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»Der Mauerfall war ein Befreiungsschlag«

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Elke Schröter (74), Nußdorf, lebte bis 1991 in Cottbus


»Als ich am 30. Oktober 1989 bei der ersten Montagsdemo in Cottbus vor der Stadthalle ‚Wir sind das Volk, wir sind das Volk‘-Rufe gehört habe, war ich mit meinem vierjährigen Enkel unterwegs. Ich hatte Angst. Repressionen habe ich als Justizsekretär bei Gericht indirekt selbst gespürt. Mein Chef drängte mich, den Westkontakt zu meinen Geschwistern, die bereits Mitte der 1950er Jahre die DDR verlassen hatten, abzubrechen, sonst sei ich für meinen Job ungeeignet.

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Ich habe mich auch geweigert SED-Mitglied zu werden, und bin stattdessen zur National-Demokratischen Partei Deutschlands gegangen. Der Mauerfall war dann wie ein Befreiungsschlag. Die Rede von Günter Schabowski habe ich am 9. November live im Fernsehen gesehen. In Cottbus konnten wir Westfernsehen empfangen. Mein erster Gedanke war nur, hoffentlich bleiben die Grenzen offen.

Auf die Straße bin ich an jenem Abend nicht gegangen, ich hatte Angst vor den Menschenmassen. Mit meinem Enkel bin ich mit dem Zug nach West-Berlin gefahren, um das Begrüßungsgeld abzuholen. Das Gedränge im Zug war riesig.

Cottbus verlassen wollte ich eigentlich nicht, ich hatte ja alles, meine Familie, eine Arbeit und eine Wohnung. Doch dann habe ich zufällig einen Musiker aus Traunstein beim ersten Cottbusser Oktoberfest 1990 kennengelernt. Jetzt leben mein Mann und ich schon fast 30 Jahre in Traunstein.«