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Der Chiemsee rockte wieder

Sonnenbrille in Herzchenform, blaue Perücke à la Marge Simpson oder knallrote Gummistiefel trotz Backofen-Hitze: Rock-Festival-Besucher sind ein buntes Völkchen. Um aus der Masse herauszustechen, gaben auch am Chiemsee viele Musikfans mit ihrem Look ein Statement ab.

Der heimliche Star am Chiemsee war aber »Deichkind«. Die Hamburger Ausnahmeformation ließ keinen Zweifel daran, dass Hip-Hop und Elektro-Punk auf ein Rock-Festival bestehen können. Sie elektrisierten die Masse mit einer fulminanten Show, wie man sie sonst – wegen der kurzen Umbauzeiten zwischen den einzelnen Bands – nur selten auf Festivals zu sehen bekommt. In futuristischen Kostümen und mit ihren schon berühmten Dreiecksköpfen enterten sie als vorletzte Gruppe die Bühne und brachten die Besucher zum Toben. Ohne Pause tanzten und hüpften »Deichkind« und begeisterten mit jeder Menge Requisiten auf der Bühne, darunter bewegliche silberne Säulen, ein großes, schwebendes Fass, Hüpfburg und Trampolin. Bei Klassikern wie »Bon Voyage« und neuen Hits wie »Leider geil« gab es kein Halten mehr.

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Da wirkten die »Beatsteaks« aus Berlin, die als Hauptgruppe in Übersee spielten, wie ein Kontrastprogramm. In Jeans und T-Shirt und »nur« mit einer digitalen Videoleinwand im Rücken rockten sie die Bühne. Mit ihrer Spielwütigkeit hatten die Beatsteaks – eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands – die Menge aber schnell auf ihrer Seite. Knackiger Gitarrensound und die sympathisch-lässigen Animationen von Sänger Arnim Teutoburg-Weiß brachten die Fangemeinde zum Mitgröhlen und Springen– gerade bei Klassikern wie »Hello Joe« oder »Jane Became Insane«.

Das Festival-Gelände hatte sich am Nachmittag Stunde um Stunde gefüllt. »First Class Ticket« aus dem Berchtesgadener Land sowie »Anti Flag« und »Me First And The Gimme Gimmes« aus den USA ließen am Nachmittag die Punkrock-Herzen höher schlagen. In einem bereits gut gefüllten Konzert-Areal starteten »The Gaslight Anthem« durch. Die Indie-Punk-Rock-Band aus den USA, die spätestens seit Veröffentlichung ihres neues Album »Handwritten« mehr als ein Geheimtipp ist, zog merklich Besucher vor die Bühne und überzeugte mit ihren vielschichtigen Songs.

Dennoch: Der Besucheransturm blieb heuer deutlich hinter dem des Vorjahres zurück. Damals zählten die Veranstalter rund 17 000 Chiemsee-Rocker, heuer kamen nur 10 000. Der Rückgang lässt sich vermutlich auch damit erklären, dass mit den »Foo Fighters« im vergangenen Jahr eine der größten Rockbands der Welt an den Chiemsee kam.

Nennenswerte Zwischenfälle gab es am Mittwoch keine. Und auch die Sanitäter hatten einen ruhigen Einsatz, wie Peter Volk von den Maltesern informierte. Die 80 Einsatzkräfte, die aus der ganzen Diözese München-Freising kamen, mussten 40   Mal helfen – vor allem wenn der Kreislauf in der Hitze schlapp machte oder »ein Pflaster zu kleben« war. »Alkoholleichen gab es nicht«, so Volk.

In Übersee beginnt heute der »Chiemsee Reggae Summer«. Zum dreitägigen Festival erwarten die Veranstalter rund 25 000 Besucher. san