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Der Mann der beiläufigen Sarkasmen

Werner Fritz bei seiner Lesung in der Waginger Tourist-Info; vor ihm seine gesammelten Werke. (Foto: Eder)

Werner Fritz (72), Autor mit ausgesprochenem Hang zu trockenem Sarkasmus, erfreute das Publikum seiner Lesung in der Waginger Tourist-Info mit gelungenen Kostproben seiner Satiren. Man muss ihm genau zuhören, um die stets mit unbewegter Miene vorgetragenen kleinen Bosheiten und die unscheinbar eingefügten ironischen Adjektive auch wirklich herauszuhören – und das Schöne daran: Er nimmt sich auch selbst nicht aus.


So blickte er erfreut in die übersichtliche Runde der Besucher und konstatierte, es seien mehr Leute gekommen, als er gedacht hätte. Denn eine normale Autorenlesung bestehe gerade mal aus vier Menschen: Autor, Verleger, Pressevertreter und ein Besucher. Denn die hohe Zeit der Satire – so erklärt er sich selbst als quasi überlebt – sei längst Vergangenheit; die Zeiten, da ein Ephraim Kishon fünf Millionen Bücher verkauft habe, seien endgültig vorbei.

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Dies alles aber hat ihn nicht davon abgehalten, sieben Bücher mit satirischen Geschichten und genauen Beobachtungen allzu menschlicher Verhaltensweisen und allzu selbstverständlicher Gepflogenheiten herauszubringen. 2003 erschien sein erstes Werk, das letzte ist brandneu und hat den schwierigen Titel »Viel Osophie«.

Unter diesem Wort, so klärte der gebürtige Traunsteiner Werner Fritz seine geneigten Zuhörer auf, könne sich natürlich keiner etwas vorstellen, und es sei auch in keinem Fremdwörterbuch zu finden. Für ihn aber sei dieses Wort zum Synonym geworden für »alles, was mich ärgert«. Von daher könne man das Buch gerne jemandem schenken, den man partout nicht leiden kann.

Werner Fritz weiß natürlich aus eigener Erfahrung, dass ein Zeitungsberichterstatter, ein Kritiker sozusagen, für eine kulturelle Veranstaltung schlechterdings unverzichtbar ist – war er doch selbst lange Zeit als solcher tätig. Was ihm offenbar heute noch nachhängt. Denn, wie er sich erinnert, die von ihm zu beschreibenden Darbietungen hätten zwar durchaus zumeist erfreuliches Niveau besessen, aber keineswegs alle: »Manche hätte ich zu gerne verrissen«, gestand er. Artikel dieser Art wären aber von den Redaktionen nicht angenommen worden. Darum musste er damit warten, bis er im Ruhestand war und seine eigenen Bücher schrieb. Und so kam das Publikum in den Genuss eines geradezu wolllüstig formulierten Verrisses über ein Konzert mit moderner Musik.

Diese Geschichte stammt also aus dem neuen Buch »Viel Osophie«, ebenso wie eine Betrachtung über Leute in Firmen, die zwar sehr freundlich seien, aber nicht zuhörten. Eine ganze Reihe von Geschichten trug Fritz aus seinem vorletzten Buch mit dem Titel »Schönen Tag noch« vor. Darin geht es mehrfach um Themen im Zusammenhang mit der Damenwelt. Und was dieses Thema betrifft, hatte es Fritz schon gleich zu Beginn seiner Lesung für notwendig befunden, das Vorurteil aus der Welt zu schaffen, dass er Frauen nicht möge. Das werde von seinen Lesern oder Hörern völlig missverstanden, was wiederum ein Beleg dafür sei, dass Satire nun einmal nicht von jedermann verstanden werde.

Wenn Frauen auch noch so reizvoll sein mögen, so habe der Status eines Singles doch große Vorteile: Damit ließ der überzeugte Single Werner Fritz das Publikum einen Blick in sein Innerstes werfen. All die Vorteile – kein langweiliger Familienurlaub am Strand und keine ermüdenden Sonntagsnachmittags-Spaziergänge – würden aber mitunter relativiert, wenn es um die Belange einer »artgerechten Ernährung« gehe. Da komme es dann doch vor, dass der eine oder andere Mann das kleinere Übel (die Frau) dem größeren Übel (sich selber bekochen zu müssen) vorziehe – »völlig gleich, wie sie aussieht«. Das aber sei dann auch kein richtiger Single gewesen; denn ein richtiger Single bewerte die Nachteile einer Beziehung stets höher als die unbestreitbar ebenfalls vorhandenen Vorteile.

Zum Schluss brachte Werner Fritz noch eine echte Realsatire zu Gehör. Er hat ja zu Zeiten der »Seeblattl« genannten Waginger Gemeindezeitung regelmäßig seine Satiren geschrieben und darin veröffentlichen können. Nur eine sei nicht genommen worden. Das war der Beitrag, als er sich darüber mokierte, dass aus finanziellen Gründen die Gemeindezeitung nur noch drei statt wie zuvor vier Mal pro Jahr erscheinen sollte. Da hatte er Sparvarianten aufgezeigt, wie man die klammen Finanzen entlasten könnte: den Aufzug im Rathaus stilllegen, um Betriebskosten zu sparen, verschiedene Ortsteile ausgliedern und natürlich auch Krankenhaus und Altenheim zusperren. Das fanden offenbar die Verantwortlichen in der Gemeinde nicht mehr lustig, und diese Kolumne von Werner Fritz blieb außen vor.

Und ebenso wie Satire nicht von jedem verstanden werde, so sollte man Satire auch nicht übertreiben, fand Fritz und meinte damit die Dauer seiner Lesung. Schon nach gut einer Stunde entließ er seine Zuhörer, die zum größeren Teil aber noch eine Weile blieben – zumindest um sich ein Buch signieren zu lassen. Fritz' Bücher sind im Buchhandel zu erwerben; erschienen sind alle sieben im Waginger Liliom-Verlag. he