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Der amerikanische Fußballtraum

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Magdalena Schwarz folgt ihrem Bruder Samuel nach Amerika. Beide haben dort eines der begehrten Fußball-Stipendien bekommen. Die Erlstätterin geht künftig an eine Elite-Universität in Ruston, ihr Bruder Samuel ist in Albany. (Foto: Brenninger)

Ihr Traum ist tatsächlich wahr geworden! Magdalena Schwarz hat in den USA eines der begehrten Fußball-Stipendien bekommen und die Erlstätterin fliegt schon in ein paar Tagen in ihre neue Heimat, dem Land des Fußball-Weltmeisters der Frauen! »Die Vorfreude ist riesig«, erzählt die erst 17-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. »Aber ich habe auch Respekt davor, schließlich ist es schon ein sehr großer Schritt«, schiebt sie schnell hinterher.


Dabei ist Magdalena Schwarz nicht die einzige in der Familie, die in Amerika fußballerisch weit kommen will. Ihr Bruder Samuel ist nämlich bereits seit einem Jahr drüben und lebt dort an der Universität von Albany ebenfalls seinen Traum. »Das war die bisher beste Entscheidung meines Lebens«, erzählt der 20-Jährige, der gerade ein paar Wochen auf Heimaturlaub in Erlstätt weilt und seiner jüngeren Schwester bei den letzten Vorbereitungen für ihren neuen Lebensabschnitt auch tatkräftig mit Tipps zur Seite steht.

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»Es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass jemand von der Familie auf dem gleichen Kontinent ist wie ich«, sagt Magdalena Schwarz. Allerdings sind die beiden räumlich doch weit voneinander getrennt: Magdalena Schwarz wird im US-Bundesstaat Louisiana ihre Zelte aufschlagen, ihr Bruder Samuel, der seinen Pass aktuell auch noch beim SB Chiemgau Traunstein hat und in den Sommermonaten dort auch spielen darf, ist im US-Bundesstaat New York zuhause. »Sich schnell mal gegenseitig besuchen zu kommen, wird leider aufgrund der doch großen Entfernung nicht möglich sein. Aber immerhin sind wir in der gleichen Zeitzone«, sagen beide. »Und wir sitzen daheim auch immer mit dem Handy parat«, verspricht Mutter Gitta, die der erneute Abschied wie Vater Sepp schwerfällt. »Aber wir haben beide schon vorgewarnt, dass wir sie besuchen kommen werden.«

Zunächst hat Magdalena Schwarz, die direkt am Campus wohnen wird, aber erst einmal alle Hände voll zu tun, um sich in ihrer neuen Heimat und mit ihrer neuen Aufgabe zurechtzufinden. Fußballerisch muss sich die Offensivspielerin jedenfalls schon mal nicht verstecken. Das Fußball-ABC lernte sie einst beim SV Erlstätt, später dann im BFV-Nachwuchsleistungszentrum des SB Chiemgau Traunstein – dort spielte sie bis zur C-Jugend mit den Buben mit – und bei den Mädchen des SC Vachendorf mit einem Zweitspielrecht.

»Das war schon eine Herausforderung«

Schließlich wechselte die Offensivspielerin, die sich am wohlsten auf der Zehner-Position fühlt, 2016 in die Jugend des FC Bayern München. Dort verbrachte sie einige sehr erfolgreiche Jahre, ehe sie im vergangenen Sommer zum FFC Wacker München wechselte, um dort ihr erstes Jahr bei den Frauen zu absolvieren. »Das war schon eine Herausforderung«, erzählt Schwarz, »der Seniorenbereich ist schon was ganz anderes als der Jugendbereich, das war durchaus eine Umstellung.«

So ganz zufrieden war Magdalena Schwarz unter dem Strich dann auch nicht mit ihrer Saison. Ein Trainerwechsel, Knieprobleme, die Pendelei dreimal wöchentlich zum Training nach München und zusätzlich einmal zum Spiel, dazu noch der Abiturstress sorgten bei ihr für einen überaus vollen Terminkalender. Und das Woche für Woche.

Noch dazu hatte Magdalena Schwarz auch den Druck, unbedingt das Abitur schaffen zu müssen, um überhaupt an einer der Unis genommen zu werden. Und nach Weihnachten musste sie zusätzlich auch noch eine akademische Prüfung für die Uni-Aufnahme schreiben. Doch die ehrgeizige Schwarz wollte sich ihren Traum unbedingt verwirklich, brachte Sport und Schule unter einen Hut – und so meisterte die Abiturientin des Traunsteiner Chiemgau-Gymnasiums alle Hürden mit Bravour!

Über eine Agentur in München kam schließlich der Kontakt mit den Universitäten in Amerika zustande. Ein Video mit Schwarzs bestens Szenen aus den vergangenen Jahren schlug derart ein, »dass ich brutal viele Angebot bekommen habe«, sagt sie stolz. »An die 50 werden es gewesen sein«, ergänzt ihre Mama Gitta. »Mit allen habe ich telefoniert und geschrieben.« Ihre Wahl fiel schließlich auf die Universität in Ruston im US-Bundesstaat Louisiana.

»Ich wollte unbedingt in den Süden, wo es warm ist«, nennt Schwarz eines ihrer Auswahlkriterien. »Und meine neue Mannschaft sollte fußballerisch gut aufgestellt sein, in der höchsten Liga, der Divions one, spielen, und auch internationale Spielerinnen im Kader haben.« So fiel die Wahl auf Ruston, »auch weil der Trainer dort mich unbedingt haben wollte«, erzählt sie.

Die Aushängeschilder der Universitäten

Vier Jahre läuft ihr Stipendium. Die jungen Sportler und Sportlerinnen der Unis stehen übrigens auch besonders im Fokus – im sportbegeisterten Amerika sind Collegeteams nämlich auch die Aushängeschilder der Universitäten. »Es wird deshalb auch sehr viel Wert auf die Schule gelegt. Da bekommt man auch viel Druck vom Trainer, dass man gute Noten schreibt«, berichtet Samuel Schwarz.

Die Fußballsaison beginnt im Herbst und dauert zwischen drei und vier Monaten. Eine stressige Zeit, weiß Samuel Schwarz aus Erfahrung. »Teilweise hatten wir zwei Spiele in einer Woche.« Dabei durfte Schwarz das erste halbe Jahr nicht mal spielen, denn er war gesperrt. Im Frühjahr stehen dann hauptsächlich Freundschaftsspiele an, aber auch die werden sehr ernst genommen. »Da testet der Trainer dann bereits für die neue Saison und man muss seine Leistung bringen«, weiß Samuel Schwarz. »Fußballerisch ist das schon ein sehr hohes Niveau.«

Und gerade auch der Frauenfußball ist in Amerika seit Jahrzehnten hoch angesehen. »Da darf ich sicherlich einiges erwarten«, freut sich Magdalena Schwarz. Ihr amerikanischer Fußballtraum wird nun Wirklichkeit und beginnt in wenigen Tagen. SB