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Andreas Kuhnlein und Willy Reichert stellen Werke in den Galerieräumen im Hilgerhof aus

Der Mensch in Skulpturen und Malerei

Ein besonderer Höhepunkt im Museum Hilgerhof bei Pittenhart ist die derzeitige kleine, aber sehr interessante Ausstellung mit acht Holzskulpturen des Bildhauers Andreas Kuhnlein aus Unterwössen und dreizehn Arbeiten – überwiegend Buntstiftzeichnungen, aber auch Ölgemälde und ein Aquarell – des Malers Willy Reichert aus Wasserburg.

Wirkungsvoll abgestimmt sind die Skulpturen von Andreas Kuhnlein und die Arbeiten von Willy Reichert in der sehenswerten Ausstellung im Museum Hilgerhof. (Foto: Morgenroth)

Die ausgestellten Werke sind ausgezeichnet in sich und auf die Galerieräume abgestimmt und sehr wirkungsvoll platziert. Das große gemeinsame und verbindende Thema in der Ausstellung der beiden Künstler ist der Mensch, dargestellt in verschiedenen Lebenssituationen und Positionen, menschlichen Zuständen und Verhältnissen sowie die Figur und der Körper an sich und das »Porträt«.

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Jede Figur hat ihren eigenen »Charakter«

Andreas Kuhnleins kraftvolle Holzskulpturen rühren den Betrachter durch ihre Einfachheit der Gebärden und zeigen häufig Seelenzustände, sie bergen zutiefst empfundene menschliche Begierden und Leiden. Die Skulpturen sind mitten unter die Betrachter gesetzt. Jede einzelne Figur hat ihren eigenen »Charakter«, dessen Bedeutung der interessierte Betrachter auch erkennen kann. Seine Themen bestechen dabei in einer Mischung von Hingabe und Verzweiflung. Seine Szenen umfassen kraftvolle Gestalten in Stadien von Qual, Schrecken, Angst, Schmerz und Leid aber auch Heiterkeit, Hoffnung, Zuversicht und Würde.

Die mit unendlichem Feingefühl behandelten Zweiergruppen »Agnes Bernauer« und »Gefallene« sind in der Ausstellung einer der ergreifendsten Schöpfungen Kuhnleins. Aber auch die kraftvollen Kompositionen der ausgestellten »Sinnierenden« und »Balance«, die im ersten Augenblick durch ihre übermäßigen Verrenkungen befremden mögen, sind Figuren, die durch die herausragende Holzbearbeitung zweifellos erstaunliche Werke des Bildhauers sind. Die Arbeit »Erwartung« ist von robuster Lebenskraft und in einer natürlichen Haltung, die eine Vorahnung künftiger Mutterschaft und zugleich Pein beim Gedanken an das Leid, das der kommenden Generation vorbestimmt ist, erkennen lässt.

Ganz anders als Kuhnleins expressiver Stil sind die ausgestellten Arbeiten von Willy Reichert. Sie changieren zwischen strengem geometrischem Aufbau und befremdender Figurationen. Linien akzentuieren in seinen neueren Werken größere Teile der Bildfläche und bilden dabei das Bildgerüst. In Reicherts neuem Schaffensabschnitt sind in den vergangenen Jahren neben seinen Landschaftsgemälden Werke mit figürlichen Darstellungen entstanden – überwiegend von Frauen, aber auch von alltäglichen Situationen wie »In der Sauna« oder »Im Fitness-Studio«.

Nach und nach werden auch Diagramme sowie eine Art Rastersystem mit »Koordinatenpunkten«, Buchstaben und Schriftzüge sowie gleichzeitig mehrere Ansichten oder Teilansichten von »Porträts« auch im Halbprofil in die Blätter integriert, die zur Verdeutlichung von Reicherts Vorgehensweise beitragen.

Die künstlerischen Mittel Reicherts sind vielfältig, nicht nur hinsichtlich der Technik – ob Öl, Aquarell oder Buntstiftzeichnungen –, sondern auch innerhalb jeder Technik gestaltet er mit großer Könnerschaft. Einmal sind die Blätter fast nur mit Linien und Teilflächen mit Farben gestaltet, ein anderes Mal aus großen, einfachen Farbflächen gebaut. Oft beherrschen ausschließlich helle, kühle blaue und graue Töne das Papier, dann wieder gibt es leuchtendes Rot oder einen strahlenden gelben Akzent.

Willy Reichert enthebt das »Porträt« der Realität

Das Gesicht von Frauen im Halbprofil wie auch in starrer Frontalität ist ein gern verwendetes Motiv von Reichert. In seinen Blättern mit den Titeln »In Blau« oder »Pink« enthebt er das »Porträt« hier der Realität und lässt es erhaben in heller, zarter Umgebung strahlen. In diesen Arbeiten beschränkt er sich auf einen einfachen Stil, mit wenigen Farben ausgeführt, die die Wirklichkeit sogar umdeuten können.

Die äußerst sehenswerte Ausstellung im Hilgerhof, Niederbrunn 12 bei Pittenhart, ist bis zum 26. Juni zu sehen und Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zudem finden am Mittwoch, 8. Juni, und am Samstag, 11. Juni, jeweils um 14 Uhr sowie am Samstag, 25. Juni, um 16 Uhr Künstlergespräche und eine kostenlose Führung mit dem Künstler Andreas Kuhnlein statt. Bei der Finissage am 26. Juni ab 14 Uhr sind beide Künstler anwesend. Gabriele Morgenroth