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Der lange Weg zum Bergretter

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Auch das Eisklettern muss geübt werden: Veronika Sollmann ist seit Juni 2020 Anwärterin bei der Bergwacht.
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Im Winter ist die Bergwacht oft auch bei Lawinenabgängen gefordert. Die Verschüttetensuche wird daher immer und immer wieder geübt.

Seit Juni ist Veronika Sollmann bei der Bergwacht Traunstein dabei, jetzt hat die Anwärterin ihre erste, große Hürde genommen: Die 33-Jährige schaffte am Wochenende am Jenner den Wintereignungstest. Es ist ihre erste bestandene Prüfung auf dem Weg zur aktiven Bergwachtlerin. »Meine Anspannung vor dem Test ist von Tag zu Tag gestiegen«, erzählt sie. »Man weiß ja im Vorfeld nicht genau, was einen erwartet und wie schwierig es werden wird.«


Doch Veronika Sollmann löste die Aufgaben. »Die Anforderungen beim Skifahren waren echt nicht ohne, aber ich habe bestanden«, freut sie sich über diesen Erfolg. Auf diesem kann sie sich jetzt aber nicht lange ausruhen, denn bereits in wenigen Monaten steht der nächste Test für sie auf dem Programm.

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Aber auch die nächste Herausforderung nimmt sie gerne an. Bei der Bergwacht kann sie so viele ihrer Leidenschaften perfekt miteinander verbinden und dabei eben auch noch helfen! »Ich bin schon immer gerne in den Bergen unterwegs gewesen«, erzählt sie. »Und mein Papa hat mich auch schon früh mitgenommen, wenn er in den Klettersteigen unterwegs gewesen ist.« Ihre Liebe zu den Bergen und zur Natur ist seit Kindesbeinen an groß – alles in allem also beste Voraussetzungen, um zur Bergwacht zu gehen. Zudem war sie auch schon als Schülerin im Schulsanitätsdienst tätig – engagierte sich also auch schon dort. »Und da habe ich auch schon einiges an Verletzungen gesehen. Mir macht das also nichts aus.«

»Als Corona gekommen ist, habe ich mir überlegt, dass ich mich gerne ehrenamtlich engagieren und helfen möchte.« Bei ihren Überlegungen stieß die Ingenieurin aus München, die mittlerweile im Chiemgau lebt und bei der BSH in Traunreut arbeitet, dann eben auf die Bergwacht. »Und ich habe gleich gewusst: Das ist genau das Richtige für mich«, betont sie. Ihr Gefühl sollte sie nicht täuschen: Veronika Sollmann fühlt sich bei der Rettungsorganisation bestens aufgehoben. »Auch weil ich dort unter Leuten bin, die auch gern in den Bergen unterwegs sind und diese Leidenschaft mit mir teilen.«

Bis sie aktive Bergwachtlerin ist, dauert es aber noch ein wenig. Drei Jahre dauert die Ausbildung insgesamt – und die ist wahrlich kein Zuckerschlecken, schließlich muss im Ernstfall jeder Handgriff sitzen. Auch die aktiven Einsatzkräfte riskieren dabei öfters ihr Leben – es ist also durchaus eine lebensgefährliche Tätigkeit ohne Bezahlung.

Skifahren und Klettern als Grundvoraussetzungen

Die Anwärter müssen zuerst einmal einen Medizincheck bestehen. Dann sind Grundvoraussetzungen für den Start der umfassenden Ausbildung, dass man etwa Skifahren und Klettern kann. »Man muss zudem körperlich fit sein, Interesse an medizinischen Dingen haben und auch die Natur lieben«, ergänzte sie. Ganz wichtig ist aber auch: »Dass man die Bereitschaft mitbringt, fast seine gesamte Freizeit in die Bergwacht zu investieren.« Denn auch im aktiven Dienst warten neben den Einsätzen auch regelmäßig Fortbildungen auf die ehrenamtlichen Helfer, die für den Ernstfall so immer bestens gerüstet sind.

Bei der Bergwacht dominiert übrigens der Anteil der männlichen Kollegen. »Aber bei uns sind auch Frauen im aktiven Dienst«, betont Veronika Sollmann. Und auch bei den Anwärtern sind neben ihr noch zwei weitere Frauen dabei, die die Ausbildung angehen wollen. Geschont werden sie dabei nicht. »Wir müssen die gleichen Anforderungen wie die Männer erfüllen«, betont Veronika Sollmann. »Wir müssen also beispielsweise auch die schweren Geräte ins Gelände schleppen«, erzählt sie und ergänzt: »Im Notfall muss es schnell gehen, da kann man sich dann eben auch nicht aussuchen, wer was mitnimmt.« Doch ihr ist vor den künftigen Aufgaben nicht bange: »Wir werden sehr gut auf den aktiven Dienst vorbereitet«, erzählt sie.

Und zwar in Theorie und Praxis. »Der praktische Teil überwiegt aber«, erzählt die Anwärterin. Einmal in der Woche steht ein Ausbildungstag an – meistens in der Region, aber ab und an geht es auch in eine andere Richtung. Nach Bad Tölz beispielsweise – dort befindet sich ein Trainingszentrum, das neben der Bergwacht auch von internationalen Rettungsorganisationen genutzt wird.

Dort gibt es unter anderem zwei Hubschrauberkabinen, die sich an einem Schienensystem an der sehr hohen Decke frei bewegen können. Man kann dort etwa das Auf- und Abseilen mit und ohne Bergesack üben. Die Halle hat aber auch einen Pool, der geflutet werden kann (für die Canyoningrettungsgruppe), ein Höhlensystem (für die Höhlenretter) und eine Kältekammer (zur Simulation einer Wintersituation). In dieser hält die Bergwacht auch ihre Notfallmedizin-Kurse ab und die Anwärter absolvieren in Bad Tölz etwa ihre Hubschrauber-Grundausbildung. Zudem muss jede aktive Einsatzkraft dort einmal jährlich einen Tag die Hubschrauberaktionen üben.

Größtenteils durfte die Bergwacht auch in den vergangenen Monaten ihr Programm durchführen – sie gilt als systemrelevant. »Aber einiges musste wegen der Pandemie eben auch ausfallen«, erzählt Sollmann. Etwa Fahrten nach Österreich in der Gruppe übers Wochenende. »Was schade ist, denn ich musste mir einige Sachen deswegen selber aneignen.«

Dass das bei ihr trotzdem alles bestens funktioniert hat, macht der bestandene Test deutlich – und dank diesem ist sie jetzt für die Winterprüfung im kommenden Winter zugelassen. Das gleiche Spiel gibt's dann auch im Sommer: Nach einem bestandenen Sommereignungstest ist man für die Sommer-Prüfung zugelassen. Zudem werden noch Abschlüsse in den Bereichen der Notfallmedizin (dort sind zwei Teile zu absolvieren), im Naturschutz und in der Hubschrauberausbildung gefordert.

»Das ist neben dem Beruf schon viel«, betont Veronika Sollmann, »aber es macht einfach auch richtig viel Spaß.« Denn man lerne unheimlich viel dazu und bekomme auch viel zurück. »Ich bin sehr gespannt, was mich die nächsten Jahre noch erwarten wird.« Doch eines weiß Veronika Sollmann schon nach wenigen Monaten: »Für mich passt das, ich fühle mich bei der Bergwacht bestens aufgehoben und ich mache etwas sehr Sinnvolles.«

SB

 

Die Bergwacht Bayern bewältigt pro Jahr rund 8500 Rettungseinsätze. Insgesamt sind 113 Bergwacht Bereitschaften in den bayerischen Alpen aktiv. Wir stellen die ehrenamtliche Arbeit der Bergwachtmänner und -frauen in den nächsten Wochen in einer Serie vor. Stellvertretend für die Bereitschaften in der Bergwacht-Region Chiemgau (Altötting, Berchtesgaden, Bergen, Bad Reichenhall Freilassing, Grassau, Inzell, Marktschellenberg, Marquartstein, Ramsau, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Teisendorf/ Anger und Traunstein) haben wir mit einigen Aktiven der Bergwacht Traunstein über ihre vielseitige Arbeit gesprochen.


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