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Der harmlose Skorpion vom Obersee

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Er ist nur wenige Millimeter groß und hat mit seinen giftigen Verwandten nur das äußere Erscheinungsbild gemeinsam: der Pseudoskorpion, der am Obersee im Nationalpark Berchtesgaden gefangen wurde. Foto: privat
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In eine Falle dieser Art hatte sich der Pseudoskorpion am Königssee verirrt. Foto: Nationalparkverwaltung

Berchtesgaden (NPV) - Da staunten die Experten nicht schlecht: Der winzige Pseudoskorpion, der im Rahmen eines Forschungsprojektes im Bereich Obersee im Nationalpark Berchtesgaden gefangen wurde, gilt als Erstnachweis dieser Tierart in Bayern. »Dendrochernes cyrneus« hat nur einen wissenschaftlichen Namen, eine deutsche Bezeichnung gibt es nicht. Mit seinen berüchtigten Verwandten aus Wüsten und Tropen hat der Winzling aber nur sein Aussehen gemeinsam, giftig für den Menschen ist er nicht.


Seit 2012 läuft im Nationalpark Berchtesgaden das Forschungsprojekt »Waldentwicklung nach Borkenkäferbefall«, eine Kooperation zwischen dem einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands und der Universität Göttingen.

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Forstwissenschaftlerin Barbara Winter untersucht dabei die natürliche Entwicklung von Verjüngung, Bodenvegetation und verschiedener Tierarten wie Käfern, Schnecken und Spinnen auf Flächen, die vom Borkenkäfer befallen wurden. »Wir haben bereits 50 Probeflächen in Waldbereichen im gesamten Nationalpark eingerichtet«, erklärt die Doktorandin. »Hier untersuche ich die natürliche Wiederbewaldung, was bei einer guten Artenkenntnis relativ einfach ist«, verrät die Expertin. »Schwieriger wird es bei den Spinnen- und Insektenarten, denn um diese bestimmen zu können, muss man sie erstmal mit einer geeigneten Methode fangen.«

Dazu hatten die Wissenschaftler in den schneefreien Monaten 150 Boden- und Fensterfallen aufgestellt, die regelmäßig kontrolliert wurden. In eine dieser Fensterfallen im Bereich Fischunkl am Obersee hatte sich »Dendrochernes cyrneus« verirrt. Die aufwendige und langwierige Bestimmung der Art übernahmen die Experten und freiberuflich tätigen Biologen Theo Blick und Christoph Muster, die über das Ergebnis gleichermaßen überrascht wie erfreut waren: ein Erstnachweis für Bayern. Der Pseudoskorpion gehört wie seine giftigen Verwandten zu den Spinnentieren, ist aber nur wenige Millimeter groß und lebt an Baumrinden oder in Gängen von Bock- oder Borkenkäfern.

Da das kleine Spinnentier nur wenig mobil ist, hängt es sich als »blinder Passagier« zur Fortbewegung an größere Arten wie beispielsweise Bockkäfer. »Dendrochernes cyrneus« ist über weite Teile Europas verbreitet, in Bayern wurde er bis zu seinem Erstfund im Nationalpark Berchtesgaden noch nicht nachgewiesen. Er wird als Indikatorart für alte Wälder mit einer großen biologischen Vielfalt diskutiert. Das Forschungsprojekt läuft noch bis 2014, die Ergebnisse werden 2015 im Rahmen eines Forschungsberichtes zusammengefasst.