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Der Delfin in uns: «Jacques Mayol, Dolphin Man» auf Arte

Jacques Mayol
Der französische Taucher Jacques Mayol wollte eins sein mit der Natur. Foto: Jacques Demarthon Foto: dpa

Der Ursprung allen Lebens ist das Meer. Delfine leben darin und sind faszinierende Tiere. Eine Dokumentation auf Arte erzählt von einem Mann, der mit ihnen geschwommen ist.


Berlin (dpa) - «Der französische Delfin» - so wurde er von den Japanern und Chinesen genannt. Jacques Mayol (1927 - 2001) hat eine bewegende Lebensgeschichte vorzuweisen.

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Die Dokumentation «Jacques Mayol, Dolphin Man», die an diesem Samstag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist, erzählt von diesem ganz besonderen und etwas verrückten Mann, der am liebsten wie ein Delfin gelebt hätte.

Mit sieben Jahren hat Mayol im Roten Meer zum ersten Mal einen Delfin gesehen - und hätte ihn zu gerne angefasst. «Stell' Dir vor, ein Delfin zu sein und frei nach den eigenen Bedürfnissen leben zu können. In uns allen schlummert ein Delfin», sagt er zu Beginn des Filmes, der mit Mayols Kindheit am und im Wasser beginnt.

Jacques Mayol reiste viel umher und war am 23. November 1976 der erste Taucher, der ohne Atemgerät in eine Tiefe von bis zu 105 Metern gelangte. Zwischen 1966 und 1983 hielt er mehrere Weltrekorde im sogenannten Apnoetauchen (Freitauchen mit nur einem Atemzug). Seine einzigartige Tauchtechnik beruhte weniger auf Muskelausbildung und Maximierung der Luftspeicherung für den Abstieg, sondern vielmehr auf der psychologischen Vorbereitung und Konzentration auf den Tauchgang.

Seine Leistungen als Taucher (Todesangst kannte er angeblich nicht) und Tierfreund dienten als Vorbild für den Film «Im Rausch der Tiefe» (1988) von Luc Besson. Mayol hat selbst das Buch «Homo Delphinus» und andere Schriften verfasst - Auszüge daraus hat der Filmautor Lefteris Charitos in seine Dokumentation einfließen lassen, die vom deutschen Erzähler Philipp Moog sehr einfühlsam kommentiert wird und teilweise wunderschöne Aufnahmen bietet.

«Der Mensch, der im Meer taucht und dabei seinen Atem anhält, ist wie ein Meeressäuger» - so versuchte Mayol seine starke Verbindung zu den Delfinen zu erklären, mit denen er geschwommen ist. Er war stets sehr entspannt, was die Meeressäuger an seinem Herzschlag spüren konnten. Er glaubte an eine ganz bestimmte Resonanz zwischen Delfin und Mensch.

Mayol hatte eine eher zynische Einstellung zu den Menschen und ihrer Gesellschaft - mit Tieren kam er besser klar. So hatte er privat weniger Glück: Seine erste Frau und seine beiden Kinder verließ er schon früh. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Gerda, die in einem Supermarkt von einem Junkie erstochen worden war, wurde Mayol von schweren Depressionen heimgesucht. Eine zweite Familie hätte er gerne gehabt, aber sie blieb ihm verwehrt. Im Alter von 74 Jahren erhängte er sich in seinem Haus auf Elba; er hinterließ einen Sohn und eine Tochter aus erster Ehe. Seine Asche wurde vor der Küste der Toskana verstreut.

In der faszinierenden Doku kommen Angehörige und Freunde von Mayol zu Wort, darunter auch seine Kinder Dottie und Jean-Jacques, die Freitauch-Champions William Trubridge, Mehgan Heaney-Grier, Umberto Pelizzari und sein Tauchkollege Jack Slack. Ihre Aussagen zeichnen das Porträt eines Mannes, der körperliche und psychische Grenzen ausreizte - nicht, um Rekorde aufzustellen, sondern um die Beziehung zwischen Mensch und Meer zu vertiefen. Das tiefe Tauchen war für ihn eine überwältigende Reise in sein Inneres.

«Die Tiefe dämpft auch den inneren Lärm und lässt das geistige Geplapper der Menschen aus dem Alltag verstummen», wird er im Film zitiert. So ging es Mayol darum, der Welt zu zeigen, wie es ist, eins mit der Natur zu sein - und das alles miteinander verbunden ist.

Jacques Mayol, Dolphin Man