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Der Reiter Hansi vom Weinmüller sagt Servus

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Eine „Gache Kurve“ nennt es Hans Reiter die er damals vor zehn Jahren gemacht hat. Schon als Jugendlicher hatte er den Traum, eine Bar oder ein Cafe zu eröffnen. 2008 war es soweit, da hat der Reiter Hansi das Cafe Weinmüller in Siegsdorf übernommen.

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„Ich wollte nach 25 Jahren im Leistungssport was anderes machen. Da ist mir der Weinmüller ganz recht gekommen“, erinnert sich der bald 60-jährige. Zehn Jahre hat sich der ehemalige Langläufer als Ziel gesetzt, das Cafe zu betreiben. Jetzt im August gibt er den Weinmüller in jüngere Hände, Reiter wird zu seinen Wurzeln zurückkehren und Langlauftrainer am Stützpunkt Ruhpolding werden.

„Der Abschied fällt mir schon schwer, aber ich habe das genauso geplant“, sagt er. Das Gebäude vom Weinmüller am Bahnübergang beim Siegsdorfer Rathaus war für ihn der ideale Platz, um alles umzusetzen. „Ich wollte mich von den anderen etwas absetzen, weil ich so denke und so lebe. Es sollte alles authentisch sein. Viele haben damals dumm geschaut, viele haben sich gefreut“, erzählt er von seinen Anfängen. Schnell hat er sich einen Stamm aus Gästen aufgebaut. Kerngeschäft sollte ein Cafe sein, am Abend war Bar- oder Biergartenbetrieb angesagt. Zu Hilfe kam ihm seine Leidenschaft für Konzerte und Kleinkunst.

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Und so führte er eine Reihe von Musik- und Kabarettveranstaltungen durch. Der Kelller Steff, Kletterer Thomas Huber und seine Band oder die Guten A-Band gaben sich beim Weinmüller die Klinke in die Hand. Auch der abendliche „Weinmüller-Ratsch“ war eine Idee vom Reiter Hansi. Sportler und Politiker trafen sich in gemütlicher Runde zum ratschen. Biathleten, Langläufer und sogar der Landrat sind gerne gekommen. Das Publikum wurde aktiv in die Gespräche einbezogen. In den vergangenen zehn Jahren hat er rund 430 Veranstaltungen organisiert. „Ich habe immer tolle Gäste gehabt, Einheimische und Urlauber sind gerne zu mir gekommen“, sagt er stolz. Die Nachfolge hat er bereits im Winter geregelt. Er wollte unbedingt jemanden aus dem Chiemgau, die sein Konzept fortführen. Das ist ihm gelungen. Den „Maloja-Shop“ im ersten Stock will Reiter persönlich weiterführen.

Weinmüller-Gebäude hat eine lange Geschichte

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Das Weinmüller-Gebäude hat eine lange Tradition und gehört mittlerweile der Gemeinde. Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm ist Reiter immer an der Seite gestanden und hat ihn unterstützt. Von 1880 bis 1918 ist der Weinmüller eine Bahnhofsgaststätte gewesen. Damals ein beliebter Treffpunkt zum Ratschen und Bier trinken. Danach hat die Familie Weinmüller im Gebäude eine Autowerkstatt bis 1955 betrieben. 90 Jahre später hat der Reiter Hansi daraus wieder einen gemütlichen Treffpunkt geschaffen. Nun kehrt er in den Leistungssport zurück. Als aktiver Langläufer ist er bei internationalen Wettkämpfen an den Start gegangen. Bei der Junioren Weltmeisterschaft 1978 hat er eine Bronzemedaille gewonnen. Die Teilnahme an Olympia zwei Jahre später in Lake Placid/USA hat er nicht geschafft. „Ich hätte zu unerlaubten Mitteln zur Leistungssteigerung greifen müssen, das wollte ich nicht“, sagt er unverblümt zur Dopingproblematik im Leistungssport. Nach seiner sportlichen Karriere ist er ins Trainergeschäft eingestiegen. Das wird er ab sofort wieder machen. Als verantwortlicher Coach am Stützpunkt Ruhpolding ist er unter anderem für Steffi Böhler, Jonas Dobler, Andreas Katz, Lucas Bögl und Thomas Wick zuständig. Primäres Ziel ist die Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld. 2022 soll es zu Olympia nach Peking gehen. „Olympia ist noch ein unerfüllter Traum von mir“, verrät er. Wer den Reiter Hansi kennt, weiß dass er das schaffen wird.

Text: Siegi Huber
Fotos: Ernst Wukits