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Der schnellste Weg zum Schlagloch

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Parken für die Harten: »Anzeiger«-Leser und Jeep-Freak Thomas Jander aus Marktschellenberg wagte sich auf den Parkplatz an der Schießstättbrücke. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Stoßdämpfer-Teststrecke oder Abkürzung? Der Parkplatz an der Schießstättbrücke hat Schlaglöcher so groß wie Bombentrichter. Eine Zumutung für Einheimische und Urlauber. Und das sorgte am Montagabend für Gesprächsstoff im Berchtesgadener Gemeinderat. Doch wo kommen die Löcher her? Und wie kann man sie dauerhaft loswerden? Marktbürgermeister Franz Rasp (CSU) lieferte verblüffende Erkenntnisse.


Der gekieste Parkplatz an der Schießstättbrücke gegenüber der Obersalzbergbahn und der Schnitzschule ist übersät mit unzähligen Schlaglöchern unterschiedlicher Tiefe und Breite. Hat es geregnet, schaut das Auto nach einer Fahrt über den Parkplatz aus, als wäre man soeben von der Rallye Dakar zurückgekehrt. Richard Schwab (FW) schilderte dem Gemeinderat diese Zustände und wollte deshalb von Marktbaumeister Peter Hasenknopf wissen, was man dagegen tun könne. Schließlich sei der Parkplatz für Einheimische und Urlauber gleichermaßen wichtig. Schwab plädierte für eine partielle, kostengünstige Asphaltierung. Hasenknopf lächelte weise und wissend. Und nickte verständnisvoll. Schlaglöcher in einer Kiesfläche immer wieder auffüllen? Eine Sisyphos-Aufgabe.

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Auch Franz Rasp lächelte. Und zwar in dieser typischen Mischung aus Captain Kirk und dem Moderator der Knoffhoff-Show. Immer wenn er das macht, folgt eine einfache Erklärung hochkomplexer Vorgänge. Meist aus den Fachgebieten Physik und angewandte Mathematik. Mit den Worten »Es ist so« leitete er seinen Auszug aus Raspipedia ein. »Ortskundige Autofahrer nutzen diesen Parkplatz gerne als Abkürzung.« Und Schlaglöcher entstünden nun mal durch das permanente Beschleunigen und Abbremsen von Fahrzeugen.

Eine Aussage, die Richard Schwab, Inhaber einer Baufirma, so nicht stehen lassen wollte. »Also, bei uns auf dem Hof gibt es auch immer wieder Schlaglöcher. Die entstehen aber in erster Linie nicht durch Anfahren und Bremsen.« Eine Steilvorlage für den Bürgermeister: »Ja, da kommt es vom dauernden Drehen, vom vielen Wenden.« Sabine Wimmer (Grüne) meldete sich. »Das ist bei den Glascontainern auf dem Salinenplatz genauso.« Rasp nickte. Unterrichtsstoff verstanden.

Heimische Autofahrer, die über den Parkplatz brettern, um die Ampeln an der Schießstättbrücke zu umgehen, sind also schuld. Unbescholtene Bürgerinnen und Bürger stehen am Pranger, nur weil sie zweieinhalb Minuten schneller zu Hause beziehungsweise in der Arbeit sein wollen. Da musste Manfred Leubner (Grüne) einschreiten.

»Diejenigen, die abkürzen, sind keine Deppen«, stellte er klar. Um sie gar nicht erst zum Fehlverhalten zu verleiten, forderte Leubner, die Schaltzeiten der Ampeln in Längsrichtung zu verkürzen. Franz Rasp zeigte Verständnis für diesen Wunsch. »Die Schaltzeiten sind nicht nur gefühlt sehr lang, sondern tatsächlich die längsten weit und breit«, sagt er. Christian Fischer