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Der Tod und die Liebe

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Arthur (Hardy Krüger jun.) liest nach der gemeinsam verbrachten Nacht Claire (Eva-Maria Grein) seinen Abschiedsbrief vor. (Foto: Heel)

Wie eine eigentlich traurige Ausgangssituation eine kluge, witzige Komödie ergeben kann, oder anders gesagt: Wie sich Tragik in Hoffnung verwandeln kann, wenn man das Glück hat, dem richtigen Menschen zu begegnen – auch wenn es schon fast zu spät ist, das konnte man jetzt bei der Aufführung des Stücks »Arthur & Claire« im gut besuchten Saal des Traunreuter k1 erleben.


Protagonisten des Stücks sind nämlich zwei Selbstmordkandidaten, die das Schicksal in einem Amsterdamer Hotel zusammenführt. Arthur (Hardy Krüger jr.), Sportlehrer und Nichtraucher, ist unheilbar an Lungenkrebs erkrankt. Da er den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen möchte, ist er nach Amsterdam gereist, um in einer Sterbeklinik aus dem Leben zu scheiden. Nun sitzt er in seinem Zimmer, schreibt einen Abschiedsbrief und ärgert sich über die laute Musik aus dem Nachbarzimmer, die ihn dabei stört.

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Als Arthur nach nebenan stürmt, um sich zu beschweren, macht er die Bekanntschaft einer jungen Frau, Claire (Eva-Maria Grein von Friedl), die gerade dabei war, sich einen Strick um den Hals zu legen – aus gutem Grund, wie sie meint, hat sie bei einem Autounfall doch Mann und Kind in den Tod gefahren und sei über dieses Trauma nie hinweggekommen. Eine sarkastische Auseinandersetzung über den Sinn und Unsinn von Leben und Tod führt nach einer Weile dazu, dass sie beschließen, den letzten Abend gemeinsam zu verbringen – mit gutem Essen, Alkohol, Marihuana und Sex. Am nächsten Morgen, gemeinsam in Arthurs Hotelbett, erinnern sich beide an eine rauschhafte Liebesnacht. Aber: Was war das jetzt? Der Schlussakkord? Oder die Ouvertüre? Claire setzt jedenfalls alles daran, Arthur zum Weiterleben zu motivieren.

Mit »Arthur & Claire« hat der 1969 in Bludenz/Vorarlberg geborene Kabarettist und Autor Stefan Vögel eine anrührende Komödie geschrieben, die trotz all der Wut, Verzweiflung und Todesangst, die Arthur und Claire umtreibt, eine unerwartete Leichtigkeit besitzt. Auch wenn Arthur mit seinen Seitensprüngen seine Ehe zerstört hat und auch Claire ihren Mann betrogen hat, sind sie dem Zuschauer nicht unsympathisch. Mehr noch: Je länger man den beiden zuhört, desto mehr nimmt man Anteil an dieser Schicksalsgemeinschaft, an diesem Versuch zweier Fremder, sich gegenseitig zu retten. Zumal die beiden Lebensmüden ihren Gefühlen freien Lauf lassen, der Humor schwarz ist und nicht moralisiert wird.

Die romantische Tragikomödie, eine Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München unter der Regie von Ute Willing, spielt sich ausschließlich in den beiden Hotelzimmern ab, wobei das einfache, aber ansprechende Bühnenbild von Thomas Pekny dem Spiel einen intimen Rahmen verleiht. Publikumsmagnet Hardy Krüger jr. kam für einen Todkranken anfangs zwar ungewöhnlich vital und energisch rüber, spielte insgesamt aber derart intensiv und glaubwürdig, dass es eine wahre Freude war. Gut besetzt war auch Eva-Maria Grein von Friedl, die als flippige Claire einen schönen Gegenpol zum pedantischen Arthur bildete. Das überraschende Ende des Stücks, eine Art Epilog, dürfte für manche Zuschauer etwas befremdlich gewesen sein, rundete die mit viel Beifall bedachte Aufführung aber auf interessante Weise ab: Nach einer wohl glücklichen Zeit mit Claire ist Arthur seiner Krankheit erlegen. Claire, die inzwischen ein Baby in den Armen hält, ist im Begriff, eine Beziehung zu Arthurs erwachsenem Sohn, gespielt von Ricardo Angelini, einzugehen.

Übrigens: Die Geschichte der beiden Lebensmüden gibt es mittlerweile auch als Kinofilm »Arthur & Claire« mit Josef Hader und Hannah Hoekstra in den Hauptrollen. Wolfgang Schweiger