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Der Kunstschnitzer auf dem Kahlersberg

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Dieser kunstvolle Eintrag stammt aus dem Jahr 1910.
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Josef Sunkler 1930 auf dem Jenner, den er 1046 Mal bestieg. (Fotos: privat)

Schönau am Königssee – Im Gipfelbuch des Kahlersbergs von 1902 bis 1932 fanden Bergfreunde wunderbare, mit Farbstiften kolorierte Bergblumenbilder. Diese künstlerischen Vignetten stammten von Josef Sunkler, einem geborenen Schellenberger.


Der eingefleischte Sonderling und Einzelgänger war eigentlich als Kunstschnitzer bei der Firma Zechmeister in der Griesstätterstraße beschäftigt. Von diesen Fesseln befreite er sich öfter durch eine sonderliche und naturnahe Lebensgestaltung. Als einfaches Nachtlager diente ihm dann das Matratzenlager im »Berggasthof Vorderbrand«, oft aber legte er sich nur in seinem eigenen Ramsauer Mantel unter ein Latschengestrüpp in der freien Natur.

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Josef Sunkler führte ein minutiöses Tagebuch über das Wetter, über seine täglichen sparsamen Ausgaben, über Wanderungen in und um Berchtesgaden und vor allem über seine vielen Bergtouren.

Den Jenner hatte er mehr als tausendmal bestiegen, den Schneibstein und das Hohe Brett ebenfalls unzählige Male. Auch am gegenüberliegenden Rauhen Kopf war er oft unterwegs, dort bezeichneten die Einheimischen eine Felsnische unter dem Gipfel spöttisch als »Sunklers Kanapee«. Trotzdem besuchte er jede Woche zu Hause in Schellenberg seine alte Mutter. Dazu benutzte er die neue elektrische Eisenbahn von Berchtesgaden in Richtung Drachenloch, das war sein einziger Luxus.

Ungewöhnlich war Josef Sunklers Einsatz im Winter. Er war fast immer mit dem Schlitten unterwegs. In seinem Tagebuch vermerkte er täglich die jeweilige Schneehöhe. Nicht nur auf der Rodelbahn von Vorderbrand oder von der Ligoascht nach Scharitzkehl, sondern auch am Obersalzberg von Vordereck hinab zur Schießstätte.

Mit Schneeschuhen bestieg er über das Lohmais und Königsberg den Jenner. Auch winterliche Tagestouren in die Ramsau, dann zum Taubensee, zur Schwarzbachwacht und auf den Lattenberg bewältigte der Alleingeher anscheinend mühelos. Immer hielt er bei seinen Touren pedantisch die Zwischenzeiten fest. Im Wirtshaus genügte dem Jungggesellen zur Stärkung meist eine Suppe, bestenfalls mit Würsteln. Christoph Karbacher