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Der andere Facebook-Gründer: Auf der Steuerflucht?

New York (dpa) - Mark Zuckerberg ist das Gesicht von Facebook. Er hat das Soziale Netzwerk zu Studentenzeiten aber nicht ohne Hilfe gestartet. Da gab es beispielsweise seinen Kommilitonen Eduardo Saverin.

Börsengang Facebook
Mark Zuckerberg ist das Gesicht von Facebook. Er hat das soziale Netzwerk zu Studentenzeiten aber nicht ohne Hilfe gestartet. Foto: Peter Klaunzner   Foto: dpa

Während Zuckerberg mit dem Mega-Börsengang nun als Held in den Vereinigten Staaten gefeiert wird, fällt Saverin urplötzlich die Rolle des bösen Buben zu.

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Vor ein paar Tagen war bekanntgeworden, dass Saverin im vergangenen Jahr seine US-Staatsbürgerschaft aufgegeben hatte. Er ist gebürtiger Brasilianer und lebt seit 2009 in Singapur. Der Schritt brachte Saverin den Vorwurf ein, er wolle nur die Steuern sparen, die nach dem Börsengang von Facebook in den USA fällig würden. Von mindestens 67 Millionen Dollar war die Rede.

Zwei US-Senatoren riefen sogleich dazu auf, die Gesetze zu ändern. «Wir werden ihn damit nicht so einfach davonkommen lassen», erklärte der New Yorker Volksvertreter Charles Schumer. Es mache ihn wütend, dass jemand das Land hintergehe, das ihn aufgenommen und behütet habe und mit dessen Hilfe er Milliardär geworden sei. «Das ist eine großartige amerikanische Erfolgsgeschichte, die am Ende schrecklich schiefgelaufen ist.»

Am Donnerstag wehrte sich Saverin in einer Erklärung: «Meine Entscheidung, die Staatsbürgerschaft aufzugeben, war alleine davon getrieben, dass ich in Singapur arbeite und lebe. Ich muss und werde Hunderte Millionen Dollar an Steuern an die Regierung der Vereinigten Staaten zahlen.» Er sei bestürzt darüber, dass seine Auswanderung zu einer solchen öffentlichen Debatte geführt habe.

Die Rückgabe des Passes ist in den Vereinigten Staaten mit ihrem ausgeprägten Nationalstolz ein sensibler Vorgang. Wenn es nach den Senatoren Schumer und Bob Casey geht, sollen ehemalige US-Bürger mit dicken Investmenteinkünften auch weiterhin im Land ihre Steuern zahlen, und zwar satte 30 Prozent. Sollten sie sich weigern, würden sich «die Türen der USA auf ewig für Individuen wie Herrn Saverin schließen».

Saverin hatte 2004 sein Erspartes in das noch junge Facebook gesteckt und hielt anfangs einen Anteil von rund 30 Prozent. Später verlor er jedoch an Einfluss, zog sich aus der Führung des Unternehmens zurück und seine Beteiligung wurde drastisch reduziert. Saverin verklagte Zuckerberg, sie legten den Streit außergerichtlich bei. Was blieb, ist ein riesiges Vermögen.

Der Börsenprospekt enthält keine Angaben dazu, wie viel Saverin noch an Facebook hält. Nach Angaben der Website «whoownsfacebook.com» besaß er zuletzt 4 Prozent der Anteile, was bei einem Gesamtwert des Unternehmens von mehr als 100 Milliarden Dollar locker für einen ruhigen Lebensabend in Singapur reichen würde. Doch Saverin erklärte: «Ich werde weiterhin in Geschäfte und Neugründungen in den USA investieren.»

Mitteilung von Senator Schumer

Saverin-Mitteilung im Volltext bei der NYT

Ursprünglicher Bloomberg-Bericht