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Der heilige Nikolaus war lange Zeit der Gabenbringer

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Kramperl, Nikolaus und Engerl gehören zusammen. Doch heutzutage hat der Nikolaus oft nicht mehr den Stellenwert, der ihm eigentlich zukommen müsste. (Fotos: privat)
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Da wurde es den Kindern Angst und Bang, wenn der heiligen Nikolaus mit seinen finsteren Gesellen in die Stube kam und aus dem goldenen Buch vorlas. Das Bild entstand 1965.
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So sahen die Kramperl im Jahr 1965 aus.

Berchtesgaden – Der Advent heißt zwar immer noch die »stade« Zeit, in der sich die Menschen auf Weihnachten, das freudige Fest der Geburt Jesu, vorbereiten sollen. Aber ehrlich betrachtet, sind diese Wochen doch immer mehr von Einkaufs-Wahnsinn und Kripperl-Rallyes geprägt. Dabei haben früher allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Nicht so der Festtag des heiligen Nikolaus am 5./6. Dezember.


Kaum ein Heiliger ist uns von Kindertagen her so vertraut wie der heilige Nikolaus. Der Vorabend zu seinem Namenstag am 6. Dezember ist und bleibt für nicht wenige auch heute noch ein ganz besonderer Abend. Wenn sich »Bischof Nikolaus« mit Stab und Mitra zu einem Hausbesuch angesagt hat und dann auch erscheint, begleitet vom Krampus oder gar mehreren Buttnmandln, ist das für Jung und Alt immer noch ein besonders beeindruckendes Erlebnis.

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Die Nikolaus-Geschichte ist von manchen Legenden überwuchert, geblieben aber ist, dass er – ehe, von Martin Luther inszeniert, das Christkind diese Aufgabe übernahm – bei uns in Bayern über lange Zeit hinweg der Gabenbringer für die Kinder war. Das darf nicht verschwiegen werden. Die Überlieferung sagt, dass er dieses Amt des Gabenbringers zum Beispiel in der Münchner Residenz schon Mitte des 16. Jahrhunderts ausübte und später zunächst auch beim übrigen Hochadel.

Der heute bekannte »Einkehrbrauch« breitete sich im überwiegend katholischen Süddeutschland um 1650 erstmals in der Fläche aus. Das Aussehen von St. Nikolaus hat sich seither eigentlich nicht grundlegend verändert, einmal abgesehen von der jämmerlich daherkommenden, gartenzwergähnlichen Gestalt, mit der die Werbeindustrie ihn aufwendig aus unserem Brauchtum verdrängen will.

In einer Beschreibung um 1950, den Markt Berchtesgaden betreffend, heißt es: »Der Darsteller des hl. Nikolaus kommt in bischöflichen Gewändern, meist mit dem Rauchmantel und Messgewand angetan, die Mitra auf dem Kopf und den Stab in der Hand. Er ist begleitet von einem oder zwei Kramperln, die in eine dunkle Fellumhüllung gewandet sind und über dem Kopf eine Art Vermummung aus rauem schwarzem Stoff oder Lammfell, dem zwei kurze Hörner aufgenäht sind, gestülpt haben. Sie rasseln mit Glocken und/oder Ketten und während der Nikolaus die in der Stube versammelten Kinder beten lässt und ein paar Fragen über ihr Betragen an die Eltern richtet und sie dann mit Äpfeln und Nüssen und Leckereien beschenkt, droht der Krampus den Kindern für ihre Unartigkeiten während des abgelaufenen Jahres mit der Rute und macht wohl auch Miene, die arg Bösen in den Sack zu stecken.«

Um 1980 heißt es zum selben Thema: »Unter einem bunt bestickten Rauchmantel trägt der Nikolaus eine weiße, bis zum Boden reichende Albe. Stola, Mitra und Stab kennzeichnen ihn als heiligen Bischof. Ein voller, langer und bis auf die Brust reichender, grau-weißer Bart lassen ihn als ehrwürdigen und weisen, alten Mann erscheinen. Doch dann stellen wir eine entscheidende Änderung im Brauchtum fest: Den heiligen Mann begleiten in Fell gewandete finstere Gesellen und zusätzlich die zwölf Buttnmandl. In Stroh gehüllt, über den Kopf eine grausige Larve gestülpt, sind sie die lärmenden Schreckgestalten für die Kinder. Die Larven sind möglichst eindrucksvoll aus Fellstücken gefertigt oder aus Holz geschnitzt und mit Augen- und Mundöffnungen versehen. Oft weisen sie noch echte Kuhhörner oder Gamskrickerl auf, um besonders abscheulich zu wirken. Zuweilen vervollständigt eine lange rote, aus dem Maul hängende Zunge die Teufelsfratze.«

Und heute, wenn sich sogar mehrere Kramperl- und Buttnmandl-Gruppen zusammen mit ihrem Nikolaus im Markt Berchtesgaden versammeln, da scheint es, dass der heilige Nikolaus, auch wenn ihn ein Engerl begleitet, gar kein Gabenbringer mehr ist, sondern nur noch Randfigur in einem lärmenden Brauch, während die Buttnmandl-Bass mit ihrem Ganggerl Angst und Schrecken verbreitet, besonders bei der jüngeren Weiblichkeit.

Vielleicht wäre eine Besinnung auf den als außerordentlich mitmenschlich, mildtätig sowie allseits schützend und helfend beschriebenen Kinderfreund, den heiligen Nikolaus von Myra, nötig.

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