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Das »Fest zur Festspieleröffnung« findet am kommenden Samstag in Salzburg statt

Der Fackeltanz ist wieder der Höhepunkt

Früher, da hatte alles seine Ordnung: Am Nachmittag konnte man dem Bundespräsidenten beim Soldatenreihen-Abschreiten zuschauen und am späten Abend war Fackeltanz. Und das alles zur »echten« Festspieleröffnung. Wie man weiß, ist die Sache seit der Ära Pereira komplexer geworden.

Der Fackeltanz am Residenzplatz ist der Höhepunkt beim Fest zur Festspieleröffnung. (Foto: Salzburger Festspiele)

Das Fest zur Festspieleröffnung findet jetzt folgerichtig schon am 18. Juli statt, an dem Wochenende, da die Festspiele mit der »Ouverture spirituelle« und dem »Jedermann« frühstarten. Den hochberühmten »Salzburger Fackeltanz« gibt es auch schon am 18. Juli (ab 21 Uhr auf dem Residenzplatz), und das ist wohl gut so.

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Seit 36 Jahren gibt es das Fest zur Festspieleröffnung. 73 Veranstaltungen an 29 Spielstätten stehen diesmal im Programmheft. 9800 kostenlose Zählkarten liegen bereit. Es geht nicht nur um oberflächliche Unterhaltung. Im dichten Programm des Tages sind zahlreiche Programmpunkte, die tiefere Einsichten und Anregungen zu den Produktionen vermitteln. Es ist bemerkenswert, dass auch das Zeitgenössische an dem Tag durchaus eine Rolle spielt. Peter Konwitschny, Regisseur des Musiktheaters »Die Eroberung von Mexico«, wird beispielsweise gemeinsam mit dem Bühnen- und Kostümbildner Johannes Leiacker um 11 Uhr in der Felsenreitschule Einsicht in die laufende Arbeit gewähren.

Wolfgang Rihms Werk steht auch beim Konzert der Internationalen Sommerakademie Mozarteum im Mittelpunkt (18 Uhr, Solitär). Rund um Boulez’ Werk ranken sich die Konzerte des œnm (14 und 16 Uhr, Kuenburgpalais) und des »Intakt Quartetts«, das mit der spannenden Besetzung zwei Pianisten und zwei Perkussionisten aufwartet (14.30 Uhr, Republic). Die Festspiele öffnen während des Festes auch eine Probe des Coro della Radiotelevisione Svizzera, Lugano, unter der Leitung von Diego Fasolis für das Konzert mit Werken Palestrinas (20 Uhr, Kollegienkirche). Der hinduistische Schwerpunkt in der Ouverture spirituelle spiegelt sich quasi in der Sparte »U-Musik«, wenn »k3 Goes India« (mit Ensemble 013-Leiter Robert Kainar) sowie Georg Gratzer & Amridan Jazz, Elektronik bzw. Weltmusik und Tanz mit indischer Musik verknüpfen.

Zu hören gibt es von den Young Singers ebenso wie vom Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Cornelius Obonya & Die Österreichischen Salonisten präsentieren Heiteres wie Satirisches von Robert Gernhardt.

Wie in den Werkstätten der Salzburger Festspiele Kostüme, Schuhe und Perücken gefertigt werden, bleibt den Augen der Zuseher in der Regel verborgen. Welche Kunstfertigkeit dahintersteckt, machen Alberto Venzago und Lisa Kutzelnig mit ihren Fotos für Leica sichtbar. Die Einblicke werden in einer Ausstellung im Eingangsfoyer des Großen Festspielhauses gezeigt.

Um Bertolt Brecht, dessen »Dreigroschenoper« unter dem Titel »Mackie Messer »am 11. August Premiere hat, kreisen gleich zwei Programmpunkte: Elisabeth Orth liest Brecht-Gedichte, auch Jürgen Tarrach, der Mammon im »Jedermann«, bereitet ein Brecht-Programm vor. Ein gehöriger Schuss Exotik: Es gibt eine Adaption der »Dreigroschenoper« aus Nigeria. Aus dieser »Opera Wonyosi« von Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka wird Nick Monu in der Galerie matombo lesen.

Viele Salzburger Kulturveranstalter und Institutionen tragen wie immer zum Fest zur Festspieleröffnung bei. Hingewiesen sei da nur aufs Salzburger Straßentheater der Kulturvereinigung – und zwar deshalb, weil die diesjährige Aufführungsserie den Abschied vom langjährigen Regisseur Klaus Gmeiner bedeutet. »Lumpazivagabundus« ist seine 30. Inszenierung auf dem Thespiskarren!

Ausgabe der Zählkarten ist im Festspiel-Shop (Hofstallgasse, Montag bis Samstag 9.30 bis 17 Uhr). Reinhard Kriechbaum