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der gesuchte Schriftsteller …

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Peter Fleischer, Gerhart Moser, Prof. Dr. Engelbert Thaler, Joachim Bödeker, Heide Steigl, Anna Maria Loher, Karlheinz Schuster und Arthur Flemming schickten richtige Antworten auf die letzte Rätselfrage von Wolfgang Schweiger. Peter Fleischer schreibt:


Die Heimat des gesuchten Schriftstellers ist das für seinen Weinbau und seine Trüffelvorkommen berühmte, stark gegliederte Hügelland der Langhe in der italienischen Region Piemont. Giuseppe (»Beppo«) Fenoglio wurde am 1. März 1922 in der einst hunderttürmigen Stadt Alba am Ufer des Flusses Tanaro geboren. Seine Schulzeit absolvierte er höchst erfolgreich. Mit besonderem Enthusiasmus beschäftigte er sich mit der englischen Sprache. Zu seinen Lieblingslehrern zählten zwei Professoren mit antifaschistischer Einstellung: Leonardo Cocito, von den Deutschen erhängt, und Piero Chiodi, Häftling in einem deutschen KZ. Sein sozialistisch gestimmter Vater hatte in Giuseppe schon sehr früh die Grundlagen für die sein weiteres Leben bestimmende Geistes- und Gefühlshaltung gelegt. »Beppo« blieb seiner heimatlichen Umgebung immer eng verbunden. 1940 schrieb er sich an der Fakultät für Literatur in Turin ein, wurde dort aber immer öfter depressiv, zum einen wegen seines Stotterns, aber dann auch wegen der italienischen Lehratmosphäre, die so ganz anders als die von ihm erträumte Collegeart von Oxford war. 1943 wurde er zum Militärdienst eingezogen, schloss sich dann Partisanengruppen an und kämpfte im heimatlichen Raum gegen die Faschisten. Er überstand diese Zeit unverwundet.

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Die erste öffentliche Notiz des gesuchten piemontesischen Schriftstellers vernahm das literarische Publikum mit dem Erzählband »I ventitre giorni della città die Alba (Die 23 Tage der Stadt Alba), in dem er Geschichten über Partisanen zusammengestellt hat, die mit der Einnahme und dem Fall seiner Heimatstadt im Jahre 1944 verbunden waren, mit Qualitätselementen, die Gemeinsamkeiten mit anderen piemontesischen Meistern der Erzählkunst wie Cesare Pavese (1908 bis 1950) und Italo Calvino (1923 bis 1985) durchschimmern lassen. Es folgte dann mit »La malora« (Das Unglück) eine Geschichte mit ländlich bäuerlichem Hintergrund, wo die Mutter mit einem ihrer Söhne nach dem Tod des Vaters zu »Sklaven« ihres Bodens und ihrer Umgebung wurden. In seinem Kurzroman »Primavera di bellezza«, ursprünglich auf Englisch »Spring Beauty« beschränkt er sich mit der Beschreibung des monotonen Lebens einer Gruppe von Offiziersschülern während der Monate, die dem Waffenstillstand vorausgingen. Alle seine weiteren Werke sind posthum erschienen. Fenoglio starb am 18. Februar 1963 in Turin mit vierzig Jahren an Lungenkrebs.

Der kurz nach seinem Tod erschienene unvollendete Roman »Una questione privata« (Eine Privatsache) ist von seinem Kollegen Italo Calvino wegen der literarischen Qualität als der Widerstandsroman bezeichnet worden, den alle jungen Erzähler der Nachkriegsjahre schreiben wollten (»il libro che la nostra generazione voleva fare«). Die zentrale Figur ist ein gewisser Milton, bei dem sich Bürgerkrieg und Liebesgefühle zu einem Mechanismus verzweifelter Bangigkeit steigern, als er erfährt, dass das von ihm geliebte Mädchen verschwunden ist. Um die Wahrheit zu ergründen, macht er sich auf die Suche nach Giorgio, einem Partisanenkollegen. Dieser aber ist von den Deutschen gefangen worden. Der Tausch mit einem Deutschen könnte die ersehnte Lösung bedeuten. Beim Versuch zu fliehen wurde der Faschist aber von Milton erschossen. Ein weiterer ähnlicher Versuch brachte ihn erneut in eine missliche Situation. Wenige Schritte von der Villa seiner geliebten Fulvia entfernt wurde Milton in einem Gefecht niedergestreckt.

Eine späte Ehrung wurde dem Schriftsteller 2005 zuteil. Die Universität Turin erklärte ihn zum Dr. honoris causa. Ganz aktuell sei noch die Namensähnlichkeit des neuen Papstes (Bergoglio) mit der des gesuchten Schriftstellers (Fenoglio) angemerkt und dass die Eltern des neuen Pontifex aus der Gegend um Asti stammen, nur 30 Kilometer nördlich von Alba, dem Geburtsort von Giuseppe Fenoglio.

Die heutige Rätselfrage stellt Karlheinz Schuster zur Musik:

Vor hundert Jahren wurde er geboren und schon zu Lebzeiten verehrt als Mentor und charismatische Lichtgestalt der Musik seines Landes. Er liebte Chopin und verehrte Szymanowski, dessen dritte Symphonie für ihn als Kind von elf Jahren ein Schlüsselerlebnis war. Er hatte zunächst Klavier spielen gelernt, später kam die Geige hinzu. Gern wäre er zum Studium nach Paris gegangen, aber Krieg, Besatzung und der Eiserne Vorhang haben das verhindert. Das Klavier ernährte ihn eine Zeitlang und half ihm über die Besatzungszeit hinweg, als er in Nachtklubs sein Geld verdiente. Trotzdem spielt dieses Instrument keine führende Rolle in seinen Werken. Im Auftrag der Salzburger Festspiele schrieb er sein einziges Klavierkonzert.

Die wichtigsten Ideen zur Entwicklung seiner individuellen kompositorischen Klangsprache verdankt er der Auseinandersetzung mit Bela Bartok und Igor Strawinsky, mit Claude Debussy und Anton Webern und, nicht zuletzt, mit John Cage. Seine Musik verbindet Zufallselemente mit gestalterischen Vorgaben, ohne dass die Ausdruckskraft leidet. Den Zuhörer zu gewinnen, »Seelen zu fischen«, wie er es nannte, blieb für diesen Komponisten das oberste Gebot, bei allen strukturellen Finessen auch in seinen vier Sinfonien.

Er hat sich auch als Dirigent einen Namen gemacht und das, obgleich er ausschließlich eigene Werke dirigierte. 1963 stand er in Zagreb zum ersten Mal am Pult, dreißig Jahre später, kurz vor seinem Tod, zum letzten Mal in Montreal.