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Der Traum vom Profi soll jetzt Wirklichkeit werden

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Filimon (rechts) und sein Bruder Musie Abraham präsentierten stolz ihre Gesellenbriefe.
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Filimon Abraham belegte im vergangenen Jahr beim Hochfelln-Berglauf den starken zweiten Platz. In diesem Jahr wollte er wieder ganz vorne angreifen, doch daraus wird bekanntlich nichts, denn auch der Berglauf-Klassiker musste aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden. (Foto: Weitz)

Sportlich ist Filimon Abraham wie so viele andere auch in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie ziemlich ausgebremst worden. Doch für den 27 Jahre alten Ausnahmeläufer aus Eritrea war das alles gar nicht so schlimm: Denn bei Abraham, der seit ein paar Monaten auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, lagen im ersten Halbjahr die Prioritäten ohnehin auf seinem beruflichen Werdegang – und er meisterte diese Hürde mit Bravour!


Seit kurzem darf sich Filimon Abraham nun Schreinergeselle nennen – und darauf ist er mächtig stolz. »Das ist Wahnsinn! Das ist so ein schönes Gefühl«, erzählt Abraham, der beim Siegsdorfer Unternehmen Feil das Handwerk gelernt hat. Denn das sei eines seiner ersten Ziele gewesen, als er vor ein paar Jahren nach Deutschland gekommen ist, verrät der ehrgeizige Sportler, der mittlerweile in Traunstein wohnt. »Ich wollte in Deutschland zunächst ankommen, die Sprache lernen und eine Ausbildung machen, damit ich für später eine gute Grundlage habe.« Und er ergänzt: »Ich bin meinen Chefs sehr dankbar.«

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Die Freude über seinen Gesellenbrief war übrigens auch noch aus einem anderen Grund riesengroß: Denn auch sein Bruder Musie Abraham hat die Schreiner-prüfung gemeistert und darf sich jetzt Geselle nennen.

Gerade die letzten Wochen vor der Prüfung seien nicht einfach gewesen, blickt Filimon Abraham zurück. »Die Schule war ja geschlossen, wir hatten Online-Unterricht«, erzählt er. Letztlich sei aber alles gut gegangen. »Ich bin auch sehr froh, dass die Prüfungen wegen der Krise nicht um ein Jahr verschoben werden mussten«, erzählt Abraham im sehr guten Deutsch.

Besonders stolz ist er auch auf sein Gesellenstück: eine wunderschöne Pokalvitrine. Diese steht schon bei ihm zuhause. »Zuerst wollte ich einen Schreibtisch machen«, blickt er zurück, doch dann sei in der Schreinerei die Idee entstanden, dass eine Pokalvitrine für Abraham viel besser passen würde. Und in der Tat: Die unzähligen Pokale, die Abraham in den vergangenen Jahren aufgrund seiner starken Leistungen abgeräumt hat, bekommen demnächst einen neuen Ehrenplatz. Eingeräumt sind sie nämlich noch nicht, verrät der Athlet. »Ich muss sie erst noch alle putzen«, lacht er.

Wie es nun bei ihm weitergehen wird, das weiß Abraham ganz genau. Er hat bereits einen ganz konkreten Plan, was seine nahe Zukunft betrifft. Bis Ende des Jahres will er noch als Schreiner bei seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten und dann will er den nächsten Schritt machen – und der sieht vor, dass Abraham sich dann voll und ganz auf seine Sportlerkarriere konzentrieren wird.

10 km und Halbmarathon als Paradestrecken

»Ich möchte dann ganz vorne dabei sein«, erzählt der Läufer des TSV Teisendorf mit einem Leuchten in den Augen. »Ich glaube an mich.« Spezialisieren will er sich dabei künftig vor allem auf die 10-km-Strecke und den Halbmarathon. Auch dem Berglauf will er freilich treu bleiben. »Aber das ist für mich eher mein Hobby«, erzählt Abraham, der übrigens auch sehr gerne mit dem Rennrad oder dem Mountainbike unterwegs ist.

Dass er es sportlich weit bringen kann, deutete er ja schon die vergangenen Jahre bei diversen Rennen immer wieder mit Bravour an – egal ob bei Straßen- oder bei Bergläufen. Auch deshalb war Abraham in diesem Jahr sehr traurig darüber, dass sämtliche regionalen Veranstaltungen im Frühjahr, wie etwa der Traunsteiner Halbmarathon oder der Waginger Halbmarathon, wegen der Coronavirus-Krise ausfallen mussten.

Denn trotz der vollen Konzentration auf seine Prüfungen war Abraham auch sportlich wieder gut drauf. »Ich habe schon viel trainiert, weil ich wirklich Lust darauf hatte und das Wetter war im Frühjahr ja auch sehr gut«, erzählt der Läufer, der meistens allein trainiert, aber ab und an auch zusammen mit dem Pallinger Ausnahmeläufer Benedikt Huber seine Runden dreht. Motivationsprobleme wie so viele andere Sportler hatte er wegen der Corona-Krise und den ganzen abgesagten Wettkämpfen jedenfalls keine – ganz im Gegenteil! »Ich habe beim Laufen den Kopf von der Schule frei bekommen«, betont er.

Teilweise habe er dabei auch Programme abgespult, die schon nahe an das Pensum eines Profis rangekommen sind. »Das war quasi ein Vorgeschmack auf nächstes Jahr«, lacht Abraham, der sich aktuell die Trainingspläne noch selber schreibt, aber sich im nächsten Jahr dann vielleicht einen Trainer an die Seite holen will. In den nächsten Monaten wird er auf jeden Fall bereits eine gute Grundlage für 2021 legen, denn da möchte er sich gleich für die EM und die WM qualifizieren.

Abraham hofft auch darauf, dass noch der eine oder andere Wettkampf im Herbst möglich sein wird. Nachdem eines seiner Lieblingsrennen, der Hochfelln-Berglauf, für dieses Jahr ebenfalls bereits abgesagt wurde, hat der Läufer schon andere Ziele auserkoren. Er will beim Rupertus-Thermenlauf am 29. August in Bad Reichenhall antreten und auch beim Dolomitenmann am 12. September wieder als Bergläufer an der Startlinie stehen. Der Staffelwettbewerb im österreichischen Lienz besteht ja aus vier Disziplinen (Berglauf, Paragleiten, Mountainbiken und Wildwasser-Kajak). Bereits 2019 war Abraham dort mit seinem Team erfolgreich unterwegs.

»Ich freue mich auf das, was kommen wird«, sagt er. Allerdings weiß er auch, dass der Erfolg nicht programmierbar ist. »Ich muss gesund und verletzungsfrei bleiben«, hofft er.

Sollte es sportlich doch nicht so wie gewünscht laufen, kann er sich auf jeden Fall vorstellen, in den Schreiner-Beruf zurückzukehren. »Das ist ein toller Beruf«, sagt er. »Das Arbeiten mit Holz macht mir einfach richtig viel Spaß.«

Doch jetzt gilt bald seine volle Konzentration dem Sport. »Ich hoffe, dass 2021 wieder alles normal sein wird«, sagt Abraham. Dann will er im Februar oder März ins Höhentrainingslager nach Kenia oder Äthiopien reisen, um dort eine stabile Form für die Saison aufzubauen. »Im April und Mai gibt es dann hier viele Halbmarathons, bei denen ich starten will.« Und spätestens dann will Filimon Abraham den einen oder anderen neuen Pokal für seine Pokalvitrine holen. Das Potenzial dazu hat er auf jeden Fall! SB