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Der Sternenhimmel der textilen Möglichkeiten

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Renate Dehrberg schenkt Bürgermeister Hans Eschlberger den Quilt »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. (Foto: Janoschka)

Eine überwältigende Farbenpracht, die an »einen marokkanischen Basar« erinnert, wie Bürgermeister Hans Eschlberger schmunzelnd bemerkte, hüllte den Besucher der Ausstellung »Meine Quilts und ich« von Renate Dehrberg ein, sobald er die Räumlichkeiten im Haus der Kultur betrat. Den angemessenen Rahmen dazu bot die wunderschöne musikalische Eröffnung: Nach seiner Begrüßung und Danksagung an alle Unterstützer begleitete Ralf Halk, der Vorsitzende des Kulturvereins Ainring, die Sängerin Marie Stephanie Kolb bei der Arie des Orlowsky aus der »Fledermaus« von Johann Strauß, »Ich lade gern mir Gäste ein«, bei »Du sollst der Kaiser meiner Seele sein« von Robert Stolz und bei »Summertime« aus »Porgy and Bess« von George Gershwin.


Einen besonderen Quilt zählt Renate Dehrberg zu ihren besten Arbeiten: »Letzte Rose« als Acryldruck auf roter Baumwolle. Der Titel nimmt Bezug auf die gleichnamige Arie aus der Oper »Martha« von Friedrich von Flotow, die ebenfalls zu hören war, und die auch darauf anspielte, dass dies nach den Aussagen der Künstlerin ihre letzte Ausstellung sein würde.

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Gabriele Noreisch fasste bei ihrer begeisternden Laudatio das in Worte, was die Besucher beim Betrachten der Stoffkunstwerke gefangen nahm. In seiner Begrüßung zitierte Bürgermeister Hans Eschlberger aus einer Festspielschrift die Vorzüge des Salzburger Landes und des Rupertiwinkels: »Hier musste Mozart geboren werden – und ich füge hinzu: natürlich auch Renate Dehrberg.«

Die Kunst mit Stoffen jeglicher Art, mit denen die Künstlerin themenbezogene Quilts und Wandbehänge in derselben Art schuf, zeugt von einer unglaublichen Kreativität, die auch offensichtlich auf einer positiven Lebensphilosophie basiert. Diese zeigt sich in gedruckten oder gepinselten Schriftzügen kalligrafisch auf den Stoffen und hat die Qualität einer Botschaft. »Allein die Schrift ist verantwortlich für das Erinnern« – dieser Satz auf einem, in Rotschattierungen gehaltenen Quilt, gibt dafür den Grund an.

»Die Würde des Menschen ist unantastbar« steht auf einem anderen Quilt auf rotem Untergrund. Dieser Quilt reiste durch viele Ausstellungen und darf in Zukunft den großen Sitzungssaal im Rathaus Mitterfelden schmücken. Er ist ein Geschenk der Künstlerin an das Gemeindeoberhaupt. Dehrberg greift auch Ereignisse aus Politik und Gesellschaft auf, wie in »Mitten ins Herz«, einem Quilt, der aufgrund der Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 entstanden ist.

Die Stoffkünstlerin experimentiert aber auch gerne: Der Quilt »Trabantenstadt« zeigt hochhausähnliche Gebilde. Auf anderen Quilts liest der Betrachter eine Abhandlung über die Farbe Rot, einen Satz über die Freundschaft oder Zitate von Alphonse Daudet, wie »Dieser leichte Rausch der Seele« in Grün- und Blautönen mit »verrückten« Fragmenten von Textbausteinen.

»Die Höhe reizt uns, nicht die Stufen«, »Alles hat seine Zeit«, »Das Glück ist ein Kuss. Man muss es teilen, um es zu genießen« – nicht nur die Farben, auch die Botschaften verbreiten positive Gedanken. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz: »Ein bisschen Frida« – ein Wortspiel auf einem bunten Quilt – lässt eine Menge Assoziationen zu.

Die Künstlerin »malt« mit Stoffen, indem sie bestimmte Farben und Muster, oder Stoffflecken in verschiedenen Größen und Formen kombiniert: Sechsecke in bestimmten Farbkombinationen oder die Zusammenstellung von verschiedenen geometrischen Figuren lassen kristallähnliche Blüten entstehen. So kann der Besucher Stoffcollagen oder konkrete wie auch abstrakte Darstellungen bewundern.

Renate Dehrberg entwirft auch Kissen, zum Beispiel mit Goethes Konterfei. Diese wurden schon für eine achtteilige Fernsehserie bestellt – Dehrberg ist die Einzige in Deutschland, die solche Kissen herstellt. Leporellos im Hoch- oder Querformat erzählen Geschichten mit wenigen Worten, aber mit aussagekräftigen Farben. Renate Dehrberg ist tatsächlich am textilen Sternenhimmel angekommen. In ihrem autodidaktischen Werdegang lebt sie ihren Traum und gibt den Mut für diese Lebenshaltung an die Betrachter weiter.

Die Ausstellung ist bis Sonntag täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Brigitte Janoschka