weather-image
12°

Der Kommissar geht um

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Miroslav Nemec (Mitte) und seine Band aus Freilassinger Jugendzeiten, Asphyxia, rockten ordentlich im Chiemgau Theater in Traunstein. (Foto: Kewitsch)

Immer nur Mord ist auf die Dauer auch nix. Besonders wenn man alte, gute und vor allem wertvolle Freunde hat. Miroslav Nemec, der Münchner Tatortkommissar, hat beides: gute Freunde und ein leidenschaftliches Hobby als Alternative zum Mord. Gemeinsam mit seiner Band Asphyxia trat er im sehr gut besuchten Chiemgau Theater in Traunstein an, um den Saal zu rocken. Es rockte gewaltig.


Miroslav Nemec, Baujahr 1954, ist Musiker aus Leidenschaft. Ob am Piano, Keyboard, der Gitarre oder hilfsweise am Schlagzeug: Er hat Freude daran und mit ihm seine Freunde aus Freilassinger Zeiten: Gerwin Eder sehr akkurat und äußerst präzise an der Gitarre, Armin Riedl, ebenfalls Gesang und Gitarre, präsentierte hervorragende Solos und zeigte Leidenschaft satt. Mirko Rois sorgte für den ordentlichen Beat am Schlagzeug und Gerhard Hinz war am Bass einfach nur souverän. Verstärkt wurden die »alten« Männer von der markanten Tochter Tina Hinz am Keyboard.

Anzeige

Das neue Chiemgau Theater erstrahlte bei bestem Licht und Ton. Das Ambiente ist über jeden Zweifel erhaben – solange es gut besucht ist. Es war voll, im zweiten Set lichteten sich zwar die ersten Stuhlreihen, jedoch nur, um auf die Freiflächen auszuweichen und dem Tanzbein freien Auslauf zu geben. Miro Nemec gab vom ersten Ton an Gas. Angesagt waren die guten alten Nummern – sozusagen alles, was nicht mehr im Radio läuft und trotzdem Rang und Namen hatte, als Rock 'n' Roll noch richtig rockig war.

Fulminant und episch erklang der Song »Hush« von Deep Purple, eindrucksvoll war das legendäre »In-A-Gadda-da-Vidda« von Iron Butterfly, aber auch Gassenhauer der Rolling Stones, wie zum Beispiel »Honky Tonk Women« oder »Brown Sugar«, sorgten für mächtig Druck im Saal. Immer wieder wechselten sich Miro Nemec und Armin Riedl am Mikrofon ab. Letzterer hätte die Führung gerne öfter übernehmen können, unterlegte er doch »seine« Songs, unter anderem Cream mit einem wunderbaren »White Room«, jeweils mit seinem wunderbaren Gitarrenspiel.

Die Band ist eingespielt, keine Frage. Berufsbedingt ist die »Probenzeit« sehr reduziert und doch harmonieren die Jungs nahezu blind und reibungsfrei. Das Programm war straff, das Publikum bester Laune, sogar ein älterer Herr, geschätzt weit über siebzig, konnte nicht stillhalten und rockte im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich mit. Mein persönlicher Höhepunkt war dann das unerreichte »Locomotive Breath« von Jethro Tull sowie die Zugabe mit »Knockin on heaven's door« in einer Version, die bei weitem nicht so seicht wie das Original von Bob Dylan und auch nicht so aggressiv wie die Version von Guns & Roses war. Feiner Sound und viel besser als immer nur Mord. Udo Kewitsch