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Der große Reiz unterschiedlicher Klangwelten

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Christian Thielemann dirigierte Beethovens neunte Symphonie bei den Salzburger Osterfestspielen. (Foto: Riccardo Musacchio)

Die Wiener Philharmoniker und die neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven, von Christian Thielemann geleitet, ergaben beim Sonderkonzert der Osterfestspiele eine exzellente Kombination.


Die warm blühende Fülle der Orchesterfarbe, die auch in der vollen Opulenz elegant bleibt, die einen sinnlich einschmeichelnden Klang vermittelt, von den Violinen und Bläsern noch mit Extraglanz versehen, wurde in dieser Beethoven-Aufführung zum mitreißenden Musikerlebnis. Thielemann gibt dem umfangreichen Format der Symphonie die nötige Spannung des großen Atems, darin eingestreut die schillernde Ausreizung von Details. Fast unheimlich die ersten, wie aus dem Nichts aufsteigenden, Takte, die sich zu einer Gegenbewegung zwischen aufbrausendem Klangrausch und melodischen Linien entwickeln. Es folgt ihnen ein Wechselspiel zwischen scherzhafter Heiterkeit und melancholischen Wendungen.

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Ein verinnerlichtes Musizieren strahlt der 3. Satz aus, weltentrückt die Klangbalance mit innerer Leuchtkraft zu einem transparent schimmernden Tongespinst verbunden. Und dann im berühmten Chorsatz »Freude schöner Götterfunken« der auftrumpfende, allumarmende Freudentaumel aus Orchester- und Sängerstimmen, der zur berückenden, musikalischen Feierstunde wird. Die Gesangssolisten führen den vokalen Teil als Quartett gehobener Klasse an: Anja Harteros, Christa Mayer, Peter Seiffert und Georg Zeppenfeld. Enthusiastisch lässt der von Johannes Prinz einstudierte Wiener Singverein in einer jubilierenden Klangwelt »alle Menschen Brüder« werden.

Zart klingende Welt in Faurés Requiem

Eine gute Stunde später füllen die Dresdner Staatskapelle und der Chor des Bayerischen Rundfunks (Einstudierung Howard Arman) unter der Leitung von Myung-Whun Chung das Große Festspielhaus mit einer ganz anderen Klanglichkeit. Das Requiem d-Moll op. 48 von Gabriel Fauré ist eine innig zart klingende Welt. Das Werk hat einen Sonderstatus unter den zahlreichen, bekannten Requiem-Kompositionen. Es ist weniger auf die strenge kirchliche Liturgie ausgerichtet, sondern stellt ein stark verinnerlichtes Klangspektrum dar, fast mit einem jenseitig orientierten Blick. Keine dramatisch aufbegehrende Sequenz unterbricht den ruhigen Fluss, der als tröstliches Melos die Herzen umwirbt.

Traumschön setzt der Chor des Bayerischen Rundfunks zu Beginn mit ätherischem »Requiem aeternam« ein. Ätherisch bleibt die klangliche Charakteristik durchgängig, der der Chor in wunderbar ausgewogener Balance beeindruckendes Profil gibt. Auch die Dresdner Musiker bleiben filigran. Die beiden Gesangssoli, die Sopranistin Anna Prohaska und der Bariton Adrian Eröd, setzen mit ihren kurzen Passagen kleine Lichttupfer dazu.

Nach der Pause eine andere musikalische Welt, auch französisch empfunden und mit sakralem Touch, aber sehr gegensätzlich: die sogenannte Orgelsymphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 von Camille Saint-Saëns. Zur großen Orchesterbesetzung mit acht Kontrabässen und mehrfach verstärkten Bläsern kommen noch das Klavier und die Orgel hinzu, beide nicht solistisch wirkend, sondern als Teil des Orchesters. Cameron Carpenter spielt die Orgel, die als sakraler Tonträger (hier elektronisch verstärkt) den Orchesterklang bereichert und zwischendurch auf eine Art anschwellen lässt, als sei alles eine einzige mächtige Orgelstimme. Das Orchester zeigt Biss und Kontur und es haftet hierbei dem Gesamtklang eine kristallene Brillanz an. Eine interessante Begegnung auf hohem Niveau allemal. Elisabeth Aumiller