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Viele Höhepunkte beim Unterwössner Starkbierfest – Die Fastenpredigt mit lustigen Anekdoten hielt Bruder Andreas

»Den Zapfhahn ins Bierfass gestreichelt«

Unterwössen – Umrahmt von der Musik der Wössner Tanzlmusi brachte das Starkbierfest des Trachtenvereins »D' Achentaler« drei Höhepunkte. Zuerst stellten die Besucher im vollen Saal fest, dass der Starkbieranstich offensichtlich nicht zur Kernkompetenz Unterwössner Bürgermeister gehört. Der Einakter »Das Orakel« des Trachtenvereins war den drei Schauspielern des Wössner Bauerntheaters auf den Leib geschrieben. Und am Ende stand eine lange ausführliche Fastenpredigt von Bruder Andreas auf dem Programm.

Beim Anzapfen hatte Bürgermeister Ludwig Entfellner übersehen, dass der Zapfhahn offen stand. So landete jede Menge Bier auf dem Boden statt im Maßkrug. (Foto: Flug)

Vielleicht hatte Bürgermeister Ludwig Entfellner noch das Bild vor Augen, als Altbürgermeister Hans Haslreiter trotz seiner Erfahrungen von 18 Dienstjahren am gleichen Ort den Bieranstich versemmelte: Der Zapfhahn zersplitterte. Jedenfalls ging Entfellner den Fassanstich auf der Bühne übervorsichtig an. »Gefühlt 25 Schläge«, erinnerte sich ein Zuschauer später schmunzelnd. Jedenfalls war es reine Kraftverschwendung, wie sich Michael Ziegler von der Brauerei Wieninger machtvoll gegen das Fass stemmte, während der Bürgermeister ihm gegenüber den Zapfhahn ins Fass streichelte.

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Beinahe wäre die Taktik des Bürgermeisters aufgegangen, der Anstich tropfenfrei gelungen. Jedenfalls dann, wenn der Bürgermeister vor dem ersten Schlag bemerkt hätte, dass der Zapfhahn offen stand. So schoss ein schöner fester Strahl mehrere Sekunden aus dem Hahn und spritzte auf den Boden. Schon war die Gaudi da, noch ehe das erste Wort der Fastenpredigt geredet war. Kräftiger Beifall brandete auf, nur übertönt vom Lachen der Zuschauer, unter ihnen Altbundespräsident Horst Köhler.

Bauerntheater spielte »Das Orakel«

In diese fröhliche Stimmung passte perfekt der Einakter »Das Orakel«, den das Bauerntheater auf die Bühne brachte. Zwei Freunde (Wolfgang Färbinger und Peter Steiner), Eigentümer der beiden größten Höfe im Dorf, waren sich am Wirtshaustisch an die Gurgel gegangen. Im Hochwasser hatte sich der Grenzbach ihrer Grundstücke ein neues Bett gesucht. Was galt jetzt als Grenze, blieb es beim alten und der Hochsitz beim ursprünglichen Eigentümer oder kam mit dem neuen Bachverlauf ein neuer Eigentümer?

Die beiden Streithähne suchten Hilfe beim Pfarrer (Anton Blank). Der will ihnen den Streit vor Gericht ersparen und gemeinsam rufen die drei das Orakel im Steingutkrug zu Hilfe. Wie das zu einer Heirat und der Zusammenlegung der beiden Höfe führt, dass vermittelten die drei Schauspieler trefflich. Wunderbar die schauspielerische Leistung der beiden Streithähne bis hin zur Versöhnung. Dazu ein Pfarrer, der in seiner Glaubwürdigkeit bei einer Dorfsammlung alle Rekorde brechen würde. Wieder gab es fröhliches Lachen und großen Beifall.

Lustige Auseinandersetzung mit dem Dorfgeschehen

In diese Stimmung trat Bruder Andreas, Andreas Steiner, an das Rednerpult. Trachtenvorstand Reinhard Kurz-Hörterer, der den Abend moderierte, hatte zuvor angemerkt, dass diese Predigt nicht einen hohen politischen Anspruch erstrebe, es solle eine lustige Auseinandersetzung mit dem Dorfgeschehen des vergangenen Jahres sein. Und das gelang in einer sehr ausführlichen Rede vortrefflich.

Wie die Pfarrer im neuen Pfarrverband aus der indischen Küche von Pater Jim die Kraft für die langen Reisen von Kirche zu Kirche bekommen, war ebenso Thema, wie auch die seit Jahren ausstehende Kircheninnenrenovierung. Wie sich zumindest im Fasching Gebirgsschützen und Trachtler immer ähnlicher werden und vielleicht zum Gaufest die Trachtler den Karabiner tragen und die Schützenweiber das Röcki, malte Andreas ein Bild. »Wenn’s dem Esel zu wohl wird, plattelt er auf die Felsbrockan umanander«, rief er den Unfall des stellvertretenden Trachtenvorstandes Otto Dufter in Erinnerung.

Warum die Gebrüder Kurz-Hörterer die Gau-Frühjahrsversammlung schwänzten, da kannte Bruder Andreas den Schuldigen. Andi Hell hatte die Ursache gesetzt, als er den Brüdern ein Tragerl zur Bierprobe auf das Gaufest überbrachte. Von starken Frauen hinter starken Männern erzählte die Anekdote von der Reiseleitung des Vereinsausfluges. Die Bürgermeisterfamilie brachte vom Gaufest in Prien die Lehre mit, dass der Heimweg zu Fuß schneller ist, als die Suche nach dem Auto.

Lob gab es für das Engagement in den Unterwössner Vereinen: der Skiabteilung und ihrem Skibetrieb am Balsberglift und des Wössner Regenbogens. Doch auch einige Aufgaben schrieb Bruder Andreas ins Stammbuch. An den Gemeinderat ging die Aufforderung, einen Ort für die Jugend im Achental zu finden.

Die Predigt kam bei den Besuchern sehr gut an. Das Publikum spendete kräftigen Beifall. Bruder Andreas und die Autorin der Predigt erhielten im Anschluss viel Anerkennung. Das Publikum hielt es auch danach noch lange aus. lukk