weather-image

Der Heilige Martin auf der Flucht

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Harfe und Texte: In dieser ausdrucksstarken Kombination fand die mittlerweile sechste Weihnachtslesung mit Silke Aichhorn und Dr. Martin Fogt in der Kulturfabrik NUTS statt. (Foto: Heel)

Einen bunten Adventskranz aus Geschichten und Musik präsentierten die renommierte Harfenistin Silke Aichhorn und der Radiosprecher, Autor und Musikwissenschaftler Dr. Martin Fogt bei ihrer mittlerweile sechsten Weihnachts-Lesung in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Auf dem Programm standen dabei u. a. Texte von Erich Kästner, Doris Dörrie und Toni Lauerer, aber auch die neuesten »Adventsnachrichten des Bayerischen Rundfunks«. Da berichtete Dr. Martin Fogt mit launigen Worten von einem Polizeieinsatz gegen Demonstranten, die am Abend des 11. November, bewaffnet mit Schlagstöcken und Brandsätzen, einem Reiter gefolgt seien, der auf der Flucht die Hälfte seines Wintermantels verloren habe.

Anzeige

Sehr ausdrucksstark geriet auch seine Wiedergabe der Kurzgeschichte »Zimmer 645« (Doris Dörrie), in der ein frustrierter Nikolaus-Darsteller in ein kleines Ehedrama verwickelt wird, und wie sich Verlust und Einsamkeit anfühlen können, machte er spürbar, als er vom 15-jährigen Felix erzählte, der am Heiligabend noch schnell Senf holen soll und erst nach fünf Jahren wieder auftaucht (Erich Kästner).

Musikalisch umrahmt bzw. auf das Schönste ergänzt wurde die Lesung von Silke Aichhorn, die dabei ihr überragendes Können als Harfenistin einmal mehr unter Beweis stellte, so gefühlvoll wie vielseitig. Sie eröffnete den Abend mit einer schwermütigen Ballade von Alphonse Hasselmanns, gefolgt von einem Tango (Jean-Michel Damase), dem für Harfe arrangierten »Blumenwalzer« aus Tschaikowskys »Nussknackersuite« und der Komposition »New Blues« von Deborah Hanson-Conant, um nur einige der Stücke zu nennen.

Als Zugabe präsentierte Dr. Martin Fogt dann noch eine mit schwärzestem Humor gewürzte Geschichte aus der Nachkriegszeit. Da erhält zu Weihnachten eine Familie von ihren Verwandten in Amerika ein Lebensmittelpaket, das unter anderem eine Blechdose mit nicht identifizierbarem Inhalt enthält. Doch geschickt zubereitet, schmeckt das Zeug nicht schlecht. Nur dumm, dass wenige Tage später ein Brief mit der Bitte eintrifft, man möge die Asche vom kürzlich verstorbenen Onkel Schorsch doch im Familiengrab beisetzen. Bon appétit und fröhliche Weihnachten! Wolfgang Schweiger

- Anzeige -