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Der Generalsekretär: Lieber Säbel als Florett

Berlin (dpa) - Es gehört zum Job des Generalsekretärs einer Partei, öfter mit dem Säbel als mit dem Florett zu fechten. CSU-Mann Alexander Dobrindt ist nicht der Erste, der dabei wenig zimperlich ist.

Parteifreund Edmund Stoiber bekam als CSU-Generalsekretär einst den Spitznamen «blondes Fallbeil» verpasst, weil er den politischen Gegner oft so scharf anging.

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CDU-Generalsekretär Heiner Geißler wurde 1985 vom damaligen SPD-Chef Willy Brandt gar als «schlimmster Hetzer» seit Joseph Goebbels bezeichnet. Schon zwei Jahre zuvor hatte Geißler die SPD im Streit um die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen als «Fünfte Kolonne der anderen Seite», also des Ostens gegeißelt. Daraufhin galt er in der Opposition als «Kettenhund» von Helmut Kohl.

Zugleich war das Amt in der Vergangenheit oft ein Sprungbrett für hohe und höchste Ämter. Nicht nur Edmund Stoiber, auch SPD-Generalsekretär Franz Müntefering und FDP-Kollege Guido Westerwelle übernahmen später den Vorsitz ihrer Partei. Selbst Angela Merkel war zwei Jahre CDU-Generalsekretärin, bevor sie im Jahr 2000 Parteivorsitzende und 2005 Bundeskanzlerin wurde.

Zu ihren Nachfolgern in der Parteizentrale gehörten Volker Kauder, heute Chef der Unionsfraktion im Bundestag, und Ronald Pofalla, heute Kanzleramtsminister. Auch Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) oder Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) haben sich erste Sporen als Generalsekretär verdient. Andere wie Laurenz Meyer (CDU) oder Bernd Protzner (CSU) sind kaum noch in Erinnerung.

Bei der SPD wurde die Position des Generalsekretärs überhaupt erst 1999 geschaffen. Bei Grünen und Linken heißt der Parteimanager Bundesgeschäftsführer.

Dobrindt-Interview in der «Bild am Sonntag»