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»Der Druck ist erst einmal weg«

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Der Berchtesgadener Christian Lochner hat es geschafft und sich den Cage-X-FC-Titel bis 77 Kilogramm geholt. Foto: privat

Berchtesgaden/Salzburg – Gekämpft und gewonnen: Am letzten Samstag fanden in Wals bei Salzburg vor über 700 Zuschauern, darunter an die 100 Fans des Berchtesgadeners Christian Lochner, 14 Kämpfe um die MMA-Challenge statt. Christian Lochner gewann dabei den Cage-X-FC-Titel bis 77 Kilogramm im Weltergewicht. Ähnlich wie beim Profiboxen gibt es auch bei der komplexesten Variante aller Kampfsportarten mehrere konkurrierende Verbände. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hatte die Gelegenheit, mit dem berufstätigen Kampfsportler ein Gespräch über den Titelgewinn und seine weitere Zukunft zu führen.


Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg. Kannst Du die Meisterschaften von Wals und Deinen Titel noch einmal näher präzisieren?

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Christian Lochner: Im MMA gibt es keine geregelten Meisterschaften wie in vielen anderen Sportarten. Das liegt daran, dass es keine staatlich anerkannten Verbände gibt, die über den eigenständigen Organisationen stehen. Ähnlich ist es ja beim Boxen. Der Verband Cage X FC veranstaltet solche Events in einigen Ländern mit möglichst internationalen Kampfpaarungen. Daher ist der Gürtel als Europameisterschafts-Titel ausgeschrieben, den ich schon 2012 beim Bodensee-Cup gewonnen und in Salzburg erfolgreich verteidigt habe. Ich bin daher nicht Europameister von Europa, sondern von diesem Verband, nicht mehr und nicht weniger. Noch dazu gibt es europaweit viel mehr Potenzial an Kämpfern, ich bin ja ganz nebenbei auch noch berufstätig.

Du sagst, Du bist ein Kämpfer ...

Lochner: Es war mein fünfter Kampf nach Profi-MMA-Regeln. Weil es im Frühjahr nicht so glatt gelaufen ist, war es zugleich mein wichtigster Kampf. Der Titel und alles andere stehen dabei im Hintergrund und sind Nebensache. Ich bin Kämpfer, das war ich schon immer und darum geht es mir auch. Natürlich hat mich der Heimsieg sehr gefreut. Ich habe sehr viel dafür trainiert und war topfit. Auch den Kopf konnte ich diesmal ruhig halten, was mir bisher am meisten Probleme machte. Mein Gegner war in ähnlich guter Verfassung, ich habe ihn sehr ernst genommen.

Wie verlief dein Kampf und was sagst Du zu der Veranstaltung?

Lochner: Zwei Runden lang waren mein Gegner und ich ziemlich punktgleich, dabei hätte mich Fabian in zwei Situationen durch Submission entscheidend besiegen können. Ich wollte aber definitiv nicht aufgeben. Nach den zehn Minuten der ersten beiden Runden war ich konditionell noch fit und konnte zu Beginn der dritten Runde durch »K. o.« gewinnen. Es waren ein linker Haken und ein rechter Punch, die meinen Gegner auf die Knie zwangen. Bis zu diesem Moment war es dem Publikum zufolge sehr aufregend, da alle Möglichkeiten offen waren. Auch die anderen Fights waren sehr spannend, wobei die meisten in der ersten Runde entschieden wurden. Alles zusammen zog die Salzburger MMA-Challenge ein positives Fazit.

Hat sich Dein Einsatz und Wille gelohnt?

Lochner: Ab dem Tag, an dem der nächste Fight feststeht, ist es der erste Gedanke, wenn man aufwacht und der letzte vor dem Einschlafen. Es begleitet dich wie dein Schatten.

Ich trainiere Judo und Boxen in Berchtesgaden, das Thaiboxen, Grappling und MMA beim Polizeisportverein und beim Fightclub Salzburg. Hinzu kommt Laufsport und »Cross Fit«. Die Vorbereitung ist sehr zeitintensiv und anstrengend, wenn man dabei alles andere nicht vernachlässigen will. Aber ich liebe den Sport, der mir mittlerweile in jeder Lebenssituation hilft. Es kommen immer mal Zweifel auf, im Nachhinein war es jedoch das alles wert. All der Schweiß, der Stress und die Schmerzen haben sich für diese zwölf Minuten gelohnt.

Und wie geht es weiter?

Lochner: Der Druck ist erst einmal weg. Jetzt kann ich mich wieder auf alles andere konzentrieren, da ich ja nicht nur im MMA aktiv bin. Weiter geht es erst im nächsten Jahr. Bis dahin danke ich erst einmal allen meinen Trainern, den Trainingspartnern sowie meinen Freunden und Fans, die mich unterstützt haben.

Christian Wechslinger