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Den Weihnachtsstern mit Musik zum Leuchten gebracht

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Unser Bild zeigt den gemischten Dreigesang. (Foto: Bauregger)

Bereits seit 14 Jahren gestalten die Hammerauer Musikanten im Umfeld von Hansl Auer zusammen mit der Bad Reichenhaller Philharmonie ein gemeinsames Konzert.


Lange Jahre war es so, dass jeder Klangkörper seine Orchesterwerke, Volksweisen und Volkslieder getrennt voneinander vortrug. Letztes Jahr arrangierte der Gastdirigent der Philharmonie, Martin A. Fuchsberger aus Salzburg zum ersten Mal auch Kompositionen, die gemeinsam aufgeführt werden können. Wie meisterlich und feinfühlig zugleich ihm dies in diesem Jahr erneut gelungen ist, davon konnten sich die Musikliebhaber im Konzertraum des ausverkauften Königlichen Kurhauses in Bad Reichenhall überzeugen. Gemeinsam gelang es den Musikerinnen und Musikern überzeugend, mit der Ausdruckskraft der Musik den Weihnachtsstern förmlich zum Strahlen zu bringen.

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Das Konzert eröffneten die Musikerinnen und Musiker mit ihrem Dirigenten mit der Overtüre D-Dur D556 von Franz Schubert, die, nach einem lieblichen Eingang, viel Platz für feine Solopassagen, vornehmlich bei den Holzbläsern lässt. Hornsignale bilden punktuelle Farbtupfer und immer wieder wechselt der Rhythmus von einer eher schreitenden Form zu dynamischen Steigerungen, verliert aber dadurch nie die ausgesprochen pastorale, weihnachtliche Grundstimmung, die entweder von einem feinen Klangteppich der Streicher oder feierlichen Sequenzen der Blechbläser unterstrichen wird.

Ein gänzlich unbekanntes Werk hatte Fuchsberger mit der »Suite aus dem musikalischen Wintermärchen – Das Tuttifäntchen« ins Programm aufgenommen, welches Paul Hindemith 1922 komponiert hat. Der Dirigent kündigte das Stück auch mit einem »weihnachtlichen Pinocchiospiel« an, was sich durchaus in Satzüberschriften wie »Tanz der Holzpuppen« oder »Musik zum Kasperltheater« und einem weiten Spektrum verschiedener Themen, angefangen von Hirtenmusik bis hin zu einem lieblichen Wiegenlied widerspiegelt.

Auch die musikalischen Ausdrucksformen kamen hier gut zum Ausdruck. So signalisiert in mehreren Teilen das Pizzicatto der Streicher und der Einsatz der hohen Holzbläser verspielte Leichtigkeit, die tiefen Streicher kommen zum Beispiel beim »Marsch« eher dumpf und brummig dahin schreitend zum Einsatz. Ein Foxtrott zeichnet den beschwingten »Tanz der Holzpuppen« nach, während von der Solovioline und den Violinen melancholisch traurige Töne beim »Melodram« ausgehen. Das »Schlusslied« rundet die Suite schließlich mit Fragmenten aus dem Lied »Kommt, lasset uns anbeten« in einer beschwingten, majestätisch anmutenden Feierlichkeit ab.

Den ersten volksmusikalischen Teil gestalteten die Hammerauer Musikanten und die Elstätzinger Musikanten mit tänzerisch beschwingten Instrumentalstücken, stadn Weisen, Advents- und Weihnachtsliedern aus dem unerschöpflichen Schatz der alpenländischen Melodien und Liedern. Beeindruckend ist hier, neben der feinen, filigranen und harmonischen Vortragsweise auch die Vielfalt der instrumentalen und vokalen Besetzungsmöglichkeiten mit Musikantinnen und Musikanten aus beiden Gruppen.

Ob in der Besetzung mit Knopfharmonika, Harfe, wahlweise Gitarre oder Zither, Klarinette, Geige und Kontrabaß oder in der klassischen Hammerauer Besetzung mit zwei Gitarren, Hackbrett, Harfe und Kontrabaß, ob gesanglich vor das Publikum tretend als Frauen- und gemischter Dreigesang oder in zwei gemischten Gesangsquartetten; immer konnte man sicher sein, dass hier Volksmusik, Volkslieder und stimmige Jodler nicht nur in bester Qualität, sondern harmonisch ausgewogen in den verschiedensten Klangfarben intoniert wurden. Zusätzlich brachte der Einsatz einer Okarina, der Steierziach und einer zusätzlichen Basstuba weitere, interessante Klangnuance in einzelne Vortragsstücke.

Der zweite Teil des Programms stand nach der Pause zum überwiegenden Teil dann ganz im Zeichen des gemeinsamen Musizierens beider Klangkörper. Dass sich Komponisten klassischer Musik, in nahezu allen Epochen ihrer Entwicklung, immer wieder auch Inspirationen aus dem Bereich der Volksmusik holten, ist sicher nichts Neues. Auch Mozart gehörte zum Beispiel dazu. Wie feinfühlig und stimmig die bereits erwähnten Volksmusikinstrumente aber in den großen Klangkörper der Bad Reichenhaller Philharmonie eingebaut und verschmolzen werden können, demonstrierte Martin A. Fuschsberger mit seinen Arrangements auf beeindruckende Weise.

Nach der Verabschiedung und den Festtagswünschen durch Hansl Auer und Martin A. Fuchsberger und einem »Pfüat God Liad« der Hammerauer sangen Mitwirkende und das Publikum gemeinsam »Es wird scho glei dumpa« und den »Andachtsjodler«. Ehrfürchtig lauschten die Zuhörer eine Zeit lang den Schlusstönen, Gedanken versunken nach, bevor sie den Akteuren auf der Bühne mit stehenden Ovationen dankten. Werner Bauregger