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Der Fall Peter Graf

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Der Fall Peter Graf
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Tennisspielerin Steffi Graf (M) mit ihren Eltern Heidi und Peter Graf 1995. Foto: Frank Leonhardt Foto: dpa

Karrieren kommen nicht über Nacht, sie wollen sorgsam aufgebaut sein. Mancher übernimmt sich dabei und hält sich auch nicht mehr an alle Gesetze. Eine TV-Reportage zeigt das am Beispiel von Peter Graf.


Berlin (dpa) - Die Tennisspielerin Steffi Graf gilt vielen Menschen hierzulande noch immer als Nationalheldin oder zumindest als »German Wunderkind«. Doch was hat es mit ihrem Vater und seiner Rolle bei der Planung ihrer Karriere auf sich?

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Das will eine Reportage aus der Reihe »Skandal! Große Affären in Deutschland« hinterfragen, die den Titel »Der Fall Peter Graf« trägt und am Dienstag (27. Februar) um 20.15 Uhr auf ZDFinfo zu sehen ist.

Der Vater von Steffi (48), Peter Graf, war ein ehrgeiziger Mann. Und er hatte auch einen bedeutenden Anteil daran, dass der sportliche Erfolg seiner Tochter finanziell belohnt wurde. Um das Finanzamt zu umgehen, baute er allerdings außerdem ein Geflecht auf, das aus Briefkastenfirmen rund um den Globus bestand. Im Januar 1997 wurde er wegen schwerer Steuerhinterziehung in Höhe von etwa zwölf Millionen Mark zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Im April 1998 kam er wieder in Freiheit, 1999 ließ er sich scheiden. Er starb am 30. November 2013 im Alter von 75 Jahren.

Der Autor Laurens Form zeigt mit seinem Film ein Lehrstück von Aufstieg und Fall eines Mannes, der stets falsch oder gar nicht beraten war. Erzählt wird die Geschichte von Peter Graf, dessen Mutter sich einst umbrachte, und der mit der neuen Frau seines Vaters nicht klarkam. Sein Traum von der Fussballkarriere wurde durch einen Unfall zunichte gemacht, und er schlug sich als Autohändler durch. Er heiratete seine Freundin Heidi, und schon früh fiel ihm das Tennistalent seiner kleinen Tochter Stefanie auf.

Zu Wort kommen etwa der Dokumentarfilmer Ulrich Stein (»Die Peter Graf Story«), der ehemalige ZDF-Sportreporter Rainer Deike, der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«, Klaus Brinkbäumer (Autor von »Reiche Steffi, armes Kind. Die Akte Graf«), die Ex-Chefredakteurin der Illustrierten »Bunte«, Patricia Riekel, und der Reporter der »Süddeutschen Zeitung«, Hans Leyendecker, der meint, dass Peter Graf »schon immer eine Anfälligkeit fürs Milieu« hatte: »Das, was er gemacht hat, war von Anfang an illegal, und es war dumm gemacht. Er hat sich völlig falsch verhalten«.

Der Film reiht viele Fakten aneinander, aber auch Gedankenspiele. Es ging Peter Graf wohl nicht nur um den Spitzenplatz im Damentennis für seine Tochter, glauben die Macher des Films. Es ging eben auch um gesellschaftliche Anerkennung, Ruhm, Schlagzeilen und Applaus. Darüber hat der Eigenbrötler aus dem Blick verloren, dass die finanzielle Seite des Ganzen auch professionell hätte gemanagt werden müssen.

Graf verzichtete auf einen Wohnortwechsel nach Monaco, vergnügte sich aber gern im spanischen Marbella und hatte dort mit einer jungen Frau eine Affäre. Regelmäßig stand er in der Presse. Wie sagt Patricia Riekel im Film nachdenklich: »Das war ein Geschenk! Da hätte man als Journalist eigentlich in die Kirche gehen und eine Kerze anzünden müssen«.

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