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Der Bluegrass soll wieder heimisch werden

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»Liberty String Revival« krönten als dritte Band des Abends das kleine »Bluegrass-Festival« auf der Kleinkunstbühne im Gasthaus Post in Obing. (Foto: Zeilinger)

Bestimmt hatten einige der Zuhörer im vollbesetzten Saal beim John in Obing ein »Déjà-vu«. Denn vor fast 40 Jahren gab’s diese Art der Musik – den »Bluegrass« – in der »Roßschänke« überdurchschnittlich oft zu hören. Damals, in dem kleinen, niedrigen und meist hoffnungslos von Zigarettenrauch verqualmten Raum in der Hofmühle bei Roitham, tummelten sich Weltstars der »Bluegrass«-Szene. Nicht selten kam die Frage: »Wo und wie kriegt der John denn diese Spitzenmusiker hierher in die Provinz?«


Jetzt waren zwar keine Weltstars im Saal (oder doch?), aber Musiker, die ihr Handwerk verstanden. Mancher steht schon jahrzehntelang auf den Bühnen dieser Welt; zum Beispiel Rüdiger Helbig, der die Idee zu diesem Festival in Obing hatte, wo »zweieinhalb Bands« wie er sagte, auftraten. Zweieinhalb deshalb, weil manche der Musiker in zwei Bands mitspielten. Den Beginn machten »Strictly Bluegrass«, dann folgten »Rüdiger Helbig & Friends« und schließlich »Liberty String Revival«.

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Obwohl kühles Wetter eine Verlegung in den Saal erforderte, tat dies der Stimmung keinen Abbruch und so startete die erste Band mit Banjo, Gitarre, Mandoline und Kontrabass mit typisch »amerikanischer Volksmusik«, die allerdings von irisch-schottischen Einflüssen geprägt war. Mehrstimmiger Gesang und Ins-trumentalstücke begeisterten das Publikum, das auch nachsah, dass das mit dem »richtigen Sound« anfangs nicht so recht klappen wollte.

Bedingt durch Ausfälle wegen Krankheit und Urlaub mussten sich die Musiker mit »Ersatzspielern« zusammenraufen, was jedoch dem Laien kaum auffiel. Mit Leidenschaft klampften und zupften die Musiker um Dieter Rahner (Banjo/Dobro) sowie Günther Wimberger (Kontrabass), was das Zeug hielt. Die Klasse-Musiker stimmten auf »Rüdiger Helbig & Friends« ein, der Nachfolgeband von »Huckleberry Five« um Rüdiger Helbig und Jim Klopfenstein, die jährlich beim John auftreten »und den Bluegrass somit bereits etablierten«, wie Helbig feststellte.

Wie auch die »Vorband« mussten sich die Musiker als »Not-Quartett« zusammenraufen, um qualitativ guten »Bluegrass« zum Besten zu geben, mit einem Finnen an der Mandoline. Es klappte auch im Großen und Ganzen, was das Publikum mit reichlich Zwischenapplaus honorierte. Nicht zuletzt die Mimik und spaßigen Einlagen des US-amerikanischen Bassisten Klopfenstein erheiterten die Zuschauer immer wieder. Rüdiger Helbig bedankte sich mehrmals artig und wahr froh »über die netten Leute«, die auch kleine Fehler verzeihen und erklärte, »dass diese Gruppe erst zwei Tage alt ist!«

Den Abschluss des langen Abends krönte »Liberty String Revival«. Die Musiker um Walter Rossmann kommen aus München und standen mit sechs Instrumenten (Kontrabass, zwei Geigen, Mandoline, Gitarre und Banjo) auf der Bühne. Eigentlich besteht die Gruppe aus fünf Leuten, doch ein Gastmusiker begleitete die Gruppe mit Gitarre und Gesang. Sie spielten erfrischend, der teils dreistimmige Gesang kam gut an, die Musik war kurzweilig mit rockigen Einflüssen – doch gehört auch ein Walzer zum Repertoire der Gruppe. Mit ihrer lässigen, lockeren Art verstand es die Band, das Publikum bei Laune zu halten – zumindest bis zur Pause. Da war es bereits nach Mitternacht und viele machten sich auf den Heimweg. Schade, denn »Liberty String Revival« hätte wahrlich mehr Zuschauerpräsenz verdient.

Rüdiger Helbig möchte das »Bluegrass-Festival« in Obing etablieren, wie er hofft. Der Anfang ist gemacht und auch gelungen. Herbert Zeilinger