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Der Musiksommer sticht in See

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Die Salzburger Bläsersolisten im Großen Zwischendeck der MS »Edeltraud«. (Foto: Kaiser)

Zum ersten Mal in seiner 40-jährigen Geschichte unternahm es der Musiksommer zwischen Inn und Salzach, »in See zu stechen«. Eine vorzügliche Idee und, bei idealem Wetter, eine wohlgelungene Premiere. Gehört doch eine Lustfahrt auf dem Bayerischen Meer auch zum vielbeschworenen Dreiklang von (leicht abgewandelt) Musik, Landschaft und Tradition unserer Heimat. Die MS »Edeltraud« war in ihrer Größe und wegen ihrer »ruhigen Lage auf See« die ideale Heimstatt für die »Harmoniemusik auf dem Chiemsee«.


Die Musiker dieser angenehmen Serenade auf See waren die Salzburger Bläsersolisten, Michael Müller und Albert Osterhammer, Klarinetten, Peter Tavernaro und Astrid Kendl, Oboen, Pietro Aimi und Barbara Veronika Hiesböck, Fagotte, und Martin Osterhammer und Stefan Kresin an den Waldhörnern.

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Augustin Spiel von der künstlerischen Leitung des Musiksommers moderierte die Veranstaltung und begrüßte das Publikum zu einem »aristokratischen Vergnügen« ähnlich den »Harmoniemusiken« im Wien des späten 18. Jahrhunderts, bei denen geschickte Bläser quasi als Multiplikatoren dem adeligen Publikum »Große Musik«, mit Vorliebe Opernquerschnitte in konzentrierter Destillation nahebrachten. Auch habe es auf dem Starnberger See ein venezianischen Vorbildern nachgebautes Prunkschiff für das kurfürstliche Ambiente in Bayern gegeben, auf dem musiziert wurde.

Mit der Harmonie (auch »Partita« genannt) in F-Dur Hob.V:2 von Joseph Haydn (1732 bis 1809) begann das Konzert mit einem Allegro moderato, lebhaft und frisch wie der kühlende Wind an diesem Sommerabend. Ihm folgte ein Variationensatz über ein an sich behäbiges Thema, bei dem sich die einzelnen Instrumententypen jeweils von ihrer besten Seite zeigen konnten. Ein leichtfüßiges Menuetto mit einem feinen Trio verschönte die Passage zwischen der Krautinsel und der Fraueninsel, und gut aufgelegt, ja aufgekratzt beendete das Finale Allegro dieses liebenswerte Werk.

Augustin Spiel sann über die unterschiedlichen Perspektiven des modernen Tourismus (»Ist das nicht eine wunderschöne Natur hier?«) und das gespannte, ja gestörte Verhältnis König Ludwigs II. zum Ambiente der Herreninsel nach (»eine schauerliche Umgebung«, die »zu zähmen ist«). Er sprach auch ironisch-kritisch die Diskrepanz zwischen des Königs Verdikt »kein Fremder soll meine heiligen Gebäude betreten ... lieber will ich sie einreißen« und dem Willkommenen finanziellen Zuwachs für den Freistaat aus eben diesen an.

Vor der Anlegestelle bei Gstadt begann die Ouvertüre zur Oper »Soliman II.« von Franz Xaver Süßmayr (1766 bis 1803), die in ihrem Handlungsablauf erstaunliche Parallelen zu Mozarts »Entführung« aufweist. Das Bläseroktett stellte in einem Querschnitt durch diese musikalisch hübsche Oper einige Szenen und Arien zwischen Nachdenklichkeit, tiefem Empfinden, festlichem Prunk, werbendem Verlangen, neckischer Abweisung, tiefem Ernst und froher Entspannung vor – grundsolide, ehrliche Musik.

Mit einer stichpunktartigen Übersicht machte Augustin Spiel mit der wechselvollen Geschichte der Herreninsel vom 9. Jahrhundert über die Wirren der Säkularisation bis hin zur Tagung des »Verfassungskonvents« im August 1948 bekannt. Inzwischen hatte es zu dämmern begonnen und die Musiker hatten W. A. Mozarts (1756 bis 1791) Serenade Nr. 12 c-Moll KV 388 aus dem Jahr 1782 auf ihren Pulten liegen, »eine der Kostbarkeiten der Musik für Blasinstrumente«. Mozart befand sich hier auf der Höhe seines Schaffens, seine Serenade Nr. 12 hat sich vom Zweck geselliger Freude, der die Gattung eigentlich bestimmte, gelöst; sie stellt sich als tiefes musikalisches Bekenntnis dar.

Schwermütig begann das erste Allegro, nahm dann einen intensiven Verlauf. Das Andante, einen langsamen Dreiviertel-Satz, gestaltete das Ensemble mit tiefem gemeinsamen Verständnis. Das raffiniert strukturierte Menuetto barg einen kostbaren Trioteil mit den zwei Oboen und den zwei Fagotten. Unaufhaltsam vorwärts drängte das Rondothema des Allegro-Schlusssatzes und führte verhalten zu einem versöhnlichen Ende.

Tief bewegt hielten die Zuhörer ihren Beifall zurück, verlangten dann aber nach Zugaben und bekamen sie, noch ein fesches Stück aus Süßmayrs »Soliman II.« und eine wundervoll einstimmende »kleine Nachtmusik« von Antonio Salieri. Engelbert Kaiser

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