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Der Süden ist ein einziger Rausch, eine Symphonie der Farben…«

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»Nauplia«, ein Aquarell auf Papier von Rupprecht Geiger, 1944. (Fotos: Giesen)

»Wunderbare Bilder, ein inspirierender Ort, ein magisches Anwesen…« – diese begeisterte Anmerkung ist zur neuen Sommerausstellung im Gästebuch des Künstlerhauses Geiger zu lesen. Die Fahrt auf kleinen Sträßchen bis zu dem idyllisch inmitten von Wiesen gelegenen Anwesen im Überseer Ortsteil Baumgarten, Neuwies lohnt sich. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, Bilder an dem Ort anzusehen, an dem sie entstanden sind oder wo die Künstler lange gelebt haben.


Seit 2004 organisiert die Kunsthistorikerin Julia Geiger, Enkelin von Rupprecht Geiger (1908 bis 2009) und Urenkelin von Willi Geiger (1878 bis 1971) hier alle zwei bis drei Jahre Ausstellungen, um das Andenken an die beiden bedeutenden Maler in der originalen Umgebung zu bewahren. Die neue Ausstellung ist »Reise in den Süden« überschrieben und enthält schöne Zeugnisse der Reisen von Vater und Sohn zum Beispiel nach Spanien, Marokko, Tunesien oder auf die Kanaren.

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Rückzugsort während des 2. Weltkriegs

Aber nochmal kurz zurück zu dem Haus: Der Maler und Grafiker Willi Geiger erwarb 1930 die sogenannte Bax, ein 400 Jahre altes, halb verfallenes Bauernhaus, das er mit seinem Sohn im alten Stil wieder aufbaute. (Die Bezeichnung Bax bezieht sich möglicherweise auf einen früheren Hofbesitzer im 19. Jahrhundert, Georg Paxer) In der Bax wohnte die Familie Geiger in den Sommermonaten und während der Nazizeit, nachdem Willi Geigers Lehrauftrag für Malerei an der Staatlichen Akademie für Graphik und Buchkunst in Leipzig wegen kritischer Äußerungen gegen das politische Regime fristlos gekündigt worden war. Nach seiner Rehabilitierung 1946, als er wieder eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München innehatte und zahlreiche Ehrungen erhielt, wurde das Haus wieder als Ferienhaus genutzt.

Wohnhaus noch wie in früheren Zeiten

Im noch heute unveränderten Wohnhaus kann der Besucher noch unverfälscht die Atmosphäre der früheren Zeit spüren. Hier sind vor allem die Ölbilder von Willi Geiger ausgestellt. Auf manchen, wie »Stillleben mit Stuhl«, wird das Mobiliar gezeigt, das noch heute hier zu sehen ist. Verschiedene andere Stillleben mit Wassermelone, Früchten oder Krebs vermitteln einen Ein-druck vom Alltagsleben im Süden, aber auch in der Bax, wo die Sonne an heißen Sommertagen ähnlich wie das gleißende Licht der Länder am Mittelmeer ist. Herrlich das leicht verschwommene Bild »Nach dem vierten Glas«. Besonders eindrucksvoll sind die Bilder Willi Geigers von der zweijährigen Spanienreise in den Jahren 1923 bis 1925, die weiter auf die Kanaren und nach Marokko führte. Die Reise prägte nicht nur den Vater bis ins hohe Alter und gab immer wieder Inspirationen für neue Bilder, sondern auch den Sohn. Der Zauber Spaniens schlägt sich sowohl in den spanischen Landschaften nieder als auch den südlichen Stadtansichten. Faszinierend sind die Charakterporträts von Matadoren und der immer wieder vorkommende Kopf des Stiers, denn Willi Geiger setzte sich zeit seines Lebens immer wieder mit dem Thema Stierkampf auseinander. Trotz des südlichen Lichtes wirken seine Bilder – im Gegensatz zu den leuchtenden Farben des Sohnes – immer dunkler, weniger strahlend.

Kleinere Arbeiten auf Papier

Im westlichen Teil des Hauses, der mit einer schmalen Galerie umgestalteten Tenne, sind vor allem die Bilder von Rupprecht Geiger zu sehen. Es sind hier nicht die sehr bekannten, großformatigen abstrakten Ölbilder mit einfachen geometrischen Formen, sondern kleinere Arbeiten in Aquarell, Gouache oder Kreide auf Papier. Sie sind eine spannende Ergänzung zu den späteren großen Werken Rupprecht Geigers und zeigen, wie stark er vom Licht des Südens mit seinen leuchtenden, klaren Farben beeinflusst war.

Der Weg zur Abstraktion wird zum Beispiel bei den Bildern zu »Elba« sichtbar, die als Vorstudien zu den späteren Arbeiten zu erkennen sind. Die kurzen Bezeichnungen der Bilder stammen von den Organisatoren der Ausstellung. Rupp-recht Geiger selbst nummerierte seine Bilder lediglich fortlau-fend durch, um den Betrachter nicht von der Wahrnehmung der Farbe abzulenken und durch Worte die Assoziationen zu lenken.

Vor dem Krieg hatte der Künstler eine Maurerlehre und ein Architekturstudium in München absolviert. Bei den kleinen, gegenständlichen Bildern wie Kairo, Nauplia oder Spanien wird der Bezug zur Architektur deutlich.

Als Kriegsmaler war Rupprecht Geiger später unter anderem 1944 in Griechenland eingesetzt, wo er seine autodidaktischen Studien zur Malerei fortführte. Ein Vielzahl an farbenprächtigen Landschaften, Stillleben und Stadtansichten entstanden, bei der die Erfahrung der Farbe im Vordergrund stand. »Der Süden ist ein einziger Rausch, eine Symphonie der Farben und man steht ihr ach! allzuoft fassungslos gegenüber. Oft gehe ich ratlos und fast verzweifelt durch die Glut der Häuser – Gassen und Licht und Schatten erscheinen mit erdrückender Fülle….«, beschrieb der Künstler damals seine Farberfahrung.

Die Ausstellung im Künstlerhaus Geiger, Neuwies 11, ist bis Sonntag, 11. September, samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am Tag des Offenen Denk-mals, 11. September, ist sie von 10 bis 17 Uhr durchgehend ge-öffnet. Christiane Giesen