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Mozarts »Requiem« und »Suchen – hoffen« von Patrick Pföß in der Stadtpfarrkirche Traunstein

Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Leben und Tod

Bis in den letzten Winkel mit Zuhörern gefüllt war die Traunsteiner Stadtpfarrkirche St. Oswald am Volkstrauertag. Sie waren herbeigeströmt, um das »Requiem« von Wolfgang Amadeus Mozart und die zeitgenössische Komposition »Suchen-hoffen« von Patrick Pföß zu hören.

Gelungenes Konzerterlebnis in der Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein: Das »Requiem« von Wolfgang Amadeus Mozart in der Fassung von Franz Beyer und die Uraufführung des Werks »Suchen – hoffen« von Patrick Pföß ergänzten sich überraschend gut. (Foto: Heigl)

Was das eine mit dem anderen zu tun hat, war im Textheft nachzulesen: »Bis auf eine Ausnahme verwende ich dieselbe Instrumental-Besetzung wie beim »Mozart-Requiem«, so der in Traunstein geborene und wohnhafte Komponist Pföß. Die Ausnahme: Die Pauken hat er durch ein Tamtam (Gong) ersetzt. Das etwa 15 Minuten dauernde, kleine Violinkonzert mit Orchester hat er für Constanze Germann-Bauer geschrieben, eine junge Teisendorferin, die am Mozarteum in Salzburg Violine studiert hat.

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Vom ersten Ton an war man von der innigen und spannungsreichen Klangsprache der Musikerin wie magnetisiert. Mal symbolisierte ihr Spiel das Individuum, das auf der Suche nach Erfüllung seines Lebens ist, dann wiederum einen Menschen, der sich – auf der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft – im Spannungsfeld unterschiedlichster Gefühle befindet. Sie entlockte ihrer Geige ein geheimnisvolles, irrlichterndes Sirren, das sich der düstere, ja manchmal bedrohlich-fulminant einsetzende Orchesterklang immer wieder einverleibte, und aus dem sie sich immer wieder neu, in kristallklarer Klarheit, mit ihrem Instrument herausschälte. So gehörte auch der letzte Ton dieser gelungenen Uraufführung der Musikerin. Die Geige setzte zu einem groß angelegten Schlussakkord an, doch bevor sie ihn richtig vollenden kann, lässt der Komponist Pföß den langgezogenen Ton seiner Komposition urplötzlich abbrechen. Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Leben und Tod fand in dieser spannenden Komposition eine schlüssige Interpretation.

Mit den Worten »Ein Requiem ist ein gesungener Gottesdienst. Die Spannung beschwört, was nach dem Tod geschieht« hatte Pfarrer Georg Lindl feierlich den Beginn des Konzertabends eingeleitet, der unter der Leitung des Kirchenmusikers Manfred Müller für die Zuhörer ein großartiges musikalisches Erlebnis wurde. Der Kirchenchor und das Orchester St. Oswald waren auf das Beste präpariert. In der Dichte von Ausdruck und Struktur waren die musikalischen Kontraste des Requiems in Orchester und Chor zu einem aufwühlenden und spannenden Hörerlebnis herausgearbeitet. Das »Dies irae« etwa, bei dem sich die männlichen Chorsänger im Wechsel mit den Frauenstimmen immer mehr hineinsteigern, war an Spannung reich und von hypnotischer Kraft.

Die Stimmen der vier Solisten (Rosemarie Kassis, Sopran, Christine Mittermair, Alt, Jakob Pejcic, Tenor, Thomas Ruf, Bass) erblühten im Ensemble-Klang zu einer harmonischen Einheit und erfreuten mit kultivierter Schönheit in Klang und Ausdrucksstärke, was besonders in den Solopassagen zu hören war.

Gestärkt im Suchen und Hoffen ging die Zuhörer-Gemeinde auseinander, nachdem sie sich bei den Mitwirkenden mit einem lang anhaltenden und wohlverdienten Applaus bedankt hatte. Barbara Heigl