weather-image

Der Berg zum Propheten!

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Mitsuko Uchida freut sich über den Beifall des Publikums für sie und das Mahler Chamber Orchestra. (Foto: Stiftung Mozarteum)

Mozart und Mendelssohn Bartholdy. Beide sind nicht besonders alt geworden, und beide haben schon als Kinder außerordentlich gut komponiert. Sonst noch Gemeinsamkeiten? Bei der Salzburger Mozartwoche, die heuer einen Mendelssohn-Schwerpunkt ausgerufen hat, tat sich bisher noch nichts wirklich Erhellendes an Querverbindungen auf. Eher ist es so: Man nimmt aus den Konzerten mit, dass man Mozart ohne Weiteres täglich in Menge hören kann (keine Neuigkeit). Aber wirklich jeden Tag eine starke Dosis Mendelssohn?


Im Haus für Mozart war der »Elias« dran. Von Interesse vor allem wegen des Dirigenten Pablo Heras-Casado, der am Pult der Camerata Salzburg und des Bachchores stand. Viel gestalterisch Kreatives war zu entnehmen, wiewohl sich der Dirigent Effekthascherei weitgehend versagte und gar nicht auf sehr flotte Tempi setzte. Er verbat der Camerata auch das leiseste Vibrato, was über Strecken zu einer gewissen Trockenheit, ja Kargheit führte. Dafür kam jedes einzelne Fugato deutlich als solches heraus. Ob man wirklich gut beraten ist, Mendelssohns Musik primär auf ihre Struktur hin zu analysieren? Ein satter Sound hat schon auch was ...

Anzeige

Christopher Maltman als Elias – das ist ein Prophet, dem auch Berge weit nachreisen sollten, solche, die im »Elias« sonst weichen und zerbersten. Da kann man es als König, dem Elias seine Schurkereien vorhält, schon mit der Angst zu tun kriegen. Der Herrgott hingegen darf sich ob eines solchen Wortführers auf Erden getrost zurücklehnen. Höchst differenziert gestaltet Maltman aber auch die Zweifel und Müdigkeit des Propheten im zweiten Teil des Oratoriums. Aus der hochkarätigen Solistenschar (Christiane Karg, Werner Güra) hat dann besonders die kurzfristig eingesprungene Mezzosopranistin Katharina Magiera für sich eingenommen, eine außerordentlich schlackenlos und präzis geführte Stimme. Mit gewohnter Disziplin und bestens ausbalanciert: der Salzburger Bachchor (Einstudierung Alois Glaßner).

Hätte Mitsuko Uchida nicht schon vor genau einem Jahr die Goldene Mozart-Medaille der Stiftung Mozarteum bekommen, so müsste man sie ihr nach dem Konzert gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra augenblicklich umhängen.

»Andante« hat Mozart über die Binnensätze sowohl seines Konzerts in G-Dur KV 453 als auch jenes in C-Dur KV 503 geschrieben. »Gehend« kann man als Anweisung zum Schlendern nehmen, aber man kann eben auch sehr konzentriert einen Fuß vor den anderen setzen. Mitsuko Uchida hält nichts vom unverbindlichen Drauflosspazieren. Ur-konsequent langsam nimmt sie das Andante des G-Dur-Werks, liefert dafür immer neue Ansatzpunkte vor allem für die ambitionierte Holzbläsertruppe, die ihrerseits wieder nicht nur akkurates Chroma, sondern unerwartetes Tiefenlicht einbringt, in dem die Pianistin wiederum scheinbar Nebensächliches mit plastischen Schatten vorzeigen kann.

Reaktionsgenaue und reflexstarke Interaktion: Ein so sagenhaft eng verzahntes Miteinander ist ja kein einschnürendes Korsett: Wie vorlaut durften da in der ersten Variation des Finalsatzes die Bläser ihr Thema »hacken«, wie überhaupt der Übermut im Zusammenspiel in den Rahmensätzen absolut nicht zu kurz kam. Ganz anders, aber nicht weniger ausdifferenziert das C-Dur-Konzert, in dem das Mahler Chamber Orchestra über viele Strecken seinen kernigen Streicherklang in einen Applomb à la Beethoven umsetzen durfte.

Wesenhaft lebten diese Wiedergaben von der sagenhaften Übereinstimmung von Mitsuko Uchida mit der Soloflötistin Chiara Tonelli auf einem Holzinstrument mit Klappen spielte. Ihren außerordentlichen koordinativen Fähigkeiten (und im C-Dur-Werk auch der Oboistin Mizuho Yoshii-Smith) war viel von der außerordentlichen Tiefenschärfe des Musizierens an diesem Abend geschuldet. Reinhard Kriechbaum

Italian Trulli