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Der »Vater der Kunsteisbahn« wird 80

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Morgen Sonntag feiert der einstige »Goldschmied vom Königssee« Sepp Lenz seinen 80. Geburtstag. Ein Leben lang blieb der Königsseer dem Rodelsport treu und sorgte mit dafür, dass diese Sportart heute einen sehr großen Stellenwert besitzt. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – »Vater der Kunsteisbahn« und »Goldschmied vom Königssee« sind zwei Attribute, die sich Sepp Lenz aufgrund seiner großen Verdienste um den Rennrodelsport erworben hat. Morgen Sonntag feiert der einstige Weltklasserodler und Bundestrainer seinen 80. Geburtstag.


Schon früh packte den jungen Sepp Lenz der Rodelvirus. Erfahrung hatte er bereits gesammelt, denn es gab in alten Zeiten heimische Rodelrennen vom Vorderbrand und sogar einmal auf den alten NS-Straßen über dem Ofnerboden. 1962 wurde der Königsseer in Weißenbach bei Liezen/Steiermark schließlich Europameister. Der passionierte Skifahrer gewann jedoch auch einmal das sogenannte »Gondelrennen« direkt auf der Trasse der Obersalzberg-Seilbahn hinab zur Schießstättbrücke. Heute steht er trotz einer Beinamputation immer noch gut auf den Skiern.

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1964 folgte durch einen schweren Unfall im Doppelsitzerbewerb der Olympischen Winterspiele in Innsbruck das jähe Karriereaus. Der schlimme Sturz mit seinem Doppelpartner Sepp Fleischmann blieb für den Königsseer jedoch nicht der einzige Bahnunfall. 1993 erfasste den damaligen Rennrodel-Bundestrainer beim Säubern der Bahn in Winterberg eine US-amerikanische Rodlerin, deren Schlitten ihm den Unterschenkel abtrennte. Doch schon zwei Monate später stand Lenz bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer wieder an der Bahn.

Sepp Lenz wurde auch immer wieder der »Goldschmied vom Königssee« genannt, da er trotz großer Konkurrenz aus der damaligen »DDR« mit seinen Aktiven 96 Medaillen in 29 Jahren Trainertätigkeit bei Großereignissen gewonnen hat.

Dass es die Königsseer Bahn überhaupt gibt, ist ebenfalls zum Großteil dem Königsseer zu verdanken. Denn der einstige Kapitän der Königssee-Schifffahrt hatte schon früh die Idee einer Kunstbahn als Vorgängerin für die seit 1969 betonierte Kunsteisbahn am Fuße des Grünsteins. »Ich habe ja täglich gesehen, dass dort, wo die erste Kunsteisbahn der Welt heute platziert ist, sehr lange Schatten liegen und damit eine günstige Stelle für eine Kunstbahn besteht«, sagt das Geburtstagskind. Zusammen mit seinem Vater und Bruder packte das Trio Lenz das Vorhaben an und 1959 wurde mit dem Bau der Kunstbahn am Königssee begonnen. Das Eis kam damals vom Hintersee und auch vom Königssee und wurde in mühevoller Handarbeit zu Kurven verbaut.

Sepp Lenz steckte immer viel Herzblut in »seine« Bahn. »Ohne den Sepp Lenz würden wir heute nicht hier im VIP- Haus stehen«, bekundete erst jüngst ein Rodelfunktionär anlässlich des Rennrodel-Weltcups am Königssee. Natürlich war bei allen Bemühungen auch die sportpolitische Seite ein wichtiger Aspekt. Im ehemaligen Präsidenten des Deutschen Bob- und Schlittensportverbandes (DBSV), Richard Hartmann, fand Lenz den entscheidenden Mitstreiter für den Bau der ersten Kunsteisbahn der Welt. Die beiden hatten früh geahnt, dass Rodeln einmal eine sehr wichtige Sportart im Kaleidoskop des internationalen Sports werden sollte.

Auch nach seinem Rücktritt vor 20 Jahren, als der »Bahnprofessor« sein Amt an den später ebenfalls sehr erfolgreichen Thomas Schwab übergeben hat, blieb der Umtriebige der Bahn treu. Immer wieder wurde er auf der ganzen Welt als Experte zu Bahnneubauten gerufen und brachte sein großes Wissen in die Planungen und den Bahnbau ein.

Auch heute noch führt den Jubilar sein Weg fast täglich an die Bahn. Egal ob die Bobfahrer, die Skeletonis, die Rodler oder der Nachwuchs durch die Eisröhre rauscht – der Lenz Sepp ist da und gibt immer noch fundierte und fachkundige Kommentare ab. Mehrfach wurde Sepp Lenz für sein Lebenswerk Rennrodeln ausgezeichnet. Seine Kinder und Enkel folgten allerdings nicht dem Sport, sondern widmen sich der Musik.

Am morgigen Sonntag feiert Sepp Lenz mit seiner großen Familie und Freunden im Berggasthof »Vorderbrand« seinen 80. Geburtstag. Sicher wird da so mancher Überraschungsgast seine Aufwartung machen. Christian Wechslinger

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