so einigermaßen wieder«, berichtete er.

Alles in allem habe er sich durch den Lauf (1:32:41 Stunden) gequält und sei froh gewesen, als er endlich im Ziel gewesen sei. Dort bekam Nüßlein zunächst auch gar nicht mit, dass er den Titel in seiner Altersklasse geholt hatte. »Ich habe damit ja auch gar nicht gerechnet und weil nichts angesagt wurde, bin ich dann in die Wechselzone gegangen.« Erst als er auf seinem Handy die erste Gratulation zum Titel entdeckte, realisierte Hanno Nüßlein seinen Erfolg – und der war mehr als deutlich: Erst sechs Minuten später kam der Zweite Ole Jacobsen (Eintracht Frankfurt) ins Ziel. »Mein Rennen war also gar nicht so schlecht, wie ich es empfunden habe«, lachte er.

Mit diesem schönen Erfolg im Rücken geht Hanno Nüßlein nun seine nächsten Rennen optimistisch an. Er wird unter anderem beim Ironman70.3 Rapperswill starten. Dieses Mitteldistanzrennen in der Schweiz findet schon in wenigen Wochen statt – und zwar am 19. Juni. Dann steht noch der Ironman70.3 Zell am See am 28. August auf seinem Programm – und dort gewann er vergangenes Jahr ebenfalls seine Altersklasse bei äußert schwierigen Bedingungen.

Und dann geht's für Hanno Nüßlein nach über 20 Jahren wieder nach Kona. »Ich bin schon gespannt, was sich dort so alles getan hat«, betonte er. Und sportlich? »Da ist alles möglich«, sagte er selbstbewusst.

SB