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Der Bayernverbesserer

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»Super-Manager« Sir Benjamin Thompson alias Graf von Rumford auf einem Mezzotinto-Porträt, London 1801. (Foto: Hans Gärtner)

Sein 200. Todestag war der 14. August 2014. Also ist es noch nicht ganz zu spät, ihn zum Anlass für eine Ausstellung zu nehmen, die bis ins späte Frühjahr 2015 dauert. Eine Schau, die dem Münchner Stadtmuseum alle Ehre macht. Ehrt es doch auf bunte, liebenswerte und ansprechende, überdies ergiebige Weise den Mann, der vor zwei Jahrhunderten der damals pfalzbayerisch-kurfürstlich residierten Stadt München den Englischen Garten geschenkt hat: Sir Benjamin Thompson. Als Reichsgraf Rumford zählt er, wie Kurator Thomas Weidner zu Recht formulierte, »fraglos zu den intelligentesten Köpfen, die je in München gewirkt haben«.


Weidner, der Rumford-Experte und Autor des fabelhaften Begleitbuches (Hirmer Verlag) ist, wird kaum fertig, all die Ämter und Zuschreibungen aufzuzählen, die der 1753 im Flecken Woburn bei Boston/USA geborene Geadelte innehatte: Sozialreformer, Krisenmanager, Staatsmann, Physiker, Initiator, Stadtplaner, sogar Ernährungsphysiologe. Ein Weltverbesserer also? Doch, ja. Aber sagen wir mit Verlaub: ein Bayernverbesserer. Das lässt sich anhand der – sage und schreibe – zwölf »Kapitel«, in die die auf mehrere Räume und Ebenen verteilte, seltene Exponate aufweisende Ausstellung gegliedert wurde, konkret belegen.

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Der hochgebildete, nur schwer von Mannheim weggekommene Kurfürst Karl Theodor war es, auf den der Allrounder-Amerikaner, Farmerssohn aus der seinerzeit britischen Kolonie Massachusetts, einen so nachhaltigen Eindruck machte, dass er ihn, der als Offizier London verließ und auf dem Weg nach Wien in Bayern hängen blieb, vierzehn Jahre lang für sich und zum Wohl ganz Bayerns einspannte. Mit dem allergrößten Erfolg, in jeder Hinsicht. Nicht allein der Englische Garten geht auf den Reichsgrafen Rumford zurück - noch heute steht dort, nah beim Chinesischen Turm, das »Rumfordschlössl«. Ihm glückte es auch, Bayern aus der komplexen Krise zu führen. Bayern war zwar groß, aber unterentwickelt, was die Verteidigung betraf und die wirtschaftliche Situation dazu: ein Drittel der Bevölkerung lebte vom Handaufhalten auf offener Straße.

Nach und nach sanierte Thompson/Rumford Bayern - durch eine Vielzahl von Reformen, die bei der Armee anfingen und bei der Ernährung endeten. In Militärgärten wurden die dienstfreien Soldaten als Gärtner und Bauern eingesetzt, in Militärakademien weitergebildet. Aus den ersten Militärgärten entstand der Englische Garten. Kleine Parzellen ermöglichten das Erlernen des Landwirtschaftens. Die Fläche wurde ausgedehnt, Auen wurden befestigt, die Münchner durften im »Theodorpark« spazieren gehen. Der englische Stil gab der neu gewonnenen Stadt-Attraktion das besondere Flair. Der Chinesische Turm, die Ausstellung zeigt ein Modell, wurde errichtet, Rumfords »Mitbringsel« aus der Londoner Zeit.

Dass dieser Super-Manager Bayern trick- und kenntnisreich aus der Armut herausführte, war nicht weniger für die Verbesserung der damaligen katastrophalen Lage ausschlaggebend als die Tatsache, dass Rumford es schaffte, nachdem sein Kurfürst ihm das Oberkommando erteilt hatte, die einfallenden Franzosen und Habsburger abzuwehren, allen Schaden von der Residenzstadt München fernzuhalten. Ein Triumph für den englisch ausgebildeten Amerikaner! Ein Segen für München – für Bayern. Schade, dass dieser Tausendsassa am Ende doch – nach des Kurfürsten Tod 1799 – nach London zurückging und es nicht einmal zu einer gut funktionierenden Ehe, geschweige denn zu Kindern brachte.

Für den Biografen Weidner war es schwer, die »höchst disparaten« Betätigungsfelder seines Protagonisten – vom Schießpulverfass und der Petroleumlampe über den Kalkbrenner bis zum Luftverschmutzungs-Labor – auf die Reihe zu bekommen. Bei der kaum glaubhaften, aber in der Ausstellung glaubhaft gemachten Spannbreite Rumford‘scher Aktivitäten ist die nach ihm benannte Suppe am populärsten geworden. Sie hat sich nachhaltig im Volksbewusstsein gehalten. Das sparsame Rumford-Suppen-Rezept findet noch heute seine Köchin und seine Konsumenten. Nicht von ungefähr erhielt die bis 19. April gezeigte Ausstellung den Titel »Rumford. Rezepte für ein besseres Bayern«. Hans Gärtner