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Der Kabarettist Günter Grünwald begeistert bei seinem Auftritt im Traunreuter k1

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Günter Grünwald hat es nicht leicht – das machte er bei seinem Auftritt im k1 deutlich. (Foto: Heel)

Er hat’s wirklich nicht leicht, der Günter Grünwald. Vor allem, weil ihm so leicht graust. Zum Beispiel vor den meist älteren Damen, die im Supermarkt mit »ihren gichtigen Fingern« jedes Stück Obst antatschen. Da macht er seiner Empörung Luft, aber frage nicht, wie! Richtig in Rage gerät er, schimpft und poltert, was das Zeug hält. Aber nur, um nach einer kleinen Pause mit gespielter Verlegenheit zuzugeben, dass auch er die Avocados drückt, um herauszufinden, ob sie reif sind. Und auch die Mangos. Und die Pfirsiche …


(Brachial-)Humor à la Günter Grünwald: Er greift eine Alltagssituation auf, klopft sie auf ihr Erregungspotenzial ab, reichert sie mit einer Pointe an und setzt sie dann dramaturgisch gekonnt in Szene. Das kennen wir aus seinen Fernsehshows, funktioniert aber noch besser auf der Bühne wie jetzt im Traunreuter k1, wo er sein neues Programm »Deppenmagnet« vorstellte und die knapp 600 Besucher damit zwei Stunden lang auf Fahrt brachte.

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Da schlug er von tätowierten Pornodarstellern den Bogen zu Salvador Dali, kam von Steinen, die angeblich heilen, auf den gesunden Beruf des Maurers zu sprechen, und fragte sich angesichts der »Fifty Shades of Grey«-Leser, die sich im Baumarkt mit Kabelbindern versorgen, was an Blümchensex denn so schlecht sei. Verwundert zeigte er sich auch darüber, wie man mit dem Thema »40 Tage ohne Handy und Internet« ein ganzes Buch füllen kann, immerhin sei er 40 Jahre ohne ausgekommen, und wieso Westernhelden ihre leeren Feldflaschen immer gleich wegwerfen, sei ihm auch ein Rätsel.

Zwischendurch wurde er kurz politisch und schlug den Pegida-Leuten in Dresden vor: »Schickt uns eure Moslems, aber nehmt dafür alle Sachsen zurück«, bevor er von den Deppen erzählte, die seine TV-Show mit der »Tagesschau« verwechseln und ihm gehässige Briefe schicken.

Nicht ganz so ärgerlich, aber trotzdem unmöglich findet er Anpreisungen wie »frisch aus dem Backshop« für Fertigprodukte aus China. Oder in Kochshows so ungenaue Anweisungen wie »Geben Sie eine Handvoll Reis dazu«. Wie dem auch sei, seine Show war jedenfalls sehr bekömmlich, wenn auch stellenweise recht deftig. Entsprechend kräftig war der Applaus. Wolfgang Schweiger