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»Der Herrgott führt mein Leben«

Unterwössen. In seinem ersten Gottesdienst im Achental stellte sich Pfarrer Martin Straßer vor. Seine Antrittspredigt gelang Straßer besonders, weil er nicht nur der Gemeinde Vertrauen in göttliche Entscheidung vermittelte, sondern – wie nebenbei – auch sich und seinen Lebensweg darstellte. Straßer wurde vom erzbischöflichen Ordinariat als Nachfolger von Pfarrer Klaus Wernberger eingesetzt. Es hat ihn beauftragt, einen Pfarrverband aus den Pfarrgemeinden Schleching, Reit im Winkl, Oberwössen und Unterwössen zu bilden und zu leiten.

Pfarrer Martin Straßer hielt in Unterwössen seine Antrittspredigt. (Foto: Flug)

Nach einer Lesung aus dem Evangelium Matthäus berichtete der Pfarrer in der Predigt von den drei Gedanken, die ihn bewegten, als er von seinem neuen Auftrag erfuhr. Zwölf Jahre habe er als Militärpfarrer gearbeitet. Dazu habe er in der Seelsorge in der Stadtkirche Reichenhall mitgeholfen. So habe er das ganze Spektrum des Lebens von der Taufe an erfahren. »Der Herrgott meint es gut mit mir«, zog Straßer Bilanz. »Und das ist auch jetzt so. Denn hier ist es genauso schön.« »Wer hier die Landschaft und die Berge schätzt, für den ist es wunderbar. Da ist man als Pfarrer dankbar, denn das Gebirge ist ja auch ein Schutz.« Er liebe es, frei in der Natur zu wandern, den Rosenkranz in der Hand beim Gehen zu meditieren. »Wir werden uns begegnen. Sprechen Sie mich ruhig an«, betonte Straßer.

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Bei aller Freude habe ihn sein zweiter Gedanke nachdenklich gemacht. Ihn bewege, wie es geschickt ist, dass er, ein gebürtiger Rottauer, nun gerade hier den Pfarrverband leiten soll. Seine Oma väterlicherseits stamme vom Messner in Raiten. Dass ihn seine Aufgabe nun an die Wurzeln seiner Familie zurückführe, mache ihn nachdenklich, meinte der Pfarrer. »Das ist so von Gott eingerichtet, bin ich überzeugt. Ich habe es erfahren.«.

Auch als Pfarrer berufe man sich nicht selbst. »Es ist ein Ruf, der vom Herzen aus an einen ergeht«, sagte Straßer. »Eigentlich war in meiner Jugend alles gerichtet. Ich wollte heiraten. Dann machte ein trauriger Schicksalsschlag das unmöglich. Ich durchlief eine Zeit der Trauer und Einkehr. Und ich, der früher als Musiker überall unterwegs war, bin dann als Spätberufener den Weg zum Priesteramt gegangen. Der Herrgott führt mein Leben, ich habe es erfahren. Und Priester zu sein ist ein wunderbarer Weg.«

Als Drittes sei Straßer in den Sinn gekommen, wie schön es sei, in diesen Pfarrverband zu kommen. Ein Pfarrverband, in dem diese Kirche unter dem Patrozinium des heiligen Martin steht. Das sei nicht nur schön, weil das auch sein Vorname sei. Vom heiligen Martin haben wir gelernt zu teilen und auf den anderen zuzugehen. »So ist es mein Ziel, eine Kirche mit offenen Türen zu haben, im Miteinander zu leben als Gemeinschaft der Gläubigen. Den Mantel zu teilen, bedeutet für mich heute, die Zeit mit anderen zu teilen. Zukünftig wünsche ich mir, dass wir die Zeit miteinander teilen und uns nicht zurückziehen.«

Straßer sagte, er freue sich auf den Weg und die Herausforderungen. Es werde abwechslungsreich sein. Pater Jim aus Indien wohne schon in Reit im Winkl und »wird auch hier gelegentlich die Messe halten«. Zwei Diakone werde es im Pfarrverband geben »und Pfarrer Kreuzpointner unterstützt mich«. lukk